Gehalt in der chemischen Industrie

Über das Thema Gehalt spricht man in Deutschland ja traditionell nicht, und in vielen Arbeitsverträgen gibt es entsprechende Geheimhalteklauseln. Diese Klauseln sind übrigens umstritten und haben oft vor Gericht keinen Bestand (siehe dieser Zeit-Artikel).

Wie komme ich aber trotz der deutschen Zurückhaltung, über Geld zu reden, an Informationen zum Gehalt in der chemischen Industrie?

Umfragen

Zur Orientierung gibt es diverse Umfragen, z.B. die jährliche GDCh-Gehaltsumfrage, über die ich schon berichtet habe (z.B. über die Gehaltsumfrage 2015 oder im Jahresrückblick 2016). Es lohnt sich sehr, dort mitzumachen. Dann bekommt man auch alle Daten, die gesammelt wurden in einer übersichtlichen Form.

In den aktuellen Nachrichten aus der Chemie, 2017, 65, 1043 wird jetzt eine VAA-Umfrage zitiert, nach der Führungskräfte in der chemischen Industrie 2016 4% mehr verdient haben als 2015, wobei man in Großunternehmen deutlich mehr verdient als in kleineren Unternehmen.

Verschiedene Stellenportale machen eigene Umfragen, die aber keinen so engen Fokus auf die Chemieindustrie haben, die ich deshalb hier auch nicht erwähne.

Weitere Quellen

Im Tarifbereich ist z.B. die IG BCE eine gute Quelle.

Wenn man mehr zu spezifischen Arbeitgebern wissen möchte, kann man auch auf Seiten wie https://www.kununu.de nachsehen. Manchmal kann man aus den Kommentaren eine Tendenz herauslesen, man sollte bei diesen Bewertungen aber vorsichtig sein. Oder man spricht Bekannte, die man auf Xing oder LinkedIn als Mitarbeiter der Unternehmen identifiziert hat, mal vorsichtig an. Dann gilt aber wahrscheinlich der erste Satz des Beitrages :).

Falls Ihr einen Job sucht, schaut gerne auf meine StepStone-Seite.

Chemiker vor der Wahl

Am 24. September wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Um eine möglichst informierte Wahl treffen zu können, kann man alle Wahlprogramme lesen. Oder man kürzt etwas ab und benutzt andere Informationsquellen, wie z.B. den Wahl-O-Mat.

Für Chemiker gibt es aber noch speziellere Tools, die teilweise etwas tendenziös sein können.

Der VCI

Der VCI hat einen Chemienavigator erstellt. Dort kann man Aussagen auf die eigene Zustimmung bewerten und dann sein „Profil“ mit dem der Parteien vergleichen. Eine solche Aussage wäre z.b. „Ausreichend Lebensmittel für alle gibt es auch ohne moderne Landwirtschaft.“

Laut dem Tool stimmt die Linke dieser Aussage zu, im Gegensatz zu allen anderen Parteien. Das halte ich für eine sehr verkürzte und ins Falsche gehende Darstellung.

Hier ein Auszug aus der Antwort der Linken: „Dies bedeutet u.a. keine Agro-Gentechnik, deutlich reduzierter Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie gute Arbeits- und Einkommensbedingungen in der Landwirtschaft. Das Ziel „Ausreichend Lebensmittel für alle“ ist nicht allein eine Frage von Chemie und Technik.“

GDCh

Ein Artikel in den Nachrichten aus der Chemie 2017, 65, 911-920 hat die Bundestagsfraktionen und FDP und AfD Fragen zu wissenschaftlichen Themen gestellt. Diese und die ausführlichen Antworten gibt es unter https://www.gdch.de/wps.

Die IG BCE

Die Gewerkschaft hat zentrale Forderungen aufgestellt, die jeder selbst mit den Parteiprogrammen abgleichen kann. Diese sind unter https://www.igbce.de/zentrale-forderungen-der-ig-bce/154968 zu finden, vor allem geht es um die Arbeitswelt und die Rente.

 

Kennt ihr weitere Quellen, wo Chemiker spezielle Wahlinformationen bekommen können?

Chemiestudierende 2016 – Die Anfängerzahlen

Wie jedes Jahr hat die GDCh auch die neusten Studienanfängerzahlen für Chemiestudierende 2016 veröffentlicht. Auf der Statistikseite der GDCh sind diese aktuellen Zahlen zu finden.

