Anfängerzahlen für Chemiestudiengänge 2017

Die jährliche GDCh-Auswertung zu den Studierendenzahlen für Chemiestudiengänge ist jetzt für 2017 erschienen. Für 2016 hatte ich an dieser Stelle schon berichtet.

Die Ankündigung der GDCh ist hier zu finden.

Die Zahlen der Chemiestudierenden

Wie schon im letzten Jahr bleibt die Anfängerzahl auf hohem Niveau stabil, ca. 7000 Personen haben ein Chemiestudium begonnen. Auch die Zahl der Promotionen hat sich wohl beim Stand von 2000 eingependelt, dieses Jahr markiert einen neuen Höchststand mit leicht höheren Werten als im Vorjahr. Im letzten Jahr hatte ich ja die Prognose gewagt, dass diese Zahl noch einige Jahre so hoch bleibt:

Wenn man ca. 10 Jahre bis zur fertigen Promotion rechnet und sonst alles gleich bleibt, dann bleiben die Promotionen ein paar Jahre auf dem Niveau und steigen dann weiter an. Aber das ist nur ein Blick in die Kristallkugel.

Das Fazit

Laut dem Artikel in den Nachrichten aus der Chemie haben es Berufseinsteiger weiter schwer, 11% der Absolventen sind stellensuchend, 20% befristet beschäftigt. Die Zahlen etwas besser als die von 2016, wie signifikant dieser Unterschied ist, weiß ich allerdings nicht.

Ist das neue Rätsel ums Ozonloch gelöst?

Vor kurzem habe ich berichtet, dass in einem Observatorium auf Hawaii verbotene Substanzen in der Atmosphäre entdeckt wurden, die die Ozonschicht schädigen und so dazu führen, dass unser schrumpfendes Ozonloch sich langsamer schließt.

Wo ist die Quelle?

In einem Bericht der New York Times werden Hersteller von Dämmaterialien in China aus mögliche Quelle der Emission genannt:

Interviews, documents and advertisements collected by The New York Times and independent investigators indicate that a major source — possibly the overwhelming one — is factories in China that have ignored a global ban and kept making or using the chemical, CFC-11, mostly to produce foam insulation for refrigerators and buildings.

Die umweltfreundlicheren Substitutionsmöglichkeiten waren wohl etwas teurer, weshalb anscheinend viele Fabriken um Xingfu weiter CFC-11 nutzten.

Für mich ist das zum einen ein Beispiel, wie die Summe an individuellen Entscheidungen sehr viel beeinflussen kann. Mein eigenes Verhalten hat also durchaus ein Gewicht.

Zum anderen sieht man hier natürlich wieder das zynische Argument der Marktmechanismen. Es war halt billiger… Seltsam, dass sogar in China so argumentiert wird.

Die Lehre daraus

Aber war es wirklich billiger? Die Kosten von CFC-11 wurden hier halt externalisiert und werden von der  gesamten Menschheit bezahlt. Vielleicht liegt darin eine Lehre. Solche Umweltkosten, die normalerweise auf den Rest der Gesellschaft umgelegt werden, sollten mehr in die Preise von Produkten einfließen.

Oder was meint ihr?

Megatrends als Chance für Chemiker

In letzter Zeit habe ich mich ein bisschen entfernt vom ursprünglichen Thema des Blogs, nämlich Stellen für Chemiker aufzuzeigen. Naja, nur ein bisschen, im weiteren Sinne geht betreffen ja sowohl die Strafzölle als auch die illegal emittierten FCKWs Chemiker und deren Stellen. Daher soll es heute um Megatrends gehen. Wie komme ich darauf?

Heute habe ich auf Twitter wieder eine Stellenanzeige gesehen. Carbon Recycling International sucht einen Chemiker, der sich mit heterogener Katalyse auskennt und in Island leben möchte. Bis zum 9. Juli ist noch Zeit zum Bewerben. Das finde ich interessant, es geht, soweit ich verstehe, um synthetische Brennstoffe, und Island finde ich auch spannend. Dort gibt es ja auch ein riesiges Geothermiekraftwerk.

Megatrends

Ich glaube, Siemens hat mal angefangen, Megatrends zu definieren, um sich so besser für die Zukunft aufstellen zu können. Nach dem Lesen der Stellenanzeige habe ich das mal für zukünftigen Chemikerinnen und ihre Kollegen versucht. Wo werden in einigen Jahren viele Chemikerinnen und Chemiker arbeiten (ich weiß, das Thema hatte ich schon in Verbindung mit künstlicher Intelligenz) ?

Mir sind spontan die Bereiche Energieerzeugung und -speicherung, Gesundheit und ökologisch vertretbare Materialien eingefallen. Also alles rund um erneuerbare Energien, der Entwicklung vernünftiger Energiespeicher, Langlebigkeit, Pharmazie, Recycling, Ersatz von fossilem Plastik…

Braucht es dazu neuer Fähigkeiten? Ich habe vor längerer Zeit mal schnell und erfolglos versucht, das zu skizzieren. Rein aus chemischer Sicht sollte man vielleicht mehr Wert auf fachbereichsübergreifende Fähigkeiten legen, also nicht nur Totalsynthese, sondern auch anorganische und Polymerchemie.

