Fachkräfte für den Arbeitsmarkt

In den letzten Nachrichten aus der Chemie vom Januar 2019 erschien ein Pro und Contra zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt durch Universitäten. Die beiden Beiträge sind lesenswert, ich würde sie folgendermaßen zusammenfassen: Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK sieht die Universitäten voll in der Verantwortung, der ehemalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz sieht eher die Wirtschaft in der Verantwortung, Berufsanfänger an der Uni abzuholen.

Natürlich sind beide Beiträge etwas zugespitzt, und in beiden steckt Wahrheit. So verlangt der Pro-Artikel

[…]den Qualifikationsbedarf der Wirtschaft besser zu berücksichtigen[…]

Achim Dercks, Nachrichten aus der Chemie 67, 2019, 24.

Im Contraartikel ist folgendes Zitat zu finden:

Die Hochschulen tragen die Verantwortung dafür, dass ihre Absolventen mit komplexen und diffusen Problemlagen umgehen und unerwartete Situationen meistern, kurz: Unsicherheit souverän bewältigen können.

Horst Hippler, Nachrichten aus der Chemie 67, 2019, 25.

Wo sind die Verantwortlichen?

Das klingt beides mal nicht falsch. Ich persönlich finde aber, dass dieser Artikel auf die Hauptverantwortlichen nicht eingeht. Das sind die Studierenden, die selbst verantwortlich sind, sich optimal auf ihr Berufsziel vorzubereiten. Universitäten und die Wirtschaft sollten diese Gruppe aus Eigeninteresse so weit wie möglich unterstützen.

Nur die wenigsten Studierenden suchen oder finden auch später eine Stelle innerhalb der Wissenschaft, daher sollten sie sich frühzeitig eine Hochschule suchen, die sie ihrem Ziel, z.B. der Unternehmensgründung oder einer Stelle in der Wirtschaft näher bringt.

Man kriegt, was man bezahlt

Und die Wirtschaft sollte sich schon überlegen, wie sie hochausgebildete und motivierte Absolventen schnell und effektiv integrieren kann. Ich denke aber, dass hier auf hohem Niveau gejammert wird. Wenn beispielsweise die Qualität von Bachelorabschlüssen beklagt wird, reicht vielleicht ein Bachelor nicht. Dann muss man aber auch für einen Master oder einen promovierten Chemiker bezahlen.

Übersicht über stellenrelevante Meldungen für Chemiker

Ratgeber für Unis

Das wollte ich eigentlich schon länger schreiben, in den Nachrichten aus der Chemie 2015, 63, 817 wird der Ratgeber „Übergang zur Postdoc-Phase und in den außeruniversitären Arbeitsmarkt“ vorgestellt.

Zunächst wird ein Überblick über die Ist-Situation nach Promotionsende gegeben, anschließend werden best-practices aufgezeigt, wie gute Universitäten ihre Promovierenden unterstützen. Schließlich werden den Universitäten Empfehlungen gegeben, was weiter getan werden kann.

Alles in allem sehr interessant, nicht nur für Promovierende, sondern auch für Verantwortliche an den Hochschulen.

Chemjobbers Kritik an EuCheMS-Studie

Außerdem schreibt Chemjobber über einen Artikel in Chem. Europ. J. über die Arbeitssituation von europäischen Chemikern. Ich habe über einen Artikel der teilweise gleichen Autoren von Oktober 2014 in Analytical and Bioanalytical Chemistry im März über analytische Chemiker berichtet. Er kritisiert hier hauptsächlich die Durchführung der Befragung, da wahrscheinlich überproportional viele Antworten aus Italien und England kamen, etc.

Ich denke, dass er damit Recht hat. Wahrscheinlich kann die EuCheMS, die ja eine Art Dachgesellschaft der chemischen Gesellschaften Europas ist, nicht auf die Daten der Mitgliedsgesellschaften direkt zugreifen, was wahrscheinlich sinnvoller wäre. Vielleicht können ja beim nächsten Mal die GDCh, und ihre Schwestergesellschaften gemeinsam einen Fragebogen ausarbeiten und allen Mitgliedern schicken, wie es bei der Gehaltsumfrage der GDCh (ich habe berichtet) gemacht wird.