Ich habe auch in den letzten Jahren Artikel zu der Veröffentlichung geschrieben, z.B. zu den Anfängerzahlen 2015 oder in den Berufsaussichten für Chemiker 2017.

Die Anfängerzahl 2016 bleibt auf dem Niveau der Vorjahre (siehe Abbildung 1), während die Zahl der Promotionen seit 2007 steigt, jetzt auf über 2000 (Abbildung 2).

Timm_Haug_Abb_3.jpg
Abbildung 1: Studiengang Chemie: Studienanfänger im Diplom- und Bachelor-Studiengange (Quelle: GDCh | Chemiestudiengänge in Deutschland – Statistische Daten 2016)

Positiv ist, dass weniger Absolventen arbeitssuchend waren als noch 2015. Ungefähr ein Drittel geht in die chemische oder pharmazeutische Industrie, ein Fünftel macht laut den Angaben Postdoc im Inland.

Timm_Haug_Abb_7.jpg
Abbildung 2: Studiengang Chemie: Bestandene Promotionen (Quelle: GDCh | Chemiestudiengänge in Deutschland – Statistische Daten 2016)

Die nächsten Jahre

Wenn man ca. 10 Jahre bis zur fertigen Promotion rechnet und sonst alles gleich bleibt, dann bleiben die Promotionen ein paar Jahre auf dem Niveau und steigen dann weiter an. Aber das ist nur ein Blick in die Kristallkugel.

Auf alle Fälle ist vor allem die immer weiter steigende Zahl der Promovierten sehr interessant. Diese wird den Druck aus dem Arbeitsmarkt zumindest von der Angebotsseite her nicht rausnehmen, meine ich. Was meint ihr, liebe Leser?

GDCh-Forum in Dresden mit Jobbörse

Ab 30. August findet in Dresden das Wissenschaftsforum der GDCh statt. In diesem Rahmen wird am 1. September 2015 eine Jobbörse veranstaltet. Das Rahmenprogramm bietet Vorträge wie „Chemiker/innen im öffentlichen Dienst“ oder Workshops mit Bewerbungsmappencheck etc.

Ein interessanter Vortrag wird von Rainer Salzer sein, der eine Untersuchung zur Situation von Chemikern in Europa vorstellt (siehe auch mein Beitrag vom 8. April 2015).

Falls jemand dort hin geht, würde ich mich über einen Kommentar dazu freuen.

Zahlen zu den Chemiestudiengängen von der GDCh

In den Nachrichten aus der Chemie 2015, 63, 823 (Link zu Artikel) stellt die GDCh die neuesten Zahlen zu den deutschen Chemiestudiengängen vor.

Auffällig ist, dass 2014 wieder sehr viele Studenten ein Chemiestudium begonnen haben, fast so viele wie 2011, als in Bayern und Niedersachsen ein doppelter Abiturjahrgang das Studium aufnahm. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Doktoranden wieder gesteigert, inzwischen befinden sich 8222 Studenten in der Promotion.

Daraus leite ich ab, dass auch in den nächsten 5-10 Jahren kein Fachkräftemangel in der Chemie zu befürchten ist. Die schulische Förderung von Chemie scheint auch gut zu funktionieren, oder wollen wir, dass noch mehr Schüler ein Chemiestudium beginnen?

Zwar sind die Zahlen über den Verbleib der Absolventen nicht sehr vollständig und bietet Raum für Interpretation, aber die Autoren meinen erkennen zu können, dass dieses Jahr mehr Absolventen stellensuchend sind als in den Vorjahren.

Was auch immer die Statistik sagt, entscheidend für den Einzelnen ist das eigene Glück. Wie erging es Euch im letzten Jahr, wenn ihr eine Stelle gesucht habt?

Statistische Infos zu den Studiengängen sind übrigens unter http://www.gdch.de/statistik verfügbar.

Gehälter von Chemietechnikern und Chemikern in der Produktion

Nach einem Bericht der Nachrichten aus der Chemie vom März 2015 auf der Seite 400 verdienen Chemietechniker im Schnitt 4085 Euro brutto im Monat. Genau nachlesen kann man das bei der Hans-Böckler-Stiftung, bzw. bei lohnspiegel.de. Natürlich hängt das Gehalt von vielen Faktoren wie Betriebsgröße, Gültigkeit des Tarifs, Geschlecht etc. ab.