Vielleicht sollte auch die extreme Spezialisierung während der Promotion aufgegeben werden, da ja eh fast niemand mehr im akademischen Bereich weiterarbeitet.

Welche Arbeitsbereiche fallen Euch denn noch ein?

Auswirkungen der Strafzölle für die chemische Industrie

Die USA und die Strafzölle

Nachdem die USA ja seit Anfang Juni  Strafzölle auf Stahl und Aluminium erhebt und weitere Produkte folgen könnten, erwägen die betroffenen Staaten, ihrerseits amerikanische Produkte mit höheren Zöllen zu belegen. China denkt hier explizit an chemische Produkte aus den USA.

Trotz G7-Gipfel ist bisher ja nach den Tweets Donald Trumps unklar, was genau die USA weiter vorhaben. Daher ist es schwierig, Auswirkungen auf die chemische Industrie in Deutschland und damit auch auf die Arbeitsplätze zu prognostizieren.

Ich halte es für wahrscheinlich, dass im Falle einer Eskalation Autos aus Deutschland mit höheren Zöllen belegt werden. Auch die chemische Industrie ist in Deutschland stark abhängig von der Automobilindustrie. Über die genaue Verteilung der Chemieerzeugnisse nach Branchen habe ich leider keine Zahlen gefunden.

Strafzölle für die chemische Industrie?

Der Export chemischer Produkte ist im Moment auf einem sehr hohen Niveau und liegt 5,5% höher als im Vorjahreszeitraum (siehe das Chemiebarometer des VCI), das Wachstum resultiert aber hauptsächlich aus gesteigerten Exporten in die EU und nach Ostasien. Exporte in die NAFTA-Region und nach Lateinamerika haben sogar leicht abgenommen. Allerdings steigen die Importe aus den USA weiter an. Das spricht eventuell gegen direkte Strafzölle auf Chemikalien.

Das Handelsbilanzdefizit der USA mit Deutschland lag 2016 übrigens bei 67 Mrd. Dollar (https://www.census.gov/foreign-trade/Press-Release/2017pr/09/ft900.pdf).

Einen guten Kommentar dazu gibt es von der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Chemie rettet Welt

„Chemie rettet Welt“ ist natürlich ein etwas provokativer Titel. Und nein, es geht nicht um das Haber-Bosch-Verfahren, sondern um Atmosphärenchemie.

FCKW werden weiter hergestellt

Ich habe letztens gelesen, dass es in Südostasien eine Quelle zu geben scheint, die verbotene Substanzen herstellt. Diese schädigen die Ozonschicht und wurden in einem Observatorium in Hawaii detektiert. Zu lesen z.B. bei der National Post (Link) oder The Guardian (Link). Die Chemikalie ist Trichlorfluormethan, die Herstellung der Substanz ist seit 2010 eigentlich nicht mehr erlaubt.

Anscheinend wurden „13 billion grams per year in recent years“ (National Post) produziert.

Ich bin wirklich überrascht, dass das so detektiert werden konnte und schockiert, dass jemand noch so große Mengen dieser Chemikalien herstellt. Wer kauft die denn noch? Es gibt Alternativen, die nicht verboten sind.

„Chemie rettet Welt“? Eher das Gegenteil, oder?

Ambivalenz der Chemie

Das ist der ambivalente Charakter der Chemie. Zum einen zerstören Leute durch die Herstellung verbotener Stoffe die Schutzschicht der Erde. Zum anderen kann das detektiert werden und jetzt können Nachforschungen angestellt werden, die hoffentlich zum Ende der Emission führen.

Mal sehen, ob sich diese Beobachtungen als richtig herausstellen, ob  die Schuldigen gefunden werden können und was die Erklärung für die Freisetzung ist.

Neue Stereoisomere?

Nach den eher dürren Wochen ohne Chemie habe ich heute einen interessanten Artikel auf C&EN gelesen. Es wurde anscheinend eine neue Klasse von Stereoisomeren entwickelt. Das fand ich interessant, weil das zunächst mal meine Vorstellung überstiegen hat. Ich dachte, ich kenne alle Stereoisomere…

Wie heißt das?

Die Vertreter der Klasse sollen Akamptisomere genannt werden, und sie entstehen durch Bindungswinkelinversion. Ob sich chemische Startups gründen lassen, die diesen Effekt ausnutzen?

Entdeckt wurde das ganze in Sydney während der Charakterisierung von Porphyrinmakrozyklen mit einer Bor-Sauerstoff-Bor-Brücke. Problematisch war dann, dass die verschiedenen Isomere mit der bestehenden Nomenklatur nicht benannt werden konnten.

Ich bin gespannt, ob sich dieser Begriff durchsetzt. Millionen von zukünftigen Studenten könnte das noch Freude bereiten :).

 

Blog DSGVO-konform gestalten

Heute habe ich versucht, meinen Blog DSGVO-konform zu gestalten. Da ich mir ja als StepStone-Affiliate ein Zubrot verdiene, um meine Server- und Domainkosten zu decken, bin ich ein gewerblicher Blogger. Und so falle ich unter die DSGVO.

