Zahlen zu den Chemiestudiengängen von der GDCh

In den Nachrichten aus der Chemie 2015, 63, 823 (Link zu Artikel) stellt die GDCh die neuesten Zahlen zu den deutschen Chemiestudiengängen vor.

Auffällig ist, dass 2014 wieder sehr viele Studenten ein Chemiestudium begonnen haben, fast so viele wie 2011, als in Bayern und Niedersachsen ein doppelter Abiturjahrgang das Studium aufnahm. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Doktoranden wieder gesteigert, inzwischen befinden sich 8222 Studenten in der Promotion.

Daraus leite ich ab, dass auch in den nächsten 5-10 Jahren kein Fachkräftemangel in der Chemie zu befürchten ist. Die schulische Förderung von Chemie scheint auch gut zu funktionieren, oder wollen wir, dass noch mehr Schüler ein Chemiestudium beginnen?

Zwar sind die Zahlen über den Verbleib der Absolventen nicht sehr vollständig und bietet Raum für Interpretation, aber die Autoren meinen erkennen zu können, dass dieses Jahr mehr Absolventen stellensuchend sind als in den Vorjahren.

Was auch immer die Statistik sagt, entscheidend für den Einzelnen ist das eigene Glück. Wie erging es Euch im letzten Jahr, wenn ihr eine Stelle gesucht habt?

Statistische Infos zu den Studiengängen sind übrigens unter http://www.gdch.de/statistik verfügbar.

Neues vom amerikanischen Arbeitsmarkt

In den C&EN-News vom 29. Juni 2015 steht ein interessanter Artikel über Einstiegsgehälter von Chemikern.

Die Arbeitslosenrate für neue Absolventen lag demnach 2014 bei 12.4%, gegenüber 2.9% für alle ACS-Mitglieder. Die Einstiegsgehälter legten um 1% zu, auf 62900 $ (ca. 57000 Euro) für PhDs und 52000 $ (ca. 47150) für M.Sc.. Allerdings sind diese Zahlen aufgrund weniger Teilnehmer statistisch nicht abgesichert.

Steuerlich ist man in den USA sicherlich besser dran, allerdings zahlt man wahrscheinlich mehr für Krankenversicherung und andere Sozialabgaben, oder was meint Ihr? Würdet Ihr auswandern?

Zahlen über Chemiker in Europa

In der Anal Biolanal Chem 2015, 407, 639-643 (ich hoffe, das ist kein Aprilscherz, bei dem Namen…) haben die Autoren der TU Dresden die Ausbildung und Qualifikation von Chemikern in Europa mithilfe eines Fragebogens untersucht. Vorbild war der employment survey in C&EN der ACS.

Zwar wird alles im dem Fokus auf analytische Chemie untersucht, einige Dinge sind jedoch für alle Chemiker interessant. So werden z.B. mit 19% der Großteil der Studenten als Organiker ausgebildet, 15% als Chemieingenieure, nur 4% sind Polymerchemiker. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt kann man hier ein Missverhältniss vermuten.

In der verarbeitenden Industrie arbeiten 32% aller Chemiker, 19% in Forschungsinstituten und 17% in Universitäten.

Ich finde es toll, dass sich die Autoren Prof. R. Salzer, P. Taylor, N. Macjen, Prof. E. A. Varella und Dr. I. Kozaris die Mühe gemacht haben, vielen Dank! Wir brauchen mehr belastbare Daten über die Arbeitsmarktsituation von Chemikern in Europa.

Arbeitsmarktlage – Bericht der Bundesagentur für März

Laut Arbeitsmarktbericht für März ist die Arbeitslosenzahl weiter gesunken, jetzt sind wir bei 2,93 Millionen und einer Quote von 6,8%.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird nach zuletzt eher pessimistischen Stimmen (wahrscheinlich, weil Tarifverträge verhandelt wurden) weiter als gut eingeschätzt, wie das IAB schreibt. Ein Grund dafür ist der wachsende private Konsum, aber auch die Investitionen steigen wieder.
Das IAB ist übrigens das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

Interessant wären detaillierte Zahlen für Chemiker, die kommen aber erst später im Monat, und ich prophezeie hier keine großartigen Veränderungen. Die bisherigen von mir extrahierten Zahlen sind ja bei Statistik der Arbeitssuchenden auf der Seite verfügbar.

Statistik der Chemiestudiengänge

Wie jedes Jahr hat die GDCh auch 2014 ihre Statistk der Chemiestudiengänge veröffentlicht. Auf 63 Seiten kann alles wichtige zu Studiendauern, Zusammensetzung der Studierenden, Studiengänge etc. nachgeschlagen werden, auch aufgeschlüsselt auf die verschiedenen deutschen Universitäten.

Es gibt viele Daten, daher empfehle ich allen Interessierten, selbst dort reinzuschauen. Ein Zitat daraus möchte ich aber niemandem vorenthalten:

Der Arbeitsmarkt für die promovierten Berufseinsteiger war etwas schwieriger als im Vorjahr. Dies äußerte sich nicht in der Zunahme der stellensuchenden Absolventen, sondern der Zunahme derer, die zunächst nur eine befristete Stelle fanden. Auch (nicht repräsentative) Rückmeldungen von Jungchemikern verschiedener Hochschulen deuteten darauf hin.

Promovierte Chemiker

Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die Zahl der promovierten seit 2007 (ca. 1250) auf ca. 1750 erhöht hat. Von diesen promovierten gehen 33% in die chemische/pharmazeutische Industrie, 21% machen einen Postdoc, 9% sind stellensuchend. Der Rest des Kuchens ist auf Seite 10 der Veröffentlichung zu sehen.

Anfängerzahlen

Auch interessant sind die Anfängerzahlen, die nach einem kleinen Durchhänger 2006 bis 2008 stetig ansteigen (siehe Bild). Es scheint also auch zukünftig nicht auf den viel beklagten Fachkräftemangel herauszulaufen, eher auf das Gegenteil.

Studienanfängerzahlen Chemie über die Zeit
]2 Studienanfängerzahlen Chemie über die Zeit

Fachkräftemangel 2020?

In den aktuellen Nachrichten aus der Chemie (7/8 2014, S. 833) gibt es eine neue Hiobsbotschaft für die Chemieindustrie:

Bis zum Jahr 2020 fehlen der deutschen Chemieindustrie nach einer Studie der Bonner Wirtschafts-Akademie bis zu 15000 Fachkräfte. Diese Ansicht vertreten 41% der befragten Personalverantwortlichen, und ebenso viele gehen von bis zu 25000 unbesetzten Fachstellen aus.

Diese 82% der Personalverantwortlichen beneide ich um Ihre hellseherischen Fähigkeiten. Aber es geht weiter:

Derzeit bemerken 73% der Chemieunternehmen allerdings keinen nennenswerten Fachkräftemangel.

Vielleicht liegt das daran, dass es keinen Fachkräftemangel gibt.

Dennoch sinken die Bewerberzahlen, damit einhergehend passen viele Bewerbungen nicht auf das ausgeschriebene Anforderungsprofil und etliche Anwärter verfügen nicht über die nötige Fachkompetenz.

Sind die Anforderungsprofile vielleicht überzogen? Eventuell sollten die Firmen auch etwas Zeit in Einarbeitung investieren.

Und ab wann ist man überhaupt Fachkraft? Als CTA? Bachelor? Master? Doktor?

In der gleichen Ausgabe zeichnet der Artikel „Der Arbeitsmarkt – aus der Sicht von Jungchemikern“ (S. 813) ein anderes Bild. Zwei Zitate daraus:

Personaler fragen nach dem Jahresgehaltswunsch und bekommen – übertrieben gesagt – einen Herzkasper, wenn sie die Zahl 69000 Euro mit dem Verweis auf die aktuelle Statistik des VAA hören.

Angebote aus der klein- und mittelständischen Industrie lagen im Bereich von 35000 Euro Jahresbrutto.

Man kann hier nur daran erinnern, dass auch der Arbeitsmarkt ein Markt ist, in dem zumindest bedingt, die Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten. Im Post „Gehaltsentwicklung tariflich bezahlter Chemiker“ kann man sich nochmal die Entwicklung der Tarifgehälter seit 1998 anschauen.

Vielleicht kann man also dem Fachkräftemangel durch faire Gehälter entgegenwirken… Was meint Ihr, liebe Leser?

Arbeitsmarktdaten für die letzten Monate

Nachdem es mit neuen Stellen momentan nicht so gut aussieht (hin und wieder poste ich auch auf twitter neue Stellen, die sieht man dann rechts unten auf der Seite) habe ich hier die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Chemiker, was den Angebotsteil betrifft: 

blau ist die Gesamtheit der Chemiker, grün sind die “Experten”. Bei der Gesamtheit ist kein Trend zu entdecken, die grüne Kurve scheint etwas zu  steigen seit Januar 2012. 

Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker

Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker