Update zur chemischen Industrie in der Coronakrise

Bald schreibe ich wieder etwas über meine gesammelten Stellendaten. Aber heute möchte ich eine kurze Übersicht geben, was im Zuge der Coronakrise in der chemischen Industrie passiert.

Habt ihr noch was gefunden? Schreibt gerne einen Kommentar.

Corona-Statistiken der Bundesagentur für Arbeit

Inzwischen wurde für über 10 Millionen Menschen Kurzarbeit angezeigt, zum Vergleich wurden während der Finanzkrise 2009 nur für 3,3 Millionen Kurzarbeit angezeigt. Die Arbeitsagentur ist aber optimistisch, die Leute wären ja rausgeworfen worden, wenn die Firmen damit rechneten, dass sie die Mitarbeiter nicht mehr brauchen.

Interessant ist, dass für 93% der in der Gastronomie arbeitenden Personen Kurzarbeit angezeigt worden ist. Während der Finanzkrise waren es ja eher die produzierenden Gewerbe.c

Es werden auch viel weniger neue Stellen ausgeschrieben. Irgendwie logisch, man möchte ja die Bewerber persönlich kennenlernen und sich dabei nicht den Virus ins Haus holen.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit im April ist um 18,6% gestiegen gegenüber dem Vorjahr. Die Agentur sieht eine Arbeitslosenquote von 5,8%, wovon 0,8 Prozentpunkte auf Corona zurückzuführen sind.

Eine Übersicht über die Entwicklung bei den Chemikern seht ihr hier.

siehe den Kompaktbericht der Arbeitsagentur zu Corona.

Gedanken in der Krise

Im Moment fahren wir ja alle auf Sicht, was die Corona-Krise angeht. Spezifische Dinge zur Chemieindustrie kann ich hier nicht verkünden, da schaut z.B. besser zur GDCh-Seite zu Corona.

Wie viele Leute verfolge ich die Krise in der Presse ziemlich detailliert, dabei sind mir ein paar Gedanken gekommen, die ich hier gerne zur Diskussion stellen möchte.

Staat und Steuern

  • Die Bundesregierung stellt erhebliche Mittel über Garantien, Kredite und Cash zur Verfügung, um Unternehmen zu retten. Allerdings ist es in Bayern scheinbar so, dass nur Betriebsausgaben erstattet werden und gerade Freiberuflern und Selbständigen nur geholfen wird, wenn diese keine Ersparnisse haben. Hilfen gibt es dann für die Betriebsausgaben, für die persönlichen Dinge („Gehalt“) muss man Grundsicherung („Hartz-4“?) beantragen. Ist das korrekt?
  • Ist das ein weiterer Grund, auch Selbständige und Freiberufler in die gesetzlichen Sicherungssysteme zu zwingen (ja, Beamte auch…), also in gesetzliche Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung? Mit welchen Argumenten wehren sich denn die Betroffenen? Natürlich würden deren Angebote dann teurer werden, aber es würde mehr Puffer aufgebaut werden können, für solche Extremsituationen. Die „realen“ Kosten wären dann besser abgebildet. Oder?
  • Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich einen persönlichen Liquiditätspuffer von drei Monaten aufzubauen, auch die sogenannten „Geringverdiener“. Wenn das nicht klappt, sind die Löhne vielleicht zu niedrig?
  • Wird das Gesundheitswesen wieder mehr als Grundversorgung gesehen und weniger als zu optimierendes profit center? Mit Reserven und mehr Blick auf Prophylaxe und Prävention?

Unternehmen

  • Wird diese Krise zu mehr Automatisierung führen? Mehr SB-Kassen, oder gar keine Kassen mehr, in der Produktion weniger Menschen? Vielleicht auch weniger Menschen in den Büros?
  • Wird es mehr Flexibilität geben, Stichwort Homeoffice? (Ich persönlich bin da leider pessimistisch)
  • Werden die Lieferketten wieder regionaler?

Bürger

  • Wie können wir solchen Pandemien zukünftig vorbeugen, abgesehen von den finanziellen Fragen, die ich oben zum Teil schon angeschnitten habe? Ich denke jetzt nicht daran, einen Klopapiervorrat anzulegen. Aber werden wir zukünftig alle Masken tragen, nicht mehr ins Stadion gehen?
  • Oder ist das alles nach ein paar Jahren wieder vergessen?
  • Was nehmen wir mit? Ein Gefühl von Solidarität, weil die ganze (erste und zweite) Welt das gleiche Problem hatte? Oder ziehen wir uns auch geistig in unseren Nationalstaat und unsere Wohnungen zurück?

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