Wie ging es der Chemieindustrie 2017?

Nachdem die meisten Bilanzen aus der Chemieindustrie 2017 jetzt vorliegen, hat der BAVC Bilanz gezogen. Demnach ist die gesamte Produktion um 2,9% gestiegen, der Umsatz um 6%.

Das alles habe ich im Chemanager gelesen.

Schön, möchte man sagen, aber was ist mit den Beschäftigten? Auch hier gibt es gute Nachrichten, die ist um 1,2% gestiegen, bei einer höheren Produktivität. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Arbeitsstunden pro Beschäftigtem. Die Auslastung war bei 85% über dem langjährigen Durchschnitt. Wie hoch der ist, weiß ich nicht.

Das finde ich interessant. Die Produktivität steigt, die Zahl der Arbeitsstunden sank in der Chemieindustrie 2017 und die Jahre davor auch. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Hatten die Mitarbeiter früher zu wenig zu tun? Hierzu habe ich leider keine Zahlen gefunden.

Was meint Ihr dazu?

Tariflich gab es übrigens am 1.9.2017 eine Gehaltserhöhung um 2,3% (von Destatis).

Fachkräftemangel – ein Kommentar in den Nachrichten der GDCh

GDCh und Fachkräftemangel: Nachdem in den Nachrichten aus der Chemie lange nichts zum Thema Fachkräftemangel in der Chemie zu lesen war, wurde jetzt in der April-Ausgabe von 2018 ein Kommentar von Professor Daubenfeld von der Hochschule Fresenius dazu auf Seite 411 veröffentlicht.

Hier ein gekürztes Zitat:

Denn wenn es [den Fachkräftemangel] tatsächlich gäbe, dann wäre nicht jeder siebte Chemiker ein halbes Jahr nach seiner Promotion noch auf Stellensuche, müssten die Gehälter von Chemikern in der Industrie (stärker) steigen […]

Der Anlass

Herr Daubenfeld nimmt eine Studie aus dem Jahr 2014 zum Anlass, in seiner Kolumne über das Thema zu schreiben. Ich nehme an, es war eine Studie, über die 2014 in den Nachrichten zu lesen war und die ich damals schon kritisiert habe.

Er zieht den Schluss, dass man mehr Leute für die Lehre begeistern muss.  In den Ausbildungsberufen scheint wirklich ein Mangel zu herrschen.

Mein Fazit

Schön, dass auch in der GDCh-Zeitschrift das Thema „Fachkräftemangel“ einen Platz bekommt. Und dies, nachdem die GDCh und Fachkräftemangel lange keine Überlappung hatten.

Ich bin gespannt, ob es weitere Artikel zum Thema gibt, und ob man die Anregungen von Herrn Daubenfeld aufgreift.

Europäische Datenschutzverordnung

Im Moment beschäftige ich mich gezwungenermaßen viel mit den technischen Hintergründen des Blogs. Daher gibt es nicht so viele chemische Inhalte. Ab Mitte Mai müssen nämlich unter anderem auch kommerzielle Blogs die europäische Datenschutzverordnung erfüllen.

Da ich ja Affiliate-Links zu StepStone habe, fällt dieser Blog auch unter diese Gesetzgebung. Diese soll den Datenschutz stärken und die Rechte von Nutzern stärken, z.B. Auskunft über verwendete Daten zu erlangen und erlaubt die Datensammelei nur noch in engen Grenzen.

Eigentlich möchte ich ja gar keine Daten von meinen Lesern sammeln, das einzige, was mich interessiert, ist das Interesse, das ich über Nutzungsstatistiken auswerte.

Aber da auch IP-Adressen schützenswerte und persönliche Daten sind, und diese z.B. von meinem Provider oder beim Abgeben von Kommentaren gespeichert werden, muss ich hier Schritte einleiten, dass die Nutzer z.B. beim Kommentieren darüber informiert werden.

Und das ist kompliziert…

Außerdem habe ich ein paar Funktionen abgeschalten, z.B. die Share-Buttons zu verschiedenen Diensten, aber ich vermute, dass die bisher eh niemand genutzt hat, oder?

Vermisst Ihr eine Funktionalität?

Längere Übergangsfrist für Brexit

Da atmen sicher auch einige Chemieunternehmen auf: Der harte Brexit kommt nicht (sofort), es soll eine 18-Monatige Übergangsfrist geben, bevor die Briten aus dem Binnenmarkt fliegen.

Das ist aber noch nicht ganz sicher, das Austrittsabkommen muss dafür auch noch fertig werden, und das ist noch nicht zu Ende verhandelt.

Das ist besonders gut für Unternehmen, weil die besser planen können. Mehr Infos zum Brexit und der Chemieindustrie gibt es auf den Seiten des VCI.

Das war es heute auch schon. Ich habe leider nicht viel Zeit zu Schreiben.

Frauen in der Chemie

Letzte Woche war der Weltfrauentag, der jedes Jahr am 8. März begangen wird. Ursprünglich wurde dieser Tag von sozialistischen Bewegungen vorgeschlagen. Das Datum erinnert an den Streik von Arbeiterinnen, Soldatenehefrauen und Bäuerinnen, der die Februarrevolution in Russland 1917 auslöste. So zumindest steht es auf Wikipedia. Das ist der richtige Anlass, sich wieder einmal anzusehen, wie Frauen in der Chemie repräsentiert sind.

Vor einiger Zeit habe ich ja schon über den Gender Pay Gap in der Chemie geschrieben,

Fangen wir mit dem akademischen Bereich an, da gibt es verlässliche Zahlen der GDCh: 2016 waren ca. 25% der Habilitanden, 30% der Juniorprofessorinnen und ca. 28% der beendeten Habilitationen weiblich.

Der Anteil der Professorinnen steigt erfreulicherweise seit 2004 stetig von 8% auf 14%. Allerdings sind inzwischen fast 45% der Studienanfänger weiblich, da ist also noch einiges an Nachholbedarf.

Die GDCh verlinkt auch zu Institutionen für Frauen in der Wissenschaft, z.B. zum CEWS.

Und wie sieht es in der Industrie mit Frauen in der Chemie aus? Hier habe ich nicht so viele Zahlen gefunden, statista hat den Frauenanteil im Aufsichtsrat 2015 untersucht, damals waren z.B. bei Henkel 44% der Aufsichtsräte Frauen, bei der BASF 25%, bei Wintershall dagegen nur 22%.

Zahlen von 2011 bei statista zeigen einen Anteil der Gesamtbelegschaft von 36% bei Henkel, bei Bayer waren es 30%.

Und was sagen uns diese Zahlen? Zunächst mal nicht viel… Es bleibt aber ein Gefühl, dass der Frauenanteil immer geringer wird, je höher man kommt. Im Studium sind es fast genauso viele Frauen wie Männer, später werden es weniger. Aktuelles dazu habe ich nicht gefunden, nur einen Artikel über Chancengleichheit von 2008, das ist jetzt ja auch schon zehn Jahre her.

Vielleicht hat die Einführung der Elternzeit inzwischen was zur Angleichung beigetragen?

Liebe Leser, was meint Ihr zu dem Thema?

Chemische Startups treffen sich

In einem früheren Beitrag hatte ich mich schon mit der Frage beschäftigt, wo man chemische Startups findet. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich etwas schwer getan, chemische Startups im Internet zu finden. Umso erstaunter war ich über meinen Zufallsfund.

Letzten Juni gab es das erste Strategietreffen der Chemie(wende) Startup Szene. Das konnte ich der Website von Cascat entnehmen. Meine weitere Suche im Internet hat leider nichts zu diesem Treffen zu Tage gebracht. Es gibt zwar einen weiterführenden Link auf der Webseite, der führt aber nur zu einer Übersichtsseite von https://deutschestartups.org.

Unter dem Tag Chemie ist dort Stand 4. März 2018 übrigens nur ein Unternehmen zu finden, und zwar eines, das einen webbasierten Chemiebaukasten entwickelt hat.

Liebe Leser, hat jemand von Euch mehr Informationen zu diesem Treffen?

Angriff der Roboter? Automatisierte Synthese

Ich möchte Euch kurz darauf aufmerksam machen, dass Ende Januar Derek Lowe auf seinem Blog In the Pipeline über einen Artikel berichtet hat, der um die Fortschritte der automatisierten Synthese in der organischen Chemie geht (Link zum Originalartikel).

In dem Paper werden Ansätze vorgestellt, wie Roboter und Computer bald den typischen bench chemist ersetzen könnten. Der Beitrag ist durchaus kontrovers, genauso wie die Diskussion von Derek Lowe.

Ich persönlich kann mir das für die nächsten paar Jahre noch nicht vorstellen, aber was meint Ihr denn? Seht Ihr vielleicht sogar Euren Job durch diese Entwicklungen bedroht oder wärt Ihr froh über die Arbeitserleichterung?

Chemielehrer als Quereinsteiger

Habt Ihr Euch auch schon mal überlegt, Chemielehrer zu werden? Gerüchteweise hat man da ja viel frei und wenn man Glück hat, wird man sogar verbeamtet. Es gibt viele Vorurteile über das Lehrersein, und ich glaube, dass es schwerer ist, als man denkt.

In den aktuellen Nachrichten aus der Chemie gibt es einen Artikel über die Möglichkeit, als Quereinsteiger Lehrer zu werden. Dort wird auch betont, dass diese Möglichkeit nicht in allen Bundesländern besteht, da es z.B. in Bayern keinen Mangel an Chemielehrern gibt.

Wenn man eine Stelle gefunden hat, kann es sein, dass man das Referendariat nachholen muss, manchmal wird aber auch ein direkter Einstieg angeboten.

Wer daran interessiert ist, Lehrer zu werden, sollte diesen Artikel lesen und auch noch auf meiner Seite über Jobs für Chemiker als Lehrer vorbeischauen.

Tarifverträge in anderen Branchen

Über die Tarifabschlüsse in der Chemie schreibe ich  immer wieder. Manchmal lohnt aber auch ein Blick über den Tellerrand, um zu sehen, welche Tarifverträge andere Branchen abschließen.

Vor kurzem haben sich die Tarifpartner in der Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Neu an der Tarifauseinandersetzung war, dass die Gewerkschaft nicht hauptsächlich für mehr Geld, sondern für mehr Zeit gestritten hat.

Die Einigung besteht jetzt darin, dass Beschäftigte temporär ihre Arbeitszeit auf 28 h reduzieren können und ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit haben. Das hilft z.B. Eltern oder Kindern, die Eltern pflegen müssen.

Für die Arbeitgeber ist dabei gut, dass mehr Beschäftigte länger als 35 h arbeiten dürfen.

Außerdem gibt es 4.3 % mehr Lohn, Einmalzahlungen und das Urlaubsgeld wird erhöht.

Weitere Infos hat z.B. die ZEIT.

Das klingt gut für die Arbeitnehmer in dieser Industrie, oder was meint Ihr?