Leserbeteiligung und diverses

Auch dieses Jahr möchte ich über die Feiertage zwei spezielle Posts machen, einen Jahresrückblick und einen Ausblick auf 2018. Hier freue ich mich, wenn IHR Themen beitragen wollt oder mir Stichworte geben wollt. Es kann gerne auch ein persönliches Erlebnis sein, dass ich dann anonymisiert hier veröffentlichen kann. Schreibt einfach einen Kommentar hier unten. Dazu ist keine Angabe der Emailadresse nötig.

Dann habe ich noch interessante Zahlen aus den USA, die in der vorletzten C&EN (Volume 94, Issue 48) standen und die vom US Bureau of Labor Statistics und der National Science Foundation kommen:

Bis 2026 sollen die Chemie-Stellen um 6% absolut wachsen, das hieße, dass 5700 Jobs neu geschaffen werden. Zum Vergleich gibt C&EN die Zahl von 14669 Bachelorabsolventen im Jahr 2015 an. Das ist keine sehr erfreuliche Aussicht.

Ähnliche Zahlen für Deutschland wären interessant, wenn die jemand hat, kann er sie auch gerne in einem Kommentar zum Post mitteilen.

Ich wünsche Euch noch eine schöne und hoffentlich entspannte Vorweihnachtszeit.

 

Elternzeit in der chemischen Industrie

Seit einigen Jahren werden Eltern belohnt, wenn beide Teile Elternzeit nehmen. Die Gesamtzeit des Elterngeldbezugs verlängert sich dann um zwei Monate, wenn ein Elternteil mindestens diese zwei Monate nimmt.

Wenig überraschend ist dies meist der Vater. Immerhin hat die Regelung dazu geführt, das die zweimonatige Abwesenheit inzwischen in der Industrie üblich ist.

Gehaltsunterschied durch Elternzeit?

In den aktuellen Nachrichten aus der Chemie von Dezember 2017 wird jetzt darauf hingewiesen, dass „in Chemieunternehmen […] der Gehaltsunterschied von Vätern, die Elternzeit nehmen, gegenüber durchgängig Beschäftigten höher als bei Frauen [ist]“. Außerdem beruhe der sog. Gender-pay-gap von 3% darauf, dass Frauen häufiger in Elternzeit gehen. Dies hat die Gehaltsumfrage des VAA ergeben. Hier schreibe ich mehr über das Gehalt in der chemischen Industrie.

Keine Auswirkungen bei 2000 Vätern

Es gibt allerdings auch Quellen, die die Angst zerstreuen wollen, weniger zu verdienen: Das WBZ hat eine Studie mit 2000 Vätern durchgeführt und ist zu folgendem Schluss gekommen:

Die Elternzeit wirkt sich nicht negativ auf die Löhne aus – unabhängig davon, wie lange die Väter zu Hause geblieben sind.

Auch wissenschaftliche Literatur zum Thema existiert. In der Zeitschrift für Personalpsychologie (2005), 4, pp. 116-122 werden die beruflichen Folgen beleuchtet. Das Fazit hier:

Es zeigte sich, dass bei dreijähriger Elternzeit von einem signifikant höheren Risiko negativer beruflicher Konsequenzen ausgegangen wurde als bei einjähriger Elternzeit.

Die Gesamtbetrachtung

Das sind alles leicht unterschiedliche Perspektiven, die alle nur aus Karrieresicht argumentieren. Meiner Meinung nach ist es aber sowohl für die Kinder als auch für die Gesellschaft sehr bereichernd, wenn es Eltern ermöglicht wird, länger für ihre Kinder da zu sein und vor allem Väter zumindest die zwei Monate nehmen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Elternzeit? Denkt ihr, Eure Karrierechancen haben gelitten?

Keine Fusion von Clariant mit Huntsman

Anfang Oktober habe ich ja kurz geschrieben, dass es Widerstand gegen die Fusionspläne von Clariant mit Huntsman gibt. Ein Shareholder von Clariant war gegen die Fusion, weil er meinte, dass anderweitig mehr Wert generiert werden kann.

Der Investor konnte sich durchsetzen, die Fusion findet nicht statt. Jetzt ist die Frage, ob das für die Beschäftigten besser ist.

Zumindest werden durch „Synergien“ vorerst keine Jobs vernichtet.

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Das alte Thema Fachkräftemangel

Nach längerer Pause gibt es wieder etwas zum Thema Fachkräftemangel.

Eine neue Studie zu MINT-Berufen vom Institut der deutschen Wirtschaft untersucht die Frage, wieviele offene Stellen es dort gibt und wie sie sich entwickelt haben. MINT-Berufe sind solche, wofür man einen mathematisch-naturwissenschaftlichen, technischen oder IT-Hintergrund braucht. Darunter fallen natürlich auch alle chemischen Berufe.

Aber zum Bericht. Anscheinend gab noch nie seit 2001 so viele offene Stellen im MINT-Bereich im Vergleich zu recht wenigen Arbeitssuchenden. Diese Differenz zeigt auch folgende Grafik, die ich aus der Studie eingebettet habe:

Wer fehlt?

Allerdings fehlen nicht etwa die „Experten“, also Leute, die schon mindestens vier Jahre studiert haben. Hauptsächlich fehlen Fachkräfte, also Leute, die eine Ausbildung gemacht haben. Es heißt ja auch Fachkräftemangel, und nicht Expertenmangel oder Promoviertenmangel. Daher sollte dieser Fachkräftemangel auch keine Motivation für die Politik sein, noch mehr Leute zu einem Studium zu bringen, sondern es sollte meiner Meinung nach eher das duale Ausbildungssystem gefördert und beworben werden. Dann könnte man im Schul- und Universitätssystem auch wieder stärker differenzieren, weil nicht mehr jeder studieren muss. Aber das sind kontroverse Themen, die wohl auch zyklisch immer wieder diskutiert werden (siehe z.b. Andrä Wolter, Das deutsche Gymnasium zwischen Quantität und Qualität, anscheinend von 1997) …

Wie sieht es in der Chemie aus?

Wieviele offene Stellen für Chemiker darunter sind, lässt sich aus dieser Grafik auch nicht erkennen. Auf meiner Statistik-Seite habe ich aber zumindest die Zahl der arbeitssuchenden Experten aus den Agenturdaten herausgeholt. Diese ist seit Jahren relativ konstant.

Gehalt in der chemischen Industrie

Über das Thema Gehalt spricht man in Deutschland ja traditionell nicht, und in vielen Arbeitsverträgen gibt es entsprechende Geheimhalteklauseln. Diese Klauseln sind übrigens umstritten und haben oft vor Gericht keinen Bestand (siehe dieser Zeit-Artikel).

Wie komme ich aber trotz der deutschen Zurückhaltung, über Geld zu reden, an Informationen zum Gehalt in der chemischen Industrie?

Umfragen

Zur Orientierung gibt es diverse Umfragen, z.B. die jährliche GDCh-Gehaltsumfrage, über die ich schon berichtet habe (z.B. über die Gehaltsumfrage 2015 oder im Jahresrückblick 2016). Es lohnt sich sehr, dort mitzumachen. Dann bekommt man auch alle Daten, die gesammelt wurden in einer übersichtlichen Form.

In den aktuellen Nachrichten aus der Chemie, 2017, 65, 1043 wird jetzt eine VAA-Umfrage zitiert, nach der Führungskräfte in der chemischen Industrie 2016 4% mehr verdient haben als 2015, wobei man in Großunternehmen deutlich mehr verdient als in kleineren Unternehmen.

Verschiedene Stellenportale machen eigene Umfragen, die aber keinen so engen Fokus auf die Chemieindustrie haben, die ich deshalb hier auch nicht erwähne.

Weitere Quellen

Im Tarifbereich ist z.B. die IG BCE eine gute Quelle.

Wenn man mehr zu spezifischen Arbeitgebern wissen möchte, kann man auch auf Seiten wie https://www.kununu.de nachsehen. Manchmal kann man aus den Kommentaren eine Tendenz herauslesen, man sollte bei diesen Bewertungen aber vorsichtig sein. Oder man spricht Bekannte, die man auf Xing oder LinkedIn als Mitarbeiter der Unternehmen identifiziert hat, mal vorsichtig an. Dann gilt aber wahrscheinlich der erste Satz des Beitrages :).

Falls Ihr einen Job sucht, schaut gerne auf meine StepStone-Seite.

Klappt die Fusion von Clariant und Huntsman?

In meinem Beitrag über Megafusionen habe ich ja über verschiedene anstehende oder vollendete Fusionen geschrieben und kurz Clariant und Huntsman erwähnt. Die beiden Firmen möchten sich zusammenschließen, zuvor hat Huntsman noch einen Teil der Geschäfte mit Pigmenten und Additiven (Venator Materials) abgestoßen. Soweit ich weiß, sind 22% von Venator Materials nicht mehr im Besitz von Huntsman.

Synergien

Laut einem Artikel in CHEManager sollen Synergien von 400 Mio. Dollar „gewonnen“ werden, was genau das ist, steht dort natürlich nicht. Zu befürchten ist, dass es auf Kosten von Arbeitsplätzen geht. Die Fusion soll zwar ein Merger of Equals sein, aber die neue Konzernzentrale soll in den USA stehen, obwohl Clariant-Aktionären 52% des neuen Konzerns gehören soll.

Ich frage mich, was sich die Beteiligten von der Fusion versprechen.

Gegenwind

In den letzten Wochen hat allerdings ein sogenannter activist shareholder namens White Tale über 15% der Clariantaktien aufgekauft und droht, weitere Anteile zuzukaufen, mit dem Ziel, die Fusion zu verhindern. Generell scheinen die Clariantaktionäre der Fusion skeptischer gegenüberzustehen als Huntsman-Investoren.

Eine weitere Aktionärsgruppe sind die ehemaligen Südchemie-Investoren. Diese scheinen weiter hinter der Fusion zu stehen, ich habe dazu aber keine aktuelle Veröffentlichung gefunden. Infos darüber gibt es z.B. bei bilanz.ch.

Es ist also spannend, ob die Fusion von Clariant und Huntsman wie geplant bis Januar 2018 vollendet sein kann oder ob sie überhaupt stattfindet. Lassen wir uns überraschen.

Was meint eigentlich ihr? Ist die Fusion sinnvoll? Und wenn ja, warum?

Bericht: Arbeitsmarkt für Akademiker

Die Agentur für Arbeit hat vor kurzem eine Broschüre mit dem Titel „Arbeitsmarkt für Akademiker“ auf ihrer Statistikseite veröffentlicht. Laut diesem Bericht verfügen inzwischen über 20% der Erwerbstätigen über einen Hochschulabschluss. Und es geht weiter nach oben, inzwischen studieren 2,8 Millionen.

Gibt es einen Fachkräftemangel?

Am anderen Ende der Erwerbslaufbahn werden aber viele hochgebildete in den Ruhestand gehen, in den Naturwissenschaften liegt der Anteil an über 55-Jährigen bei rund 20%. Wie wird das ausgehen, droht ein Fachkräftemangel im Akademikerbereich? Nein,…

Die Forscher sehen ab 2025 eher die Gefahr eines  Fachkräftemangels im mittleren Qualifikationssegment, wenn  die Trends der letzten Jahre anhalten sollten.
Auch zeigt sich in der Studie, dass nur wenige der arbeitenden Naturwissenschaftler auch als Naturwissenschaftler arbeiten (ein toller Satz :)). Von ca. 500.000 sind das nur 160.000. Viele arbeiten interdisziplinär oder in anderen Bereichen.

