Klappt die Fusion von Clariant und Huntsman?

In meinem Beitrag über Megafusionen habe ich ja über verschiedene anstehende oder vollendete Fusionen geschrieben und kurz Clariant und Huntsman erwähnt. Die beiden Firmen möchten sich zusammenschließen, zuvor hat Huntsman noch einen Teil der Geschäfte mit Pigmenten und Additiven (Venator Materials) abgestoßen. Soweit ich weiß, sind 22% von Venator Materials nicht mehr im Besitz von Huntsman.

Synergien

Laut einem Artikel in CHEManager sollen Synergien von 400 Mio. Dollar „gewonnen“ werden, was genau das ist, steht dort natürlich nicht. Zu befürchten ist, dass es auf Kosten von Arbeitsplätzen geht. Die Fusion soll zwar ein Merger of Equals sein, aber die neue Konzernzentrale soll in den USA stehen, obwohl Clariant-Aktionären 52% des neuen Konzerns gehören soll.

Ich frage mich, was sich die Beteiligten von der Fusion versprechen.

Gegenwind

In den letzten Wochen hat allerdings ein sogenannter activist shareholder namens White Tale über 15% der Clariantaktien aufgekauft und droht, weitere Anteile zuzukaufen, mit dem Ziel, die Fusion zu verhindern. Generell scheinen die Clariantaktionäre der Fusion skeptischer gegenüberzustehen als Huntsman-Investoren.

Eine weitere Aktionärsgruppe sind die ehemaligen Südchemie-Investoren. Diese scheinen weiter hinter der Fusion zu stehen, ich habe dazu aber keine aktuelle Veröffentlichung gefunden. Infos darüber gibt es z.B. bei bilanz.ch.

Es ist also spannend, ob die Fusion von Clariant und Huntsman wie geplant bis Januar 2018 vollendet sein kann oder ob sie überhaupt stattfindet. Lassen wir uns überraschen.

Was meint eigentlich ihr? Ist die Fusion sinnvoll? Und wenn ja, warum?

Bericht: Arbeitsmarkt für Akademiker

Die Agentur für Arbeit hat vor kurzem eine Broschüre mit dem Titel „Arbeitsmarkt für Akademiker“ auf ihrer Statistikseite veröffentlicht. Laut diesem Bericht verfügen inzwischen über 20% der Erwerbstätigen über einen Hochschulabschluss. Und es geht weiter nach oben, inzwischen studieren 2,8 Millionen.

Gibt es einen Fachkräftemangel?

Am anderen Ende der Erwerbslaufbahn werden aber viele hochgebildete in den Ruhestand gehen, in den Naturwissenschaften liegt der Anteil an über 55-Jährigen bei rund 20%. Wie wird das ausgehen, droht ein Fachkräftemangel im Akademikerbereich? Nein,…

Die Forscher sehen ab 2025 eher die Gefahr eines  Fachkräftemangels im mittleren Qualifikationssegment, wenn  die Trends der letzten Jahre anhalten sollten.
Auch zeigt sich in der Studie, dass nur wenige der arbeitenden Naturwissenschaftler auch als Naturwissenschaftler arbeiten (ein toller Satz :)). Von ca. 500.000 sind das nur 160.000. Viele arbeiten interdisziplinär oder in anderen Bereichen.

Wie sieht es in der Chemie aus?

Hier ein Zitat für die Chemie:
In der Chemie […] sank die Arbeitslosenzahl um drei Prozent auf 2.600 Arbeitslose. Bezogen auf die Zahl aller Erwerbspersonen mit einem Studienabschluss der Chemie ergibt sich ebenfalls eine geringe Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent. Im Jahresverlauf wurden 1.300
Stellenangebote neu gemeldet, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Monatsdurchschnittlich standen damit nicht ganz 300 Stellenangebote für Chemie-Experten zur Verfügung.
Für das Jahr sieht es nicht so schlecht aus. Siehe hierzu auch meine Auftragung arbeitsloser Chemiker gegen die Zeit.
Was meint Ihr, stimmt das mit Eurem Gefühl und Eurer Situation überein?

Chemiker vor der Wahl

Am 24. September wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Um eine möglichst informierte Wahl treffen zu können, kann man alle Wahlprogramme lesen. Oder man kürzt etwas ab und benutzt andere Informationsquellen, wie z.B. den Wahl-O-Mat.

Für Chemiker gibt es aber noch speziellere Tools, die teilweise etwas tendenziös sein können.

Der VCI

Der VCI hat einen Chemienavigator erstellt. Dort kann man Aussagen auf die eigene Zustimmung bewerten und dann sein „Profil“ mit dem der Parteien vergleichen. Eine solche Aussage wäre z.b. „Ausreichend Lebensmittel für alle gibt es auch ohne moderne Landwirtschaft.“

Laut dem Tool stimmt die Linke dieser Aussage zu, im Gegensatz zu allen anderen Parteien. Das halte ich für eine sehr verkürzte und ins Falsche gehende Darstellung.

Hier ein Auszug aus der Antwort der Linken: „Dies bedeutet u.a. keine Agro-Gentechnik, deutlich reduzierter Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie gute Arbeits- und Einkommensbedingungen in der Landwirtschaft. Das Ziel „Ausreichend Lebensmittel für alle“ ist nicht allein eine Frage von Chemie und Technik.“

GDCh

Ein Artikel in den Nachrichten aus der Chemie 2017, 65, 911-920 hat die Bundestagsfraktionen und FDP und AfD Fragen zu wissenschaftlichen Themen gestellt. Diese und die ausführlichen Antworten gibt es unter https://www.gdch.de/wps.

Die IG BCE

Die Gewerkschaft hat zentrale Forderungen aufgestellt, die jeder selbst mit den Parteiprogrammen abgleichen kann. Diese sind unter https://www.igbce.de/zentrale-forderungen-der-ig-bce/154968 zu finden, vor allem geht es um die Arbeitswelt und die Rente.

 

Kennt ihr weitere Quellen, wo Chemiker spezielle Wahlinformationen bekommen können?

Telegram Bot für Stellen-für-Chemiker

Hallo zusammen,

ein kleiner Gruß aus dem Urlaub, vor allem für meine Leser, die den kostenlosen Messenger-Service Telegram nutzen.

Dieser hat eine ausgefeilte Bot-API, die ich mal ausprobieren wollte. Daher gibt es jetzt einen Bot zum Blog, der unter https://telegram.me/chemikerjobbot zu erreichen ist. Mit /start könnt Ihr den Bot aktivieren, mit /sub post oder /sub stellenpost die normalen oder die Stellenposts abonnieren und wenn ihr ihm ein Wort schickt, sucht er danach im Blog. Das ist ganz witzig, und wenn das genug Leute interessiert, werde ich das nach einer Testphase ausbauen.

Also gebt mir gerne eine Rückmeldung und sagt mir auch, wenn Ihr Euch zusätzliche Features wünscht.

Lektüre für die Sommerpause

Ich habe mich ja am Montag mit drei Stellen für Chemiker in die Sommerpause verabschiedet. Damit Ihr etwas zu lesen habt, möchte ich Euch hier aber ein paar Lese-Anregungen aus diesem Blog geben:

Außerdem lohnt sich immer der Besuch bei Chemjobber für Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt für Chemiker.

Habt Ihr Fragen oder interessante Themen, über die ich nach der Sommerpause im September schreiben soll?

Hohe Arbeitskosten in der Chemiebranche?

Der BAVC berichtet in seiner neuesten Impuls-Ausgabe über hohe Arbeitskosten in der Chemiebranche. Im Vergleich zu 2015 seien diese um 1,9 % auf 53.97 €/h gestiegen, was wohl 85.000 €/Jahr ausmacht. Zum Vergleich: Die Kosten in der Automobilindustrie lagen laut statista 2013 bei 48,4 €/h.

31,5 % dieses Betrags sind „zusätzliche Kostenbestandteile“ wie Sozialversicherung oder Altersvorsorge. Mir ist nicht so klar, was hier die Aussage ist.

Die Entgelte der Beschäftigten sind von 2012 bis 2016 um 8,6% gestiegen und treiben dadurch die Arbeitskosten nach oben.

Nach meiner Berechnung sind das 2,1 % Steigerung pro Jahr…Ich finde jetzt nicht, dass diese Steigerung zu hoch ist. Im

Hierzu empfehle ich auch meinen Post Gehaltsentwicklung tariflich bezahlter Chemiker von 2014.

Chemiestudierende 2016 – Die Anfängerzahlen

Wie jedes Jahr hat die GDCh auch die neusten Studienanfängerzahlen für Chemiestudierende 2016 veröffentlicht. Auf der Statistikseite der GDCh sind diese aktuellen Zahlen zu finden.

Ich habe auch in den letzten Jahren Artikel zu der Veröffentlichung geschrieben, z.B. zu den Anfängerzahlen 2015 oder in den Berufsaussichten für Chemiker 2017.

