Explosion bei Bayernoil

Am Samstag, den 1.9.2018 kam es zu einer Explosion bei Bayernoil auf dem Gelände in Vohburg bei Ingolstadt. Diese hat dann einen Großbrand ausgelöst. Mindestens neun Mitarbeiter sind verletzt. Viele Anwohner wurden evakuiert. Die Ursache ist noch unklar, jetzt soll das LKA ermitteln.

Bayernoil raffiniert Rohöl zu Benzin, Heizöl, Kerosin etc. Weitere Infos gibt es z.B. beim Handelsblatt, Onetz oder der Welt. Ich bin gespannt, was hier als Unfallursache ermittelt wird und möchte hier nicht spekulieren. Wenn die Ursache feststeht, können wir sie ja hier diskutieren.

In der Vergangenheit gab es schon Zwischenfälle in deutschen Raffinerien, z.B. kam es 2010 zu einer Explosion in der Methanol-Anlage der Total-Raffinerie bei Leuna. Diese wurde damals durch eine stark exotherme Reaktion und daraus resultierendem Rohrriss ausgelöst. 2017 kam es in der gleichen Raffinerie zu einem Schwelbrand bei Wartungsarbeiten.

Wer mehr über Chemiekatastrophen wissen möchte, kann sich z.B. die Liste der Chemiekatastrophen bei Wikipedia anschauen oder für Deutschland eine Handelsblatt Fotostrecke von 2016 ansehen.

Ferienlektüre

Das ist ein bisschen off-topic, aber im Moment sind ja Sommerferien und vielleicht braucht noch jemand von Euch eine Ferienlektüre.

Das Buch, das ich vorschlage, ist nicht chemisch. Es heißt Hochdeutschland von Alexander Schimmelbusch. Der Autor ist ein ehemaliger Investmentbanker, der seine Hauptperson in diesem Beruf arbeiten lässt. Diese langweilt sich in ihrem Erfolg und gründet dann zufällig eine Partei der radikalen Erneuerung (oder so ähnlich…).

Man kann das Buch als Satire über die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland lesen und es lustig finden. Gleichzeitig war mir immer auch ein bisschen zum Weinen.


Ihr könnt ja die Rezension in der ZEIT lesen und dann entscheiden, ob ihr das Buch auch lesen wollt.

Gehaltsumfrage 2017 der GDCh

Die Gehaltsumfrage 2017 der GDCh ist jetzt ausgewertet.

Die detaillierten Auswertungen bekommen nur Personen, die bei der Umfrage mitgemacht haben. Das ist ein Anreiz, um mitzumachen, den ich nicht aushöhlen möchte (wahrscheinlich würde ich auch Ärger kriegen, wenn ich es täte).

Ich habe aber schon ausführlicher über das Gehalt in der chemischen Industrie geschrieben und auch über die alten Gehaltsumfragen (z.B. 2014 mit Grafiken) berichtet.

Habt Ihr allgemeine Fragen zum Gehalt von Chemikern? Schreibt gerne einen Kommentar.

Anfängerzahlen für Chemiestudiengänge 2017

Die jährliche GDCh-Auswertung zu den Studierendenzahlen für Chemiestudiengänge ist jetzt für 2017 erschienen. Für 2016 hatte ich an dieser Stelle schon berichtet.

Die Ankündigung der GDCh ist hier zu finden.

Vielen Dank an dieser Stelle an die GDCh für das zur Verfügung stellen der Abbildungen.

Die Zahlen der Chemiestudierenden

Wie schon im letzten Jahr bleibt die Anfängerzahl auf hohem Niveau stabil, ca. 7000 Personen haben ein Chemiestudium begonnen.

 

Anfängerzahlen in der Chemie bis 2017
Anfängerzahlen in der Chemie (Quelle: GDCh Statistik der Chemiestudiengänge 2017).

Auch die Zahl der Promotionen hat sich wohl beim Stand von 2000 eingependelt, dieses Jahr markiert einen neuen Höchststand mit leicht höheren Werten als im Vorjahr.

Promotionen in der Chemie (Quelle: GDCh Statistik der Chemiestudiengänge 2017).

Im letzten Jahr hatte ich ja die Prognose gewagt, dass diese Zahl noch einige Jahre so hoch bleibt:

Wenn man ca. 10 Jahre bis zur fertigen Promotion rechnet und sonst alles gleich bleibt, dann bleiben die Promotionen ein paar Jahre auf dem Niveau und steigen dann weiter an. Aber das ist nur ein Blick in die Kristallkugel.

Das Fazit

Laut dem Artikel in den Nachrichten aus der Chemie haben es Berufseinsteiger weiter schwer, 11% der Absolventen sind stellensuchend, 20% befristet beschäftigt. Die Zahlen etwas besser als die von 2016, wie signifikant dieser Unterschied ist, weiß ich allerdings nicht.

Ist das neue Rätsel ums Ozonloch gelöst?

Vor kurzem habe ich berichtet, dass in einem Observatorium auf Hawaii verbotene Substanzen in der Atmosphäre entdeckt wurden, die die Ozonschicht schädigen und so dazu führen, dass unser schrumpfendes Ozonloch sich langsamer schließt.

Wo ist die Quelle?

In einem Bericht der New York Times werden Hersteller von Dämmaterialien in China aus mögliche Quelle der Emission genannt:

Interviews, documents and advertisements collected by The New York Times and independent investigators indicate that a major source — possibly the overwhelming one — is factories in China that have ignored a global ban and kept making or using the chemical, CFC-11, mostly to produce foam insulation for refrigerators and buildings.