Wie sieht es in der Chemie aus?

Hier ein Zitat für die Chemie:
In der Chemie […] sank die Arbeitslosenzahl um drei Prozent auf 2.600 Arbeitslose. Bezogen auf die Zahl aller Erwerbspersonen mit einem Studienabschluss der Chemie ergibt sich ebenfalls eine geringe Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent. Im Jahresverlauf wurden 1.300
Stellenangebote neu gemeldet, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Monatsdurchschnittlich standen damit nicht ganz 300 Stellenangebote für Chemie-Experten zur Verfügung.
Für das Jahr sieht es nicht so schlecht aus. Siehe hierzu auch meine Auftragung arbeitsloser Chemiker gegen die Zeit.
Was meint Ihr, stimmt das mit Eurem Gefühl und Eurer Situation überein?

Chemiker vor der Wahl

Am 24. September wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Um eine möglichst informierte Wahl treffen zu können, kann man alle Wahlprogramme lesen. Oder man kürzt etwas ab und benutzt andere Informationsquellen, wie z.B. den Wahl-O-Mat.

Für Chemiker gibt es aber noch speziellere Tools, die teilweise etwas tendenziös sein können.

Der VCI

Der VCI hat einen Chemienavigator erstellt. Dort kann man Aussagen auf die eigene Zustimmung bewerten und dann sein „Profil“ mit dem der Parteien vergleichen. Eine solche Aussage wäre z.b. „Ausreichend Lebensmittel für alle gibt es auch ohne moderne Landwirtschaft.“

Laut dem Tool stimmt die Linke dieser Aussage zu, im Gegensatz zu allen anderen Parteien. Das halte ich für eine sehr verkürzte und ins Falsche gehende Darstellung.

Hier ein Auszug aus der Antwort der Linken: „Dies bedeutet u.a. keine Agro-Gentechnik, deutlich reduzierter Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie gute Arbeits- und Einkommensbedingungen in der Landwirtschaft. Das Ziel „Ausreichend Lebensmittel für alle“ ist nicht allein eine Frage von Chemie und Technik.“

GDCh

Ein Artikel in den Nachrichten aus der Chemie 2017, 65, 911-920 hat die Bundestagsfraktionen und FDP und AfD Fragen zu wissenschaftlichen Themen gestellt. Diese und die ausführlichen Antworten gibt es unter https://www.gdch.de/wps.

Die IG BCE

Die Gewerkschaft hat zentrale Forderungen aufgestellt, die jeder selbst mit den Parteiprogrammen abgleichen kann. Diese sind unter https://www.igbce.de/zentrale-forderungen-der-ig-bce/154968 zu finden, vor allem geht es um die Arbeitswelt und die Rente.

 

Kennt ihr weitere Quellen, wo Chemiker spezielle Wahlinformationen bekommen können?

Telegram Bot für Stellen-für-Chemiker

Hallo zusammen,

ein kleiner Gruß aus dem Urlaub, vor allem für meine Leser, die den kostenlosen Messenger-Service Telegram nutzen.

Dieser hat eine ausgefeilte Bot-API, die ich mal ausprobieren wollte. Daher gibt es jetzt einen Bot zum Blog, der unter https://telegram.me/chemikerjobbot zu erreichen ist. Mit /start könnt Ihr den Bot aktivieren, mit /sub post oder /sub stellenpost die normalen oder die Stellenposts abonnieren und wenn ihr ihm ein Wort schickt, sucht er danach im Blog. Das ist ganz witzig, und wenn das genug Leute interessiert, werde ich das nach einer Testphase ausbauen.

Also gebt mir gerne eine Rückmeldung und sagt mir auch, wenn Ihr Euch zusätzliche Features wünscht.