Anfängerzahlen für Chemiestudiengänge 2017

Die jährliche GDCh-Auswertung zu den Studierendenzahlen für Chemiestudiengänge ist jetzt für 2017 erschienen. Für 2016 hatte ich an dieser Stelle schon berichtet.

Die Ankündigung der GDCh ist hier zu finden.

Vielen Dank an dieser Stelle an die GDCh für das zur Verfügung stellen der Abbildungen.

Die Zahlen der Chemiestudierenden

Wie schon im letzten Jahr bleibt die Anfängerzahl auf hohem Niveau stabil, ca. 7000 Personen haben ein Chemiestudium begonnen.

 

Anfängerzahlen in der Chemie bis 2017
Anfängerzahlen in der Chemie (Quelle: GDCh Statistik der Chemiestudiengänge 2017).

Auch die Zahl der Promotionen hat sich wohl beim Stand von 2000 eingependelt, dieses Jahr markiert einen neuen Höchststand mit leicht höheren Werten als im Vorjahr.

Promotionen in der Chemie (Quelle: GDCh Statistik der Chemiestudiengänge 2017).

Im letzten Jahr hatte ich ja die Prognose gewagt, dass diese Zahl noch einige Jahre so hoch bleibt:

Wenn man ca. 10 Jahre bis zur fertigen Promotion rechnet und sonst alles gleich bleibt, dann bleiben die Promotionen ein paar Jahre auf dem Niveau und steigen dann weiter an. Aber das ist nur ein Blick in die Kristallkugel.

Das Fazit

Laut dem Artikel in den Nachrichten aus der Chemie haben es Berufseinsteiger weiter schwer, 11% der Absolventen sind stellensuchend, 20% befristet beschäftigt. Die Zahlen etwas besser als die von 2016, wie signifikant dieser Unterschied ist, weiß ich allerdings nicht.

Worüber schreiben?

Manchmal weiß ich nicht, worüber ich schreiben soll.

Aus der Wirtschaft

Klar, es gibt weitere Firmen, die Ihre Bilanzen für 2017 veröffentlicht haben. Alles super bei Covestro, Evonik und Lanxess (siehe die Nachrichten aus der Chemie von Mai 2018). Aber über solche Nachrichten habe ich erst berichtet.

Außerdem hat Bayer einen weiteren Teil der Covestro-Aktien verkauft.

Der Arbeitsmarkt

Vom Arbeitsmarkt gibt es auf den ersten Blick auch nur gute Nachrichten. In meiner Grafik sinkt die Zahl der stellensuchenden Chemiker seit 2017 deutlich. Ist das eine tatsächliche Verbesserung, oder sind diese Leute in andere Nischen des Arbeitsmarkts verschwunden?

Ich weiß es nicht, und im Moment kann ich dazu auch nichts herausfinden. Mal sehen, was die Gehaltsumfrage der GDCh für dieses Jahr aussagen wird…

Im europäischen Ausland scheint es nicht so gut auszusehen, wie ein Leser in einem Kommentar ergänzt hat:

Mobility Mentoring – Ein EU finanziertes Projekt
„Increasing the Employment of Young Workers in the European Chemical Industry“
https://www.mobilitymentoringportal.eu/de/

Aus der Pressemeldung
Schon seit Jahren ist die Jugendarbeitslosigkeit vor allem in den südlichen Mitgliedstaaten der EU alarmierend hoch. „Zahlreiche hochqualifizierte Absolventen, darunter auch viele Ingenieure und Naturwissenschaftler, finden keine Arbeit oder nur Jobs, die nicht ihren Qualifikationen entsprechen“, betonte FECCIA-Präsident Dr. Roland Leroux im Rahmen der Konferenz „Mobility and Mentoring“

Diese hohe Jugendarbeitslosigkeit ist erschreckend. Was machen diese jungen Leute ohne zufriedenstellende Jobs? Darüber ist schon 2015 in der Zeit geschrieben worden und vor einer verlorenen Generation gewarnt worden. Seitdem scheint sich nicht vieles verbessert zu haben. Oder sehen wir es nur nicht?

Habt Ihr weitere Themen, liebe Leser?

 

 

 

Leserbeteiligung und diverses

Auch dieses Jahr möchte ich über die Feiertage zwei spezielle Posts machen, einen Jahresrückblick und einen Ausblick auf 2018. Hier freue ich mich, wenn IHR Themen beitragen wollt oder mir Stichworte geben wollt. Es kann gerne auch ein persönliches Erlebnis sein, dass ich dann anonymisiert hier veröffentlichen kann. Schreibt einfach einen Kommentar hier unten. Dazu ist keine Angabe der Emailadresse nötig.