Die umweltfreundlicheren Substitutionsmöglichkeiten waren wohl etwas teurer, weshalb anscheinend viele Fabriken um Xingfu weiter CFC-11 nutzten.

Für mich ist das zum einen ein Beispiel, wie die Summe an individuellen Entscheidungen sehr viel beeinflussen kann. Mein eigenes Verhalten hat also durchaus ein Gewicht.

Zum anderen sieht man hier natürlich wieder das zynische Argument der Marktmechanismen. Es war halt billiger… Seltsam, dass sogar in China so argumentiert wird.

Die Lehre daraus

Aber war es wirklich billiger? Die Kosten von CFC-11 wurden hier halt externalisiert und werden von der  gesamten Menschheit bezahlt. Vielleicht liegt darin eine Lehre. Solche Umweltkosten, die normalerweise auf den Rest der Gesellschaft umgelegt werden, sollten mehr in die Preise von Produkten einfließen.

Oder was meint ihr?

Megatrends als Chance für Chemiker

In letzter Zeit habe ich mich ein bisschen entfernt vom ursprünglichen Thema des Blogs, nämlich Stellen für Chemiker aufzuzeigen. Naja, nur ein bisschen, im weiteren Sinne geht betreffen ja sowohl die Strafzölle als auch die illegal emittierten FCKWs Chemiker und deren Stellen. Daher soll es heute um Megatrends gehen. Wie komme ich darauf?

Heute habe ich auf Twitter wieder eine Stellenanzeige gesehen. Carbon Recycling International sucht einen Chemiker, der sich mit heterogener Katalyse auskennt und in Island leben möchte. Bis zum 9. Juli ist noch Zeit zum Bewerben. Das finde ich interessant, es geht, soweit ich verstehe, um synthetische Brennstoffe, und Island finde ich auch spannend. Dort gibt es ja auch ein riesiges Geothermiekraftwerk.

Megatrends

Ich glaube, Siemens hat mal angefangen, Megatrends zu definieren, um sich so besser für die Zukunft aufstellen zu können. Nach dem Lesen der Stellenanzeige habe ich das mal für zukünftigen Chemikerinnen und ihre Kollegen versucht. Wo werden in einigen Jahren viele Chemikerinnen und Chemiker arbeiten (ich weiß, das Thema hatte ich schon in Verbindung mit künstlicher Intelligenz) ?

Mir sind spontan die Bereiche Energieerzeugung und -speicherung, Gesundheit und ökologisch vertretbare Materialien eingefallen. Also alles rund um erneuerbare Energien, der Entwicklung vernünftiger Energiespeicher, Langlebigkeit, Pharmazie, Recycling, Ersatz von fossilem Plastik…

Braucht es dazu neuer Fähigkeiten? Ich habe vor längerer Zeit mal schnell und erfolglos versucht, das zu skizzieren. Rein aus chemischer Sicht sollte man vielleicht mehr Wert auf fachbereichsübergreifende Fähigkeiten legen, also nicht nur Totalsynthese, sondern auch anorganische und Polymerchemie.

Vielleicht sollte auch die extreme Spezialisierung während der Promotion aufgegeben werden, da ja eh fast niemand mehr im akademischen Bereich weiterarbeitet.

Welche Arbeitsbereiche fallen Euch denn noch ein?

Auswirkungen der Strafzölle für die chemische Industrie

Die USA und die Strafzölle

Nachdem die USA ja seit Anfang Juni  Strafzölle auf Stahl und Aluminium erhebt und weitere Produkte folgen könnten, erwägen die betroffenen Staaten, ihrerseits amerikanische Produkte mit höheren Zöllen zu belegen. China denkt hier explizit an chemische Produkte aus den USA.

Trotz G7-Gipfel ist bisher ja nach den Tweets Donald Trumps unklar, was genau die USA weiter vorhaben. Daher ist es schwierig, Auswirkungen auf die chemische Industrie in Deutschland und damit auch auf die Arbeitsplätze zu prognostizieren.

Ich halte es für wahrscheinlich, dass im Falle einer Eskalation Autos aus Deutschland mit höheren Zöllen belegt werden. Auch die chemische Industrie ist in Deutschland stark abhängig von der Automobilindustrie. Über die genaue Verteilung der Chemieerzeugnisse nach Branchen habe ich leider keine Zahlen gefunden.

Strafzölle für die chemische Industrie?

Der Export chemischer Produkte ist im Moment auf einem sehr hohen Niveau und liegt 5,5% höher als im Vorjahreszeitraum (siehe das Chemiebarometer des VCI), das Wachstum resultiert aber hauptsächlich aus gesteigerten Exporten in die EU und nach Ostasien. Exporte in die NAFTA-Region und nach Lateinamerika haben sogar leicht abgenommen. Allerdings steigen die Importe aus den USA weiter an. Das spricht eventuell gegen direkte Strafzölle auf Chemikalien.

Das Handelsbilanzdefizit der USA mit Deutschland lag 2016 übrigens bei 67 Mrd. Dollar (https://www.census.gov/foreign-trade/Press-Release/2017pr/09/ft900.pdf).

Einen guten Kommentar dazu gibt es von der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Chemie rettet Welt

„Chemie rettet Welt“ ist natürlich ein etwas provokativer Titel. Und nein, es geht nicht um das Haber-Bosch-Verfahren, sondern um Atmosphärenchemie.

FCKW werden weiter hergestellt

Ich habe letztens gelesen, dass es in Südostasien eine Quelle zu geben scheint, die verbotene Substanzen herstellt. Diese schädigen die Ozonschicht und wurden in einem Observatorium in Hawaii detektiert. Zu lesