Digitalisierung in der Chemie

In den letzten Tagen konnte man in den Nachrichten lesen, dass „Digitalisierung und vernetzte Produktion“ jetzt Teil der Ausbildung von Chemikanten wird.

Abgesehen von der mir nicht bekannten konkreten Ausgestaltung finde ich es gut, dass sich die Tarifpartner Gedanken um die fachliche Qualifikation der neuen Auszubildenden macht. Sie könnten ja einfach davon ausgehen, dass die sogenannten „digital natives“, die routiniert mit Instagram, SnapChat und Facebook umgehen können, keine weitere Be-Lehrung in Richtung Digitalisierung braucht.

Es ist ja auch das Gegenteil der Fall, vermute ich. Diese Generation sind zum großen Teil digitale Konsumenten oder im besseren Fall Produzenten, die nicht wissen wollen, wie die Technik hinter den sozialen Medien funktioniert.

Ich halte es absolut nicht für nötig, dass jeder programmieren kann, aber zumindest die Prinzipien und die Funktionsweise von grundlegenden Technologien rund ums Internet (und damit fast synonym zu xyz 3.0 oder 4.0) müssen erlernt und gelehrt werden.

Über die Herausforderungen der Digitalisierung liest man in letzter Zeit auch sehr viel, darauf möchte ich gar nicht eingehen. Aber jemand, der die Hintergründe versteht, kann eher einschätzen, was technologisch möglich und sinnvoll ist und muss nicht jedem Trend (Augmented Reality, Künstliche Intelligenz…) hinterherlaufen.

Was machen hier eigentlich die Universitäten? Auf gar keinen Fall darf man nämlich davon ausgehen, dass jemand mehr Ahnung von IT-Hinter- und Abgründen hat, nur weil eine Universität besucht hat.

Arbeitslose Chemiker: Arbeitsmarktstatistik

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich seit 2012 die Zahlen der Agentur für Arbeit für die Chemiebranche auftrage und unter https://blog.stellen-fuer-chemiker.de/statistiken/ die Zahlen für arbeitssuchende und arbeitslose Chemiker veröffentliche.

Arbeitssuchende und arbeitslose Chemiker seit 2012 aufgetragen
Arbeitslose und stellensuchende Chemiker (Stand Oktober 2018)

Diese Zahlen sehen jetzt so gut aus wie seit 2012 nicht mehr. Ich hoffe, das zeigt sich auch für Berufsanfänger und im Gehaltsanstieg. Wobei mich die Vergangenheit da nicht so hoffnungsfroh stimmt.

Aber vor lauter kritischem Betrachten sollte ich mich natürlich über die oben genannten guten Nachrichten freuen. Auch im Hinblick darauf, dass es uns Chemikern in Deutschland noch recht gut geht im europäischen Vergleich, oder?

Rohstoffwende in der Chemie

Die Rohstoffwende ist in aller Munde: Das Ökoinstitut hat letztes Jahr einen Bericht zur nachhaltigen Rohstoffwirtschaft in einem zukünftigen Deutschland geschrieben. Der Bericht hat über 200 Seiten, daher habe ich ihn nur überflogen. In dem Papier wurden verschiedene Rohstoffe behandelt, von anorganischen Bulkmaterialien wie Kies und Zement bis zu Seltenerdmetallen.

Über die chemischen Grundmaterialien wie Erdöl oder Kohle habe ich in diesem Report nichts gefunden. Eine kurze Internetsuche bringt aber zum Beispiel ein Interview im chemanager zu Tage. Dort wird über die „Chemie ohne Erdöl“ diskutiert:

Die einzige Option ist, den Kohlenstoff im Kreis zu führen, um keinen zusätzlichen fossilen Kohlenstoff in Form von Kohlen­dioxid in die Atmosphäre zu entlassen. Direktes oder indirektes Recycling, bei dem Produkte der Chemie chemisch oder mechanisch wiederverwertet werden, ist eine Möglichkeit.

Jörg Rothermel, Abteilungsleiter Energie, Klimaschutz und Rohstoffe beim Verband der Chemischen Industrie (VCI)

Über diesen zirkuläre Kohlenstoffkreislauf kann man z.B. beim nova-Institut lesen.

Was passiert konkret?

Aber wie soll diese Kreislaufwirtschaft nach der Rohstoffwende konkret aussehen, und was wird heute schon getan?

