Arbeitsbedingungen in der Chemie

Wie geht es uns Angestellten in der chemischen Industrie eigentlich? Wie sind die Arbeitsbedingungen?

Bevor ich auf diese Fragen eingehe, möchte ich auf die Vermächtnis-Studie der ZEIT hinweisen. Im Rahmen der Studie gab es ein Interview mit der Psychologin Jutta Allmendinger, in dem sie folgendes gesagt hat:

Die Menschen nehmen sehr genau wahr, dass Arbeit in diesem Land längst nicht immer gute Arbeit ist. Sie sind aber geschickt darin, sich von dieser Erkenntnis abzuschotten und die eigene miese Arbeit positiv aufzuladen, das Beste daraus zu machen.

Jutta Allmendinger, https://www.zeit.de/2019/20/jutta-allmendinger-soziologin-soziale-ungleichheiten-deutschland-arbeit-selbstwahrnehmung-vermaechtnis-studie

Das übersetze ich so, dass man vorsichtig sein soll, was die Menschen über sich und ihre Arbeit behaupten, sie könnten sich unbewusst schützen wollen.

Aber jetzt zum Thema: Der Chemanager hat eine Infographik zu den Arbeitsbedingungen in der deutschen Chemieindustrie veröffentlich.

Zwei Fakten daraus:

  • 68% der Beschäftigten in der Chemieindustrie sind tarifgebunden beschäftigt.
  • Mit 66.135 Euro Mindestbezug für Diplom- oder Masterchemikern hat dieser die sechsfache Kaufkraft wie vor 100 Jahren (2880 Reichsmark). Statt 2.500 Stücken Butter kann er sich also 15.000 Stücke Butter kaufen.

Wow, so viel Butter. Glaubt man übrigens der Presse, dann musste ein Durchschnittsverdiener 1960 39 min für das Stück Butter arbeiten, 2009 nur noch vier Minuten (Faktor 10!).

Und meine Arbeitsbedingungen?

Klar kann ich meine Arbeitsbedingungen mit denen eines hypothetischen Chemikers vor 100 Jahren vergleichen, aber bringt uns das weiter? Wir stehen ja vor einer unsicheren Zukunft (Digitalisierung…)

Auch der Vergleich mit Chemikern in China oder Indien lässt mich gut dastehen, bringt aber weder mich noch die deutsche chemische Industrie weiter, die so einen Vergleich höchstens zum Anlass nimmt, den unflexiblen deutschen Arbeitsmarkt anzumahnen.

Aus meiner Sicht als Arbeitnehmer muss ich ja meine Arbeitsbedingungen mit möglichen anderen Karrierewegen dort, wo ich arbeiten möchte (siehe meine Jobkarte), vergleichen. Theoretisch könnte man das ja bei Jobvergleichsportalen tun. Die besten Firmen haben da dummerweise aber oft nur eine Bewertung und da arbeiten ja auch viele Nicht-Chemiker.

Bei einem großen Vergleichsportal erreicht die Chemiebranche übrigens 3,12 von 5 Sternen, der Gesamtschnitt ist bei 3,39.

Ich kenne also weder vernünftige Datenquellen noch Möglichkeiten, diese Frage vernünftig zu bewerten.

Kennt jemand Studien?

P.S. Natürlich gibt es auch noch ein Video der Chemiearbeitgeber.

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