Diverses zu Fachkräften und Klima

Momentan finde ich wenig Zeit zum Lesen oder Bloggen, daher hat es gedauert, bis ich die Februar-Ausgabe der Nachrichten aus der Chemie gelesen habe.

Dort habe ich ein paar interessante Nachrichten gelesen, die ich unten kurz vorstelle.

Fachkräftemangel

Zum einen gibt es ein MINT-Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft, unter anderem mit Aussagen zum Fachkräftemangel.

Interessantes Zitat zum Thema Gleichberechtigung:

Auch unter den MINT-Fachkräften finden sich relativ wenige Frauen. So waren im Jahr 2017 nur gut 1,0 Millionen der 9,18 Millionen erwerbstätigen MINT-Fachkräfte weiblich. Die Anzahl der erwerbstäti-gen weiblichen MINT-Fachkräfte hat sich in den letzten Jahren leicht verringert. Insgesamt ist sie zwi-schen den Jahren 2011 und 2017 um 5,6 Prozent zurückgegangen. Aufgrund des Beschäftigungsrück-gangs bei den weiblichen MINT-Fachkräften ist der Frauenanteil unter allen erwerbstätigen MINT-Fach-kräften zwischen den Jahren 2011 und 2017 von 11,6 auf 11,0 Prozent leicht gesunken.

https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2019/IW-Gutachten-MINT-Herbstreport-2019.pdf, S. 21

Im Report steht auch, dass es in den letzten Jahren mehr Akademiker mit MINT-Abschluss gegeben hat, bei der beruflichen Bildung aber das Gegenteil passiert ist.

Die Berufsausbildung konnte von der Stärkung der MINT-Fächer in den letzten Jahren folglich nicht profitieren. Die Herausforderung für dieFachkräftesicherung ist damit im Bereich der beruflichen MINT-Qualifikationen besonders groß.

https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2019/IW-Gutachten-MINT-Herbstreport-2019.pdf, S. 117

Klimaschutz

Der VCI hat drei CO2-Spartechniken aus einer Studie des Weltchemieverbands ICCA hervorgehoben, die in Deutschland viel CO2 sparen können. Neben besseren Solarzellen sieht der VCI Chancen in besseren Akkus und Aminosäuren für die Tierernährung. (S. 20).

Der ICAA-Bericht unterteilt die Lösungen in die Felder Stromerzeugung und -speicherung, Industrie und Produktion, Mobilität und Transport, Ernährung und Landwirtschaft und Bau und Wohnen.

Im Industriebereich z.B. werden die Themen CO2 als Rohstoff, neue Katalyseprozesse, höhere Effizienz z.B. beim Haber-Bosch-Verfahren, Biomasse als Rohstoff, chemisches Recycling und Wasserstoff als Rohstoff angeschnitten. Das ist auch für Studierende der Chemie lesenswert, die sich vielleicht tiefer in ein solches Zukunftsthema einarbeiten wollen.

Noch was zu Corona?

Viele Leute haben viel dazu gesagt. Folgt doch z.B. Marc Lipsitch auf Twitter, er ist Epidemiologe in Harvard und rechnet damit, dass sich 40-70% der erwachsenen Weltbevölkerung infizieren könnten.

Chemie und der Klimagipfel, tun wir etwas!

Zur Zeit schreibt ja jede Zeitung und das halbe Internet über den Klimawandel und den Klimagipfel in New York, natürlich aus verschiedensten Blickwinkeln. Oft liest man Überraschung oder ein gewisses Missfallen über die Heftigkeit der Rede von Greta Thunberg. Mehr darüber beispielsweise bei der Augsburger Allgemeinen. Erstaunlicherweise sind aber die meisten Kommentatoren, die ich gelesen habe, einig, dass zu wenig getan wird, um den Klimawandel abzumildern.

Klimagipfel der Chemie

Lohnt es sich also, dass ich auch noch etwas dazu schreibe? Mal sehen, hab ich ja auch schon mal gemacht, und hier nochmal. Es gibt aus der Chemiebranche ein paar Nachrichten zum Klimagipfel. Beispielsweise gab es im Juli einen Klimagipfel der Chemie bei der BASF, bei dem beschlossen wurde, durch Zusammenarbeit innerhalb der Branche die CO2-Reduktion schneller zu senken. Ein schönes Ziel.

Auch die IG BCE meldet sich nach den Klima-Kompromiss der großen Koalition zu Wort:

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sieht nach den Klima-Beschlüssen der großen Koalition noch Klärungsbedarf und vermisst ein Konzept für den Ökostrom-Ausbau.

https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/un-klimagipfel–wutrede-thunberg-beim-klima-gipfel—merkel-spricht-von–weckruf–8916064.html

Ich denke, dass es bei diesem Thema noch weiteren Klärungsbedarf gibt.