Dann habe ich noch interessante Zahlen aus den USA, die in der vorletzten C&EN (Volume 94, Issue 48) standen und die vom US Bureau of Labor Statistics und der National Science Foundation kommen:

Bis 2026 sollen die Chemie-Stellen um 6% absolut wachsen, das hieße, dass 5700 Jobs neu geschaffen werden. Zum Vergleich gibt C&EN die Zahl von 14669 Bachelorabsolventen im Jahr 2015 an. Das ist keine sehr erfreuliche Aussicht.

Ähnliche Zahlen für Deutschland wären interessant, wenn die jemand hat, kann er sie auch gerne in einem Kommentar zum Post mitteilen.

Ich wünsche Euch noch eine schöne und hoffentlich entspannte Vorweihnachtszeit.

 

Bericht: Arbeitsmarkt für Akademiker

Die Agentur für Arbeit hat vor kurzem eine Broschüre mit dem Titel „Arbeitsmarkt für Akademiker“ auf ihrer Statistikseite veröffentlicht. Laut diesem Bericht verfügen inzwischen über 20% der Erwerbstätigen über einen Hochschulabschluss. Und es geht weiter nach oben, inzwischen studieren 2,8 Millionen.

Gibt es einen Fachkräftemangel?

Am anderen Ende der Erwerbslaufbahn werden aber viele hochgebildete in den Ruhestand gehen, in den Naturwissenschaften liegt der Anteil an über 55-Jährigen bei rund 20%. Wie wird das ausgehen, droht ein Fachkräftemangel im Akademikerbereich? Nein,…

Die Forscher sehen ab 2025 eher die Gefahr eines  Fachkräftemangels im mittleren Qualifikationssegment, wenn  die Trends der letzten Jahre anhalten sollten.
Auch zeigt sich in der Studie, dass nur wenige der arbeitenden Naturwissenschaftler auch als Naturwissenschaftler arbeiten (ein toller Satz :)). Von ca. 500.000 sind das nur 160.000. Viele arbeiten interdisziplinär oder in anderen Bereichen.

Wie sieht es in der Chemie aus?

Hier ein Zitat für die Chemie:
In der Chemie […] sank die Arbeitslosenzahl um drei Prozent auf 2.600 Arbeitslose. Bezogen auf die Zahl aller Erwerbspersonen mit einem Studienabschluss der Chemie ergibt sich ebenfalls eine geringe Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent. Im Jahresverlauf wurden 1.300
Stellenangebote neu gemeldet, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Monatsdurchschnittlich standen damit nicht ganz 300 Stellenangebote für Chemie-Experten zur Verfügung.
Für das Jahr sieht es nicht so schlecht aus. Siehe hierzu auch meine Auftragung arbeitsloser Chemiker gegen die Zeit.
Was meint Ihr, stimmt das mit Eurem Gefühl und Eurer Situation überein?

Der Chemiker der Zukunft

Beim Lesen von Jobangeboten und Annoncen (auf meiner Jobseite findet man welche) stolpere ich öfters über die Anforderungen an den Bewerber.

Ein extrem sind Punkte wie Kenntnisse in MS Office/Excel/Powerpoint oder ein Englischkenntnisse. Hier vermute ich, dass dies den Bewerberkreis überhaupt nicht einschränkt, weil das jeder kann.

Auf der anderen Seite gibt es die Forderung nach zehnjähriger Berufserfahrung in einem sehr exotischen Randgebiet der Chemie.

Das hat mich zu der Frage gebracht, was denn ein Chemiker in fünf oder zehn Jahren können sollte, um möglichst gute Chancen zu haben. Natürlich neben einer guten Promotion

Hier meine Vorschläge:

  • IT-Kenntnisse, erste Programmiererfahrungen und Verständnis von Datenbanken,
  • Chinesisch,
  • Gute Kommunikationsfähigkeit,
  • BWL-Grundlagen, am Besten durch eine Unternehmensgründung während des Studiums,
  • Verständnis für biologische und biochemische Prozesse,
  • Verständnis des cradle-to-cradle Konzeptes…

Das ist durchaus ernst gemeint. Was fällt Euch noch ein? Kann man das im Studium lernen?

Schreibt es in die Kommentare, ich bin gespannt.

Berufsaussichten für Chemiker 2017

Achtung: Inzwischen gibt es einen Post über die Aussichten für 2018.

In diesem Jahr habe ich eine Serie über Jobs für Chemiker gestartet, bisher habe ich den Laborleiter in der Entwicklung und den Betriebsassistenten vorgestellt.