Das ist kein großer Spaß, daher gibt es jetzt auch eine Cookie-Leiste oben auf der Seite und beim Kommentieren ein opt-in, dass persönliche Daten gespeichert werden.

Falls unter meinen Lesern ein versierter Datenschutzanwalt ist, kann er gerne auch meine Datenschutzerklärung prüfen. Wobei momentan anscheinend noch gar nicht genau feststeht, wie man DSGVO-Konformität erreicht…

Naja, nach dem 25. Mai und ein paar Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen (hoffentlich ohne meine Beteiligung :)) wissen wir alle mehr…

Worüber schreiben?

Manchmal weiß ich nicht, worüber ich schreiben soll.

Aus der Wirtschaft

Klar, es gibt weitere Firmen, die Ihre Bilanzen für 2017 veröffentlicht haben. Alles super bei Covestro, Evonik und Lanxess (siehe die Nachrichten aus der Chemie von Mai 2018). Aber über solche Nachrichten habe ich erst berichtet.

Außerdem hat Bayer einen weiteren Teil der Covestro-Aktien verkauft.

Der Arbeitsmarkt

Vom Arbeitsmarkt gibt es auf den ersten Blick auch nur gute Nachrichten. In meiner Grafik sinkt die Zahl der stellensuchenden Chemiker seit 2017 deutlich. Ist das eine tatsächliche Verbesserung, oder sind diese Leute in andere Nischen des Arbeitsmarkts verschwunden?

Ich weiß es nicht, und im Moment kann ich dazu auch nichts herausfinden. Mal sehen, was die Gehaltsumfrage der GDCh für dieses Jahr aussagen wird…

Im europäischen Ausland scheint es nicht so gut auszusehen, wie ein Leser in einem Kommentar ergänzt hat:

Mobility Mentoring – Ein EU finanziertes Projekt
„Increasing the Employment of Young Workers in the European Chemical Industry“
https://www.mobilitymentoringportal.eu/de/

Aus der Pressemeldung
Schon seit Jahren ist die Jugendarbeitslosigkeit vor allem in den südlichen Mitgliedstaaten der EU alarmierend hoch. „Zahlreiche hochqualifizierte Absolventen, darunter auch viele Ingenieure und Naturwissenschaftler, finden keine Arbeit oder nur Jobs, die nicht ihren Qualifikationen entsprechen“, betonte FECCIA-Präsident Dr. Roland Leroux im Rahmen der Konferenz „Mobility and Mentoring“

Diese hohe Jugendarbeitslosigkeit ist erschreckend. Was machen diese jungen Leute ohne zufriedenstellende Jobs? Darüber ist schon 2015 in der Zeit geschrieben worden und vor einer verlorenen Generation gewarnt worden. Seitdem scheint sich nicht vieles verbessert zu haben. Oder sehen wir es nur nicht?

Habt Ihr weitere Themen, liebe Leser?

 

 

 

Wo geht es hin für die chemische Industrie?

Letzte Woche war in der C&EN ein kurzer Bericht über einen Ausblick für die chemische Industrie. Das Fazit daraus war, dass es in der Industrie seit fünf Jahren bergauf geht und kein Ende in Sicht ist.

Die cefic berichtet im trend report von März übrigens auch, dass der Geschäftsklimaindex stark verbessert ist. Der Output an Chemikalien in Europa liegt jetzt über Vorkrisenniveau. Das Wachstum in 2017 lag bei 3,6%, und die Beschäftigung ging um 1,4% nach oben. Im letzten Post hatte ich über die Zahlen für Deutschland berichtet, da waren es 1,2% mehr Beschäftigung. Da zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab, oder?

Ja, ja, dieses Mal ist alles anders…  party on! Oder ist jetzt Zeit, seine Chemie-Aktien zu verkaufen? Was meint Ihr?

Übrigens habe ich die Infos zu Karrieremöglichkeiten für Chemiker jetzt auf einer Seite gebündelt.

 

Wie ging es der Chemieindustrie 2017?

Nachdem die meisten Bilanzen aus der Chemieindustrie 2017 jetzt vorliegen, hat der BAVC Bilanz gezogen. Demnach ist die gesamte Produktion um 2,9% gestiegen, der Umsatz um 6%.

Das alles habe ich im Chemanager gelesen.

Schön, möchte man sagen, aber was ist mit den Beschäftigten? Auch hier gibt es gute Nachrichten, die ist um 1,2% gestiegen, bei einer höheren Produktivität. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Arbeitsstunden pro Beschäftigtem. Die Auslastung war bei 85% über dem langjährigen Durchschnitt. Wie hoch der ist, weiß ich nicht.

Das finde ich interessant. Die Produktivität steigt, die Zahl der Arbeitsstunden sank in der Chemieindustrie 2017 und die Jahre davor auch. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Hatten die Mitarbeiter früher zu wenig zu tun? Hierzu habe ich leider keine Zahlen gefunden.

Was meint Ihr dazu?

Tariflich gab es übrigens am 1.9.2017 eine Gehaltserhöhung um 2,3% (von Destatis).