Auswirkungen der Strafzölle für die chemische Industrie

Die USA und die Strafzölle

Nachdem die USA ja seit Anfang Juni  Strafzölle auf Stahl und Aluminium erhebt und weitere Produkte folgen könnten, erwägen die betroffenen Staaten, ihrerseits amerikanische Produkte mit höheren Zöllen zu belegen. China denkt hier explizit an chemische Produkte aus den USA.

Trotz G7-Gipfel ist bisher ja nach den Tweets Donald Trumps unklar, was genau die USA weiter vorhaben. Daher ist es schwierig, Auswirkungen auf die chemische Industrie in Deutschland und damit auch auf die Arbeitsplätze zu prognostizieren.

Ich halte es für wahrscheinlich, dass im Falle einer Eskalation Autos aus Deutschland mit höheren Zöllen belegt werden. Auch die chemische Industrie ist in Deutschland stark abhängig von der Automobilindustrie. Über die genaue Verteilung der Chemieerzeugnisse nach Branchen habe ich leider keine Zahlen gefunden.

Strafzölle für die chemische Industrie?

Der Export chemischer Produkte ist im Moment auf einem sehr hohen Niveau und liegt 5,5% höher als im Vorjahreszeitraum (siehe das Chemiebarometer des VCI), das Wachstum resultiert aber hauptsächlich aus gesteigerten Exporten in die EU und nach Ostasien. Exporte in die NAFTA-Region und nach Lateinamerika haben sogar leicht abgenommen. Allerdings steigen die Importe aus den USA weiter an. Das spricht eventuell gegen direkte Strafzölle auf Chemikalien.

Das Handelsbilanzdefizit der USA mit Deutschland lag 2016 übrigens bei 67 Mrd. Dollar (https://www.census.gov/foreign-trade/Press-Release/2017pr/09/ft900.pdf).

Einen guten Kommentar dazu gibt es von der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Innovationskrise in der Chemiebranche?

Die provokante These einer kommenden Innovationskrise in der Chemiebranche vor der Krise vertritt John Gapper in einem Artikel in der Financial Times („The chemicals industry has lost its future„, Paywall-Link).

Leider konnte ich diesen nicht lesen. Es gibt allerdings eine Erwiderung auf seekingalpha.com, in der John Abbink argumentiert, dass diese Berichte über einen Niedergang stark übertrieben sind.

Seit den 1950er Jahren gibt wohl es keine neuen chemischen Materialklassen mehr. Herr Abbink argumentiert aber, dass Nanomaterialien kurz vor der Massenproduktion stehen und eine solche neue Klasse sind. Momentan würden die Technologien dafür entwickelt. Dies sieht er als notwendige Prozessinnovation vor der Materialinnovation.

Insgesamt empfehle ich, den ganzen Artikel zu lesen. Der Autor schildert die Entwicklung der Industrie seit den 1970er Jahren und gibt auch eine Übersicht über Fusionen und Spinoffs (mein Artikel über Megafusionen deckt nur die letzten Jahre ab).

Außerdem versucht er, zu widerlegen, dass es eine Innovationskrise gibt, sondern dass die letzten 30 Jahre in die Entwicklung von sogenannten Effektchemikalien vorangetrieben wurde.

Zum Abschluss noch ein mutmachendes Zitat aus dem Artikel von Herrn Abbink:

The chemical industry is not senescent, it has not sacrificed its future to investment bankers or hedge funds, it is not at a technological dead end, it will not crush itself under excess capacity and it will not forever suffer from the sorts of market valuations to which it has been subjected since the 1980s. Chemistry, after all, is the science of the material world: the idea that the business of manipulating matter has reached its apogee is absurd.

Die chemische Industrie auf einen Blick

Der VCI hat einen Flyer über die chemische Industrie 2013 produziert.

Dort werden aktuelle Zahlen zu Beschäftigung, Umsatz und Exporte vorgestellt.

Eine Besonderheit der Chemie-Industrie wurde hervorgehoben. Im Gegensatz zu anderen Branchen sind die Mittelständler Kunden der großen Unternehmen, nicht Zulieferer. Darüber hatte ich vorher nicht nachgedacht.