Auf der gleichen Seite wird eine Meldung des VAA zitiert, wonach Chemiker in der Produktion mehr verdienen als Ihre Kollegen in Vertrieb oder F&E.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die meisten Chemiker in der F&E als Berufsanfänger starten und sich danach in andere Bereiche wie z.B. die Produktion weiterentwickeln.

Hier sei auch nochmal der Hinweis auf die GDCh-Gehaltsumfrage wiederholt.

Ergebnisse der Gehaltsumfrage der GDCh

Diejenigen, die bei der Gehaltsumfrage der GDCh mitgemacht haben, erhielten in den letzen Tage schon den Bericht mit der Post. Für alle, die es dieses Jahr verpasst oder versäumt haben, teilzunehmen, hat mir die GDCh freundlicherweise erlaubt, zwei Graphiken hier zu zeigen:

Man sieht in der ersten Graphik die gemittelten Einkommen innerhalb und außerhalb der chemischen Industrie. Innerhalb verdienen die Angestellten mehr als außerhalb.
Medianwert des Einkommens nach Berufsjahren

Im zweiten Diagramm wird gezeigt, welchen Einfluss die Unternehmensgröße und die Berufsjahre haben. Prinzipiell gibt es auch hier keine Überraschungen: Je größer das Unternehmen und je mehr Berufsjahre, desto höher das Gehalt.
Medianwert innerhalb der chem. Industrie

Für alle GDCh-Mitglieder, die mehr wissen wollen, lohnt sich nächstes Jahr die Teilnahme an der Umfrage. Bitte habt Verständnis, dass ich nicht genauere Daten herausgeben kann und möchte. Schließlich sollt ihr im nächsten Jahr mitmachen :)!

Statistik der Chemiestudiengänge

Wie jedes Jahr hat die GDCh auch 2014 ihre Statistk der Chemiestudiengänge veröffentlicht. Auf 63 Seiten kann alles wichtige zu Studiendauern, Zusammensetzung der Studierenden, Studiengänge etc. nachgeschlagen werden, auch aufgeschlüsselt auf die verschiedenen deutschen Universitäten.

Es gibt viele Daten, daher empfehle ich allen Interessierten, selbst dort reinzuschauen. Ein Zitat daraus möchte ich aber niemandem vorenthalten:

Der Arbeitsmarkt für die promovierten Berufseinsteiger war etwas schwieriger als im Vorjahr. Dies äußerte sich nicht in der Zunahme der stellensuchenden Absolventen, sondern der Zunahme derer, die zunächst nur eine befristete Stelle fanden. Auch (nicht repräsentative) Rückmeldungen von Jungchemikern verschiedener Hochschulen deuteten darauf hin.

Promovierte Chemiker

Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die Zahl der promovierten seit 2007 (ca. 1250) auf ca. 1750 erhöht hat. Von diesen promovierten gehen 33% in die chemische/pharmazeutische Industrie, 21% machen einen Postdoc, 9% sind stellensuchend. Der Rest des Kuchens ist auf Seite 10 der Veröffentlichung zu sehen.

Anfängerzahlen

Auch interessant sind die Anfängerzahlen, die nach einem kleinen Durchhänger 2006 bis 2008 stetig ansteigen (siehe Bild). Es scheint also auch zukünftig nicht auf den viel beklagten Fachkräftemangel herauszulaufen, eher auf das Gegenteil.

Studienanfängerzahlen Chemie über die Zeit
]2 Studienanfängerzahlen Chemie über die Zeit

Volontariat Chemie von BCNP und Nachrichten aus der Chemie

Von der BCNP kommt ein interessantes Angebot:

Ein 2-jähriges Volontariat bei BCNP in Kooperation mit den Nachrichten aus der Chemie.

Die Ausbildung mündet in einer Festanstellung und richtet sich an Chemie-Interessierte, die ihr Schreibtalent entdeckt haben, bzw. die sich in diese Richtung weiterentwickeln möchten, ohne in den Journalismus zu gehen.

Das ist eine gute Chance für journalistisch interessierte Chemiker.

F&E-Ausgaben der chemischen Industrie stagnieren

Wie die Nachrichten aus der Chemie berichten, sind die Forschungsbudgets von 2005 bis 2011 um 11% gestiegen, was ca. 1,6% pro Jahr ausmacht. Die Inflationsrate liegt auch in dem Bereich. Laut der Zeitschrift wurden 2011 425 promovierte Chemiker eingestellt, 37% der Absolventen.