Aber wie sind eigentlich die Aussichten für Chemiker 2017, einen Arbeitsplatz zu finden? Die vergangenen Arbeitslosenzahlen könnt ihr auf der Seite Arbeitslosigkeit im Blog finden. Ein weiteres Indiz können die Studienanfängerzahlen und die Nachfrage der Wirtschaft bieten.

Studienanfängerzahlen

Jedes Jahr erhebt die GDCh Daten zur Zahl der Chemiestudierenden in Deutschland. Laut dieser Umfrage steigt die Summe der Studienanfänger seit 2008 mit einem Ausreißer nach oben kontinuierlich an (siehe Abbildung).

Studiengang Chemie: Studienanfänger/innen im Diplom- und Bachelor-Studiengang (Quelle: GDCh)

Die Anzahl der Absolventen ist von 1000 im Jahr 2003 auf  über 2.000 gestiegen. Allerdings waren es 1995 auch schon mal 3000 Absolventen.

Trotzdem vermute ich, dass der Angebotsüberschuss für Chemiker auf dem Arbeitsmarkt noch eine Zeit erhalten bleiben wird. Außer natürlich, es werden wieder deutlich mehr Personen eingestellt.

Studiengang Chemie: Verbleib der prom. Absolventen in % von 2003 bis 2015 (Quelle: GDCh)

Interessant ist auch ein Blick auf die promovierten Chemiker und was diese nach der Promotion machen. Das ist schwer zu kommentieren, offensichtlich scheint, dass es 2015 mehr stellensuchende promovierte Chemiker gab und weniger, die einen Postdoc im Inland gemacht haben oder ins Ausland gegangen sind.

Nachfrage der Wirtschaft

Eine Prognose, wie sich die Beschäftigtenzahlen in der deutschen chemischen Industrie entwicklen, wage ich fast nicht. Die Zahl der Neueinstellungen wird stark konjunkturabhängig sein und ich kann Übernahmen oder Verlagerungen ins Ausland nicht voraussehen. Die Übernahmen der Vergangenheit versuche ich in meiner Serie über die Nachfolgeunternehmen der IG Farben zu zeigen, beginnend mit Hoechst.

Der VCI veröffentlicht jährlich die „Chemiewirtschaft in Zahlen“, so auch für 2016. Dem kann man entnehmen, dass die Zahl aller Beschäftigten in chemischer und pharmazeutischer Industrie seit 2008 leicht zunimmt, von 311.098 auf 332.213 Personen 2015. Das wäre ein jährliches Wachstum von ca 1%. In der Pharmaindustrie war der Wert 2008 bei 117630, 2015 bei 114069, das ist ein Rückgang, allerdings steigen die Zahlen seit 2010 wieder leicht an (siehe Abbildung).

Stagnierende Beschäftigung in Chemie- und Pharmaindustrie.
Beschäftigtenzahlen für chemische und pharmazeutische Industrie nach dem VCI.

Daher vermute ich, dass es in diesem Jahr keine massiv steigende Nachfrage nach Chemikern durch stark steigende Beschäftigungszahlen gibt.

Der demographische Faktor

2011 berichtete der BAVC (Chemiearbeitgeberverband) über das steigende Durchschnittsalter in der Chemieindustrie. Damals lag der Altersdurchschnitt bei 42.2 Jahren, im Informationsbrief ist auch eine Altersverteilung abgebildet, die ihre Spitze bei 46 Jahren hat. Ich nehme mal an, dass dies ungefähr auch für die promovierten Chemiker gilt, dann sollten in den kommenden Jahren trotz weiter steigendem Rentenalter mehr und mehr Stellen frei werden.

Ob und wie diese neu besetzt werden, ist dann eine anderen Frage.

Wenn Ihr einen Job als Chemiker sucht, schaut gerne auf meiner StepStone-Seite vorbei und unterstützt den Blog, wenn Ihr dort eine interessante Stelle anklickt.

Der Arbeitsmarkt in Europa

Die Agentur für Arbeit hat eine Statistik über europäische Arbeitsmärkte im Vergleich herausgebracht. Laut Daten sinkt die Arbeitslosigkeit in der EU weiter, wobei es bekannterweise und vereinfacht einen Nord-Süd-Anstieg gibt (mit Ausnahme Malta).

Vor allem in den Mittelmeerländern haben allerdings viele Jugendliche keine Jobs, dies scheint mit ein Effekt der unterschiedlichen Ausbildungssysteme zu sein. In Deutschland z.B. wird man während seiner Ausbildung bezahlt, in Spanien ist das nicht der Fall. Zum besseren Vergleich gibt es eine sogenannte NEET-Quote (NEET: Not in Education, Employment or Training), die in Ausbildung befindliche Jugendliche herausrechnet. Dann relativiert sich das Bild etwas, von 43% Erwerbslosen kommt man in Spanien beispielsweise auf 16% NEET-Quote. Wie gut das passt, weiß ich nicht. Habt Ihr dazu Kommentare?