Was macht das einzelne Unternehmen gegen den Klimawandel?

Über die Verfehlungen der Politik kriege ich viel mit. Aber genauso, wie sich jeder einzelne fragen kann, was er eigentlich tut, ist es auch interessant, zu schauen, was denn die einzelnen Unternehmen für Anstrengungen „unternehmen“, um einen Beitrag zu leisten.

Wie sieht es denn bei Euch im Unternehmen oder an der Uni aus, was wird dort getan?

Gibt es Jobtickets, ein Jobrad oder ein Dienstauto? Kann man sein E-Gefährt aufladen? Wie werden Dienstreisen gebucht, eventuell das CO2 kompensiert? Schreibt mir gern einen Kommentar.

Der Klimawandel

Das ist jetzt ein bisschen off-topic, aber heute morgen habe ich folgende Meldung im heise newsticker gelesen:

Missing Link: Klimawandel und Wirtschaft – ein Index der ökologischen Verantwortung
Würden alle Unternehmen wie die Unternehmen des Börsenindex DAX 30 wirtschaften, würden sie eine Erderwärmung von 4,94 °C bis 2050 erzeugen.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Klimawandel-und-Wirtschaft-ein-Index-der-oekologischen-Verantwortung-4436107.html

Schockiert das jetzt jemanden? Oder sind wir schon tief in einer kognitiven Dissonanz, dass wir denken, das betrifft uns nicht?

Wir nehmen es zur Kenntnis, dann steigen wir ins Auto und fahren die paar Meter zum Einkaufen ins neue Gewerbegebiet außerhalb des Wohnbereichs. Da gibt es mehr Parkplätze.

Es ist verrückt.

Wir wissen eigentlich alles, oder wir hätten die Möglichkeit, es herauszufinden, aber wir handeln nicht danach. Klar, die Politik müsste es richten, aber wir sind erstmal gegen die Pläne für Ökosteuer, CO2-Steuer, etc.

Taten statt Worte!

Zum Thema passt auch dieser Artikel: https://blog.stellen-fuer-chemiker.de/trendbericht-zukunft-der-chemie-in-den-nachrichten-aus-der-chemie/

Trendbericht zur Zukunft der Chemie

In den letzten Nachrichten aus der Chemie 2017, 65, 462-465 wurde von Thomas Le Blanc ein eher humorvoller (?) Rückblick auf die dreihundert Jahre vor 2167 geschrieben, also auf die Zukunft der Chemie aus unserer Sicht.

Das fand ich sehr amüsant, es steckt auch viel Nachdenkenswertes darin. Ich zitiere mal den Abstract:

Ein Rückblick zum 300‐jährigen Jubiläum der Gesellschaft Deutscher Chemiker zeigt, wie nützlich es ist, sich auf disruptive Veränderungen einzustellen. Dabei hat die Nanochemie gegenüber der Weltraumchemie gewonnen.

„Rückgeblickt“ wurde unter anderem auf die disruptive Neuausrichtung der Automobilindustrie wegen der Elektromobilität und einer Nullemissionsforderung aus der Politik. Die daraus resultierenden Herausforderungen konnte die Chemie in diesem Rückblick lösen.

Anreize aus der Politik?

Persönlich zweifle ich gar nicht daran, dass die Wissenschaft, hier plakativ die Chemie, diese Herausforderung lösen könnte. Ich fürchte nur, dass es die nötigen Anreize und Regulierungen von Seiten der Politik nicht oder zu spät und zu lasch geben wird, sodass es für die Wirtschaft keine Anreize für Veränderungen gibt. Disruptive Innovationen schaden ja typischerweise den großen etablierten Unternehmen. Diese werden sich daher so lange wie möglich mit allen Mitteln gegen solche Umwälzungen wehren, die ihnen die Geschäftsgrundlage entziehen.

Oder kann sich jemand schon ausmalen, was passieren wird/würde, wenn der Verbrennungsmotor verschwindet?

Im Moment sieht es zumindest in der deutschen Politik nicht so aus, als ob es zu einem radikalen Wandel kommt. In der Zeit konnte man vor kurzem vom Selbstbetrug der deutschen Klimapolitik lesen. Seit 2009 sei der CO2-Ausstoß kaum gesunken.

Was meint ihr?

Was meint Ihr, was ist die Zukunft der Chemie? Und warum wird die Nanochemie gewinnen?

Hoffen wir, dass viele der im Nachrichten-Artikel beschriebenen Veränderungen bis spätestens 2167 eintreffen, einem Datum, dass die meisten von uns nicht mehr erleben werden :).

Der Autor des Originalartikels ist übrigens Leiter der phantastischen Bibliothek in Wetzlar. Diese „unterstützt auch Unternehmen in ihren Foresight-Strategien“, so steht es im Originalartikel. Das finde ich sehr interessant.