Die Anfängerzahl 2016 bleibt auf dem Niveau der Vorjahre (siehe Abbildung 1), während die Zahl der Promotionen seit 2007 steigt, jetzt auf über 2000 (Abbildung 2).

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Abbildung 1: Studiengang Chemie: Studienanfänger im Diplom- und Bachelor-Studiengange (Quelle: GDCh | Chemiestudiengänge in Deutschland – Statistische Daten 2016)

Positiv ist, dass weniger Absolventen arbeitssuchend waren als noch 2015. Ungefähr ein Drittel geht in die chemische oder pharmazeutische Industrie, ein Fünftel macht laut den Angaben Postdoc im Inland.

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Abbildung 2: Studiengang Chemie: Bestandene Promotionen (Quelle: GDCh | Chemiestudiengänge in Deutschland – Statistische Daten 2016)

Die nächsten Jahre

Wenn man ca. 10 Jahre bis zur fertigen Promotion rechnet und sonst alles gleich bleibt, dann bleiben die Promotionen ein paar Jahre auf dem Niveau und steigen dann weiter an. Aber das ist nur ein Blick in die Kristallkugel.

Auf alle Fälle ist vor allem die immer weiter steigende Zahl der Promovierten sehr interessant. Diese wird den Druck aus dem Arbeitsmarkt zumindest von der Angebotsseite her nicht rausnehmen, meine ich. Was meint ihr, liebe Leser?

Innovationskrise in der Chemiebranche?

Die provokante These einer kommenden Innovationskrise in der Chemiebranche vor der Krise vertritt John Gapper in einem Artikel in der Financial Times („The chemicals industry has lost its future„, Paywall-Link).

Leider konnte ich diesen nicht lesen. Es gibt allerdings eine Erwiderung auf seekingalpha.com, in der John Abbink argumentiert, dass diese Berichte über einen Niedergang stark übertrieben sind.

Seit den 1950er Jahren gibt wohl es keine neuen chemischen Materialklassen mehr. Herr Abbink argumentiert aber, dass Nanomaterialien kurz vor der Massenproduktion stehen und eine solche neue Klasse sind. Momentan würden die Technologien dafür entwickelt. Dies sieht er als notwendige Prozessinnovation vor der Materialinnovation.

Insgesamt empfehle ich, den ganzen Artikel zu lesen. Der Autor schildert die Entwicklung der Industrie seit den 1970er Jahren und gibt auch eine Übersicht über Fusionen und Spinoffs (mein Artikel über Megafusionen deckt nur die letzten Jahre ab).

Außerdem versucht er, zu widerlegen, dass es eine Innovationskrise gibt, sondern dass die letzten 30 Jahre in die Entwicklung von sogenannten Effektchemikalien vorangetrieben wurde.

Zum Abschluss noch ein mutmachendes Zitat aus dem Artikel von Herrn Abbink:

The chemical industry is not senescent, it has not sacrificed its future to investment bankers or hedge funds, it is not at a technological dead end, it will not crush itself under excess capacity and it will not forever suffer from the sorts of market valuations to which it has been subjected since the 1980s. Chemistry, after all, is the science of the material world: the idea that the business of manipulating matter has reached its apogee is absurd.

Der Chemiker der Zukunft

Beim Lesen von Jobangeboten und Annoncen (auf meiner Jobseite findet man welche) stolpere ich öfters über die Anforderungen an den Bewerber. 

Ein extrem sind Punkte wie Kenntnisse in MS Office/Excel/Powerpoint oder ein Englischkenntnisse. Hier vermute ich, dass dies den Bewerberkreis überhaupt nicht einschränkt, weil das jeder kann.

Auf der anderen Seite gibt es die Forderung nach zehnjähriger Berufserfahrung in einem sehr exotischen Randgebiet der Chemie. 

Das hat mich zu der Frage gebracht, was denn ein Chemiker in fünf oder zehn Jahren können sollte, um möglichst gute Chancen zu haben. Natürlich neben einer guten Promotion 

Hier meine Vorschläge:

  • IT-Kenntnisse, erste Programmiererfahrungen und Verständnis von Datenbanken,
  • Chinesisch,
  • Gute Kommunikationsfähigkeit,
  • BWL-Grundlagen, am Besten durch eine Unternehmensgründung während des Studiums, 
  • Verständnis für biologische und biochemische Prozesse,
  • Verständnis des cradle-to-cradle Konzeptes…

Das ist durchaus ernst gemeint. Was fällt Euch noch ein? Kann man das im Studium lernen? 

Schreibt es in die Kommentare, ich bin gespannt.