Ein Beispiel für die Umwandlung von Cellulose und Lignin in Ethanol ist der Sunliquid-Prozess von Clariant. Vorteil des Verfahren ist, dass keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entsteht. Es können z.B. Reste von Ackerpflanzen genutzt werden.

Die BASF hat den „Biomassenbilanz-Ansatz“ entwickelt. Hier kann Biomasse beispielsweise direkt im Steamcracker zugesetzt werden, um bei „konventionellen“ Rohstoffe einen gewissen Bioanteil zu bekommen. Vorteil ist, dass bewährte Rohstoffe nicht ersetzt werden müssen. Das ist bestehenden Kunden leichter zu vermitteln, da keine Neuqualifikationen nötig sind. Natürlich kosten die Rohstoffe dann ein bisschen mehr…

Wer mehr zur Geschichte der BASF wissen will, kann hier weiterlesen.

Außerdem gibt es unzählige Startups die versuchen, Biomasse durch neuartige, oft biotechnologische Verfahren nutzbar zu machen. Diese kann man beispielsweise auf https://start-green.net/ finden.

Reicht das für die Rohstoffwende?

Natürlich reichen diese Anstrengungen noch nicht aus. Aber meiner Meinung nach lässt sich das Problem nur marktwirtschaftlich lösen, das heißt, die biobasierten Rohstoffe müssen billiger werden als die in riesigen Mengen produzierten erdölbasierten Produkte. Und das passiert schon alleine aufgrund der Skaleneffekte nicht von alleine. Hier braucht es die Steuerung durch Politik und Gesellschaft.

Jobs für Chemiker am 22. Oktober 2018

Da ich wieder interessante Jobs für Chemiker gefunden habe, möchte ich Euch diese nicht vorenthalten. Diesmal sind etwas ungewöhnlichere Stellen dabei, z.B.

War etwas dabei für Euch? Ich wünsche viel Erfolg bei der Bewerbung! Eventuell interessiert Euch ja auch meine Übersicht über Karrieremöglichkeiten für Chemiker.

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Unter Arbeitslosigkeit trage ich die Arbeitsmarktdaten für Chemiker der Agentur für Arbeit auf.

Zukunftsfähige Unternehmen

In den „Nachrichten aus der Chemie“ bin ich auf eine Studie zu neuem Denken in der Wirtschaft gestolpert. Beim Lesen wurde ich neugierig und habe eine weitere Studie der British Academy gefunden. Bei beiden geht es um zukunftsfähige Unternehmen, einmal eher ausgehend vom deutschen Mittelstand, einmal aus Sicht von globalen Großunternehmen.

Eindrücke aus der Commerzbank-Studie

Die Studie „Next Generation: Neues Denken in der Wirtschaft“ der Commerzbank versucht die Frage zu beantworten, was nach einem Generationswechsel im Mittelstand geschieht und wie zukunftsfähige Unternehmen daraus entstehen können.

In der Studie werden zunächst aber interessante Fakten genannt. Jedes zweite Unternehmen ist jünger als 30 Jahre, und jedes zehnte ist ein „digital native“ (was auch immer das heißt… das heißt, jünger als zehn Jahre). Ältere Unternehmen sind meist in reifen Märkten unterwegs, das heißt, es gibt wenig Wachstumsdynamik.

Das führt dann dazu, dass in dieser Gruppe mehr Unternehmen Probleme haben.

Führungswechsel finden in den untersuchten Unternehmen meist altersbedingt statt, dies sieht die Studie als Chance, dass notwendige Veränderungen angegangen werden. Eine weitere Hypothese ist, dass vor allem junge oder Seiteneinsteiger diese Veränderungen anpacken.

Als Erfolgsmodell werden altersgemischte Führungsteams empfohlen. Hmm, dass Diversität (nicht nur beim Alter) hilft, neue Perspektiven zu entwickeln, überrascht mich persönlich nicht. Das habe ich schon öfters gelesen. Zugegebenermaßen nicht so schön mit Grafiken und Zahlen hinterlegt.

Und der Rest ist ein bisschen Werbung für „next generation corporate banking“ 

Studie der British Academy: Future of the corporation

Die British Academy-Studie geht einer ähnlichen Frage nach, wie die Commerzbank, aber eher mit dem Fokus auf Großunternehmen. Außerdem beschäftigt sich die Studie etwas detaillierter damit, wie ein Unternehmen zukünftig aussehen könnte. Es geht um den Zweck und den Sinn eines Unternehmens, um soziale Verantwortung und Vertrauen. Ein Beispiel ist folgendes Zitat:

There is universal agreement that it is the responsibility of senior
leaders, both non-executive and executive directors, to set the values
of the organisation, to build an ethical culture and to ensure good
governance

Future of the corporation, Seite 16.

Aber auch in dieser Studie wird betont, dass junge Führungskräfte einen anderen Stil entwickeln müssen, als die jetzige „alte“ Generation. Sie müssen mehr Mentor sein als Vorsitzender.

Beide Studien empfehlen sich meiner Meinung nach dafür, mal einen Blick darauf zu werfen. Und wer mehr über Unternehmen lesen will, kann über die IG Farben-Nachfolger lesen und mit Hoechst anfangen.

Tarifabschluss 2018 in der Chemiebranche

Ende September 2018 haben sich die Tarifparteien in der Chemiebranche auf einen Tarifabschluss geeinigt:

Es gibt 3,6% mehr Gehalt bei einer Laufzeit von 15 Monaten, gleichzeitig wird das Urlaubsgeld von 600 auf 1200 Euro verdoppelt. Urlaubsgeld gibt es übrigens zusätzlich zu einer Jahressonderzahlung von 95% des Monatsgehalts.

Zusätzlich gibt es Einmalzahlungen von 280 Euro. 

Laut IG BCE ist das im Schnitt eine Erhöhung von 4,6%. Das ist doch gar nicht so schlecht, oder? Interessant wäre sicher ein Vergleich mit den Renditen der Chemieunternehmen, aber ich kenne keinen Branchenindex oder ETF, der das ermöglicht. Die Inflation in Deutschland liegt aktuell übrigens bei ca. 1,8%.

Interessant ist auch, dass eine Roadmap Arbeit 4.0 vereinbart wurde:

Dazu gehört die Schaffung von Instrumenten, die Arbeitnehmern mehr Arbeitszeitsouveränität und variablere Arbeitszeiten ermöglichen.

Ich bin schon neugierig, was bei dieser Roadmap Arbeit 4.0 herauskommt.

Jobs für Chemiker am 1. Oktober 2018

In loser Folge präsentiere ich ja Jobs für Chemiker. Hier sind wieder drei:

Viel Erfolg beim Bewerben!

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Unter Arbeitslosigkeit trage ich die Arbeitsmarktdaten für Chemiker der Agentur für Arbeit auf.

Ein Forum für Chemie-Startups

Deutschland ist nicht für seine vielen Chemie-Startups bekannt, eher für Tanker wie die BASF oder Bayer. Eine Initiative von u.a. GDCh, Dechema, VCI und dem High-Tech Gründerfonds möchte das jetzt ändern.

Treffenderweise nennt sich die Initiative Forum Startup Chemie. Hier ein Auszug aus der Website:

Unser Hauptziel ist es, die Anzahl und die Erfolgswahrscheinlichkeit junger innovativer Chemieunternehmen durch einen unkomplizierten Zugang zu etablierten Unternehmen, Infrastrukturen, Informationen und Investoren deutlich zu erhöhen.

Website forum-startup-chemie.de

Meiner Meinung nach ist es schwieriger ein chemisches Startup zu gründen, als z.B. ein Startup in der IT. Bei ersterem wird deutlich mehr Startkapital benötigt. Aber vielleicht täusche ich mich in dem Punkt auch, weil meine Fantasie nicht ausreicht (das meine ich nicht ironisch).

Auf alle Fälle ist es ein gutes Ziel, mehr Startups in der Chemie haben zu wollen und diese mit bereits etablierten Startups oder Unternehmen zusammenzubringen. Es muss ja nicht jeder den gleichen Fehler machen…

Ich bin gespannt, ob man noch mehr von diesem Netzwerk hört.

Umweltschutz, das Image und der Braunkohleabbau

Es war ein Mal ein Staat, der sich als Weltmeister im Umweltschutz fühlte… So könnte eine Erzählung losgehen, in der es um das Verhältnis Deutschlands zu Umweltschutz und Klimaerwärmung geht.

Ein Symbol für diese kognitiv dissonante Einstellung ist die seit Donnerstag den 13.9.2018 laufende Räumung des Hambacher Forsts. Der Hambacher Forst ist ein Waldgebiet in NRW, unter dem anscheinend Braunkohle „lagert“. RWE möchte diese im Tagebau abbauen und so würde der Wald verschwinden.

Aber war da nicht etwas mit dem Klimaschutz? Deutschland hatte sich doch verpflichtet, bis 2020 40% weniger CO2 auszustoßen als 1990.  Und die Braunkohleverstromung ist eine der CO2-intensivsten Möglichkeiten der Energiegewinnung.

Die Politik steht scheinbar geschlossen hinter dem Konzern, anders als einige Bürger, die aus Sorge um den Wald, ihre Heimat und aufgrund der meiner Meinung nach verlogenen Klimapolitik der Bundes- und Landesregierung einen Teil des Waldes besetzten.

Jetzt wurde aufgrund von Brandschutzbestimmungen (Ironie?) die Räumung des Waldes angeordnet. Die ZEIT erinnerte schon Ende August an Wackersdorf, das zum Symbol des Widerstands gegen die Stromerzeugung mit Atomkraftwerken wurde.

Wer darüber mehr wissen will, kann in quasi jeder Zeitung nachlesen. Und was hat das mit Chemie zu tun? Direkt erstmal nichts, ich denke mir nur, dass es ganz abgesehen von der Klimaerwärmungsproblematik fahrlässig ist, nicht-nachwachsende Ressourcen zu verbrennen. Vielleicht bräuchten wir Chemiker die in ein paar Jahrzehnten z.B. um Kunststoffe, Medikamente oder andere Materialien zu erzeugen. 

Außerdem macht mir der Widerspruch zwischen den Lippenbekenntnissen zum Umweltschutz und der Realität zunehmend Sorgen. Man denke nur an Verkehrspolitik (Auto vs. Bahn, Tempolimits, Dienstwagen,…), Agrarpolitik (riesige subventionierte Tierfabriken, überall nur Maismonokulturen für Biogasanlagen) und die immer wieder verfehlten CO2-Einsparziele.

Dafür ist der Hambacher Forst (früher war es ein Wald, jetzt sind wohl schon 3900 ha von 4100 ha gerodet) ein „schönes“ Symbol.


Jobs für Chemiker als Atmosphärenchemiker

In diesem Teil der Serie „Jobs für Chemiker“ möchte ich vorstellen, wie und wo Chemiker als Atmosphärenchemiker arbeiten können.

Wo arbeiten Atmosphärenchemiker in der Wirtschaft?

Als Atmosphärenchemiker kann man beispielsweise bei Wetterstationen arbeiten, um dort Messungen von Atmosphärengasen durchzuführen oder weiterzuentwickeln. Diese Messungen müssen auch analysiert werden bzw. müssen Modelle entwickelt und angepasst werden, die die jeweiligen Messwerte erklären können. Dafür sollte man dann aber schon Erfahrung mit Modellierung haben.

Rund um diese Tätigkeiten ist Qualitätsmanagement erforderlich, und da man gerade als Atmosphärenchemiker eingebunden in einem Netzwerk von Forschungs- und Messstationen arbeitet, ist es wichtig, dass man sich präsentieren kann.

Neben dem Atmosphärenklima beschäftigen sich immer mehr Atmosphärenchemiker auch mit Innenraumluft. Im Zeitalter der immer besser isolierten Häuser ist nämlich zu befürchten, dass auch der Schadstoffgehalt steigen kann. Allerdings sind solche Stellen eher in Forschungsinstituten zu finden.

Eventuell gibt es noch Stellen in den Behörden, die für Abgasüberwachung zuständig sind. Hier wird es hauptsächlich um Emissionsmessungen gehen, weniger um Modellierung.

Gibt es eine typische Stellenbeschreibung?

Ich habe aktuell keine Stellenbeschreibung gefunden, ich vermute jedoch, dass es nicht viele dieser Stellen gibt. Wenn Ihr eine Beschreibung findet, schickt mir einfach den Link in einem Kommentar.

Wie finde ich die Stellen?

Ich vermute, dass gerade hier persönliche Kontakte helfen, um herauszufinden, wo eine solche Stelle gerade offen ist. Zwar kann man auch bei StepStone oder direkt z.B. beim DWD suchen, aber dort findet man nur sehr wenig.