Berufsaussichten für Chemiker 2019

Die letzten beiden Wochen war ich etwas schreibfaul und habe den Urlaub genossen. Wie es Tradition ist, möchte ich mich jetzt zurückmelden mit einer Prognose für die Berufsaussichten für Chemiker 2019.

Meine Prognosen für die Jahre 2018 und 2017 findet ihr durch Klick auf die Jahreszahlen.
Im letzten Jahr hatte ich vermutet, dass die Dieselkrise Auswirkungen auf die Automobilindustrie und die dort beschäftigten Chemiker hat. Meinem Empfinden nach hat sich hier aber recht wenig getan, vielleicht lag das auch am zögerlichen Handeln der Politik.

Wirtschaftsprognose 2019

Was erwartet uns 2019? Ich bin pessimistisch und vermute, dass es nach Jahren des Wachstums, womöglich unterstützt durch niedrige Zinsen zu einer Wirtschaftskrise kommen könnte. Nun ist es ist natürlich leicht, als Katastrophen anzukündigen, das kommt der menschlichen Natur entgegen, die überall Gefahren sieht. Aber es gibt einige Risiken, unten sind ein paar ausgewählt.

Brexit

Noch ist nicht klar, wie (oder ob?) der Brexit ablaufen wird, und diese Ungewissheit birgt eine große Gefahr für globalisierte Unternehmen, die nicht wissen, wie sie planen können. Für die universitäre Forschung in Großbritannien wäre ein Wegfallen der EU-Förderung auch ein großer Einschnitt (siehe auch offener Brief).

Auch die Chemikalienregulierung und -zulassung wäre bei einem ungeregeltem Brexit unklar, in einem schlimmen Szenario müssten tausende Chemikalien neu zugelassen werden. Optimisten könnten hier viele neue Jobs für Chemiker erkennen…

Protektionismus

Die Gefahren des Protektionismus hat wohl jede Tages- und Wochenzeitung schon heraufbeschworen. Persönlich glaube ich, dass von dort keine großen Gefahren ausgehen, weil die Vor- und Nachteile hinlänglich bekannt sein dürften und die Erfahrungen beim Stahl (Stichwort Harley-Davidson) auch Donald Trump von weiteren solchen Schritten abhalten sollten.

Gesamtlage

Die Wirtschaftslage sehe ich trotzdem nicht so positiv, es gibt einige Indikatoren für einen Rückgang des Wirtschaftswachstums. Ich sehe in Deutschland teilweise irrsinige Steigerungen bei den Immobilienpreisen, weil die Leute in Immobilien flüchten. Zusätzlich sind die Börsenkurse Ende 2018 ordentlich abgerutscht.

Dann gibt es Schuldenkrisen in Schwellenländern in Südamerika, Afrika und Asien (hier ein Link zu einem möglicherweise etwas einseitigen Dokument von Misereor) und auch Italien hat eine extrem hohe Staatsverschuldung, wenn auch hauptsächlich im Inland.

Was speziell für Jobs in der Chemie auch nicht gut ist, sind die Ankündigungen von Bayer, zu „konsolidieren“ und weitere Mergers wie der angekündigte von Bristol-Myers Squibb und Celgene.

Das größte deutsche Chemieunternehmen BASF hatte im Dezember noch eine Gewinnwarnung für 2018 veröffentlicht und rechnet mit 15-20% weniger EBIT als 2017.

Fachkräftemangel?

Ob den Chemikern hier der vielbeschworene Fachkräftemangel hilft, trotzdem Jobs zu finden, kann bezweifelt werden. Alles zu diesem Thema sammle ich unter dem Tag Fachkräftemangel.

Zum Schluss

Ich hoffe natürlich trotz der weniger guten Prognose, dass uns ein gutes Jahr erwartet und wir alle unsere persönlichen Ziele erreichen werden!

Berufsaussichten 2018 für Chemiker

Im letzten Jahr habe ich zur Entwicklung 2017 einige Prognosen gewagt. Basierend auf den Absolventenzahlen der GDCh auf der einen Seite und der Entwicklung der Arbeitssuchendenzahlen auf der anderen Seite habe ich vermutet, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt als Chemiker weiterhin relativ schwierig ist. Wie sind die Berufsaussichten 2018?

Das wird sich 2018 nicht wirklich ändern. In einem Kommentar von Entropie auf einen Post  wird auf eine Studie des VCI hingewiesen. Laut dieser wird die Anzahl der Stellen in der chemischen Industrie in den nächsten Jahren eher schrumpfen.

Die wirtschaftliche Entwicklung

Außerdem gibt es meiner Meinung nach einige Fragezeichen für die wirtschaftliche Entwicklung 2018. Immer noch aktuell ist der Dieselskandal und dadurch ein gewisser Druck auf die deutsche Automobilindustrie. Von dieser hängen auch viele chemische Firmen als Zulieferer ab. Es muss den deutschen Herstellern schnell gelingen,  effiziente alternative Motoren zu entwickeln, um weiterhin attraktiv vor allem für ausländische Käufer zu sein.

Durch die notwendige F&E-Aktivität auf diesem Gebiet wäre das eine Chance, dass wieder mehr Chemiker eingestellt werden. Chemische Reaktionen sind ja für jede Art des Antriebs der Prozess, der die Energie zur Verfügung stellt, das beginnt beim Verbrennungsmotor und geht über die Brennstoffzelle bis zum Akku im Elektroauto.

Ein weiteres Fragezeichen ist die Entwicklung der globalen Konjunktur, vor allem, wie sich das Wirtschaftswachstum in China macht. Hier wage ich keine Prognose, dafür sind andere zuständig, z.B ist das nachzulesen bei Reuters.

Volatile Zeiten

Es ist natürlich sehr schwer zu sagen, was im kommenden Jahr passiert, aber ich denke, es wird aufregend. Man denke nur an die Entwicklung des Bitcoin 2017, die ich persönlich (leider) nicht vorhergesehen habe.

In solch volatilen Zeiten gefällt mir ein Zitat von Nassim Taleb:

Because, to repeat, life is sacrifice and risk taking, and nothing that doesn’t entail some moderate amount of the former, under the constraint of satisfying the latter, is close to what we can call life. If you do not undertake a risk of real, reversible or even potentially irreversible, harm from an adventure, it is not an adventure.

Also, und das gilt meiner Meinung nach für junge Absolventen und Studierende: Geht Risiken ein, die hohen Gewinn ermöglichen. Das muss nicht finanziell sein, sondern kann auch persönlicher Gewinn sein.

Ich wünsch Euch ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2018.