Die wirtschaftliche Entwicklung soll im Schnitt weiter moderat positiv sein, Ausnahmen sind Ungarn, Griechenland und Polen.

Genauer lest Ihr das in der oben verlinkten Studie. Alles in allem hat mich wenig überrascht. Was meint Ihr?

Veränderte Ansprüche an die Arbeitswelt

In den letzten Monaten konnte ich immer wieder darüber lesen, wie anders die sogenannten Millenials, also die von 1980 bis 2000 geborenen, in Bezug auf die Arbeitswelt sind.
Es gibt Studien, die sich damit beschäftigen, z.B. von PwC. Hier ein Zitat eines PwC-Partners zu dem Thema:

Sie lehnen hierarchische Strukturen ebenso ab wie Herrschaftswissen. Sie verachten Stillstand, wünschen sich fortlaufend Feedback auf ihre Leistung zu erhalten und erhoffen sich eine abwechslungsreiche berufliche Laufbahn. Mit anderen Worten: Millenials erwarten einen Management-Stil und eine Unternehmenskultur, die sich in vielen Dingen von tradierten Strukturen unterscheiden.

Edition F schreibt sogar davon, dass viele Millenials bis 2020 ihren Job wechseln wollen, weil zu wenig auf ihre Bedürfnisse am Arbeitsplatz eingegangen wird.

Ich frage mich: Ist das wirklich so, dass „wir“ (ja, ich gehöre auch noch knapp zu den Millenials) eine so andere Erwartung an die Arbeitswelt haben? Wäre uns ein fester Arbeitsplatz über unser Berufsleben unangenehm? Oder gibt es für uns einfach keine Sicherheiten mehr? Das ist wahrscheinlich ein Henne-Ei-Problem, ob sich zuerst die Arbeitsplätze oder unsere Erwartungen geändert haben. Oder habt diese Generation das Urvertrauen in die Arbeitgeber verloren?

Was meint Ihr denn dazu? Und gilt das auch für die Chemieindustrie?

Der deutsche Arbeitsmarkt im Dezember 2015

Die Bundesagentur für Arbeit hat vor einer Woche ihren monatlichen Newsletter verschickt. Darin ist erfreuliches zu lesen: Die Arbeitslosigkeit ist saisonbereinigt gesunken, es waren 2.68 Millionen betroffen, was einer Quote von 6.1 % entspricht.

Der Jahresrückblick ist überschrieben mit „Positive Arbeitsmarktentwicklung bei moderatem Wirtschaftswachstum“. Dort wird geschätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt 2015 um ca. 1.7 % gestiegen ist, die Investitionen der Unternehmen aber eher schwach waren.

Letztes Jahr hatten 8 % der sozialversicherten Beschäftigten einen Nebenjob, während nur 10 % der Erwerbstätigen selbständig waren.
Laut dem Bericht hat das Angebot an Arbeitskräften auch weiter zugenommen, daher stehen dieses Jahr 45.83 Mio Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Wer es genau wissen will, kann den vollständigen Bericht lesen.

Zahlen zu den Chemiestudiengängen von der GDCh

In den Nachrichten aus der Chemie 2015, 63, 823 (Link zu Artikel) stellt die GDCh die neuesten Zahlen zu den deutschen Chemiestudiengängen vor.

Auffällig ist, dass 2014 wieder sehr viele Studenten ein Chemiestudium begonnen haben, fast so viele wie 2011, als in Bayern und Niedersachsen ein doppelter Abiturjahrgang das Studium aufnahm. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Doktoranden wieder gesteigert, inzwischen befinden sich 8222 Studenten in der Promotion.

Daraus leite ich ab, dass auch in den nächsten 5-10 Jahren kein Fachkräftemangel in der Chemie zu befürchten ist. Die schulische Förderung von Chemie scheint auch gut zu funktionieren, oder wollen wir, dass noch mehr Schüler ein Chemiestudium beginnen?

Zwar sind die Zahlen über den Verbleib der Absolventen nicht sehr vollständig und bietet Raum für Interpretation, aber die Autoren meinen erkennen zu können, dass dieses Jahr mehr Absolventen stellensuchend sind als in den Vorjahren.

Was auch immer die Statistik sagt, entscheidend für den Einzelnen ist das eigene Glück. Wie erging es Euch im letzten Jahr, wenn ihr eine Stelle gesucht habt?

Statistische Infos zu den Studiengängen sind übrigens unter http://www.gdch.de/statistik verfügbar.