Tarifverträge in anderen Branchen

Über die Tarifabschlüsse in der Chemie schreibe ich  immer wieder. Manchmal lohnt aber auch ein Blick über den Tellerrand, um zu sehen, welche Tarifverträge andere Branchen abschließen.

Vor kurzem haben sich die Tarifpartner in der Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Neu an der Tarifauseinandersetzung war, dass die Gewerkschaft nicht hauptsächlich für mehr Geld, sondern für mehr Zeit gestritten hat.

Die Einigung besteht jetzt darin, dass Beschäftigte temporär ihre Arbeitszeit auf 28 h reduzieren können und ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit haben. Das hilft z.B. Eltern oder Kindern, die Eltern pflegen müssen.

Für die Arbeitgeber ist dabei gut, dass mehr Beschäftigte länger als 35 h arbeiten dürfen.

Außerdem gibt es 4.3 % mehr Lohn, Einmalzahlungen und das Urlaubsgeld wird erhöht.

Weitere Infos hat z.B. die ZEIT.

Das klingt gut für die Arbeitnehmer in dieser Industrie, oder was meint Ihr?

Fachkräftemangel in der Chemie

Seit Mitte 2010 wird in Deutschland verstärkt über den „Fachkräftemangel“ berichtet. Woher der Begriff ursprünglich kommt, konnte ich bisher nicht herausfinden. Was er bedeutet, ist jedoch klar. Den Untergang der deutschen Wirtschaft, falls nichts getan wird. So ist zumindest lange der Tenor in den Medien gewesen.

Gibt es einen Fachkräftemangel in der chemischen Industrie?

Das ist die zentrale Frage, die ich hier behandeln will. Ich habe ja schon mehrfach im Blog darüber berichtet, dass es hier von Seiten der Industrie solche Aussagen gibt, z.B.  sollen 2020 bis zu 15.000 Fachkräfte in der Chemieindustrie fehlen.

Um die Frage zu beleuchten, müssen wir aber zunächst klären, was Fachkräfte sind, und dann, was ein Mangel ist.

Fachkräfte müssen nicht studiert haben

Ein Problem in der Berichterstattung ist, dass Fachkräfte oft mit studierten Arbeitnehmern gleichgesetzt werden. Dabei widerspricht dem schon das Wort Facharbeiter. Fachkräftemangel kann also durchaus unterschiedlich aufgefasst werden, z.B. auch als Mangel an Facharbeitern, Laboranten etc.

Betrachtet die Arbeitslosenstatistik im Bereich der Chemie, die ich unter Arbeitslosigkeit mehr oder weniger aktuell halte. Ihr könnt sehen, dass sich seit 2012 eigentlich wenig an der Gesamtzahl der Arbeitslosen geändert hat. Die Zahl der Arbeitssuchenden ist demgegenüber deutlich gestiegen. Auch die Zahl der arbeitslosen Experten, zu denen studierte Chemiker gerechnet werden, zeigt einen leichten Anstieg.

Sind das alles falsch qualifizierte oder zu alte Chemiker?

Angeblicher Fachkräftemangel trotz steigender Absolventenzahlen

Die GDCh betrachtet jedes Jahr die Zahlen der Chemiker an den Universitäten. Seit 2010 steigen diese Zahlen kontinuierlich.

Entwicklung der Studienzahlen in der Chemie nach Jahren. Seit 2008 steigende Zahlen.
Studiengang Chemie: Studienanfänger/innen im Diplom- und Bachelor-Studiengang (Quelle: GDCh)

Auch die Zahl der promovierenden und der Absolventen steigt dementsprechend an. Am Alter der Leute am Arbeitsmarkt kann es also nicht liegen, falls ein Fachkräftemangel vorliegt.

Nachfrage nach Chemikern

Wenn das Angebot an Chemikern so hoch ist, ist eine weitere Möglichkeit für einen Mangel eine stärker gestiegene Nachfrage. Aber auch dies ist aus den Zahlen nicht ersichtlich.

In einem Kommentar von Entropie auf einen Post  wird auf eine Studie des VCI hingewiesen. Laut dieser wird die Anzahl der Stellen in der chemischen Industrie in den nächsten Jahren eher schrumpfen.

Auch die Anzahl der großen Fusionen in den letzten Jahren deutet eher darauf hin, dass die Gesamtzahl an Jobs in der Chemieindustrie rückläufig ist.

Gehaltsentwicklung

Da der Arbeitsmarkt ja wie der Name schon sagt ein Markt ist, muss ein Mangel an Angebot sich in höheren Preisen niederschlagen. Das heißt, wir  Chemiker sollten an unserem steigenden Gehalt sehen, wie knapp wir sind. Nun ist es in Deutschland eher verpönt, über sein Gehalt zu sprechen, daher sind Daten eher knapp.

Eine Orientierung bietet die Entwicklung des Tariflohns in der Chemiebranche oder die Gehaltsumfrage der GDCh.

 

Tarifabschluss Chemie 2014

Anfang Februar haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft IG BCE auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Es gibt 3,7% mehr Lohn nach einem Monat ohne Erhöhung. Die Gesamtlaufzeit ist 14 Monate. Diese Erhöhung gilt natürlich nur für Unternehmen, in denen der Tarifvertrag gilt.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob man nach Tarif bezahlt wird, ein AT-Beschäftigter oder gar ein leitender Angestellter ist. Eine Broschüre der BCE kann hier Auskunft geben: http://www.igbce.de/download/7268-14732/2/stichworte-08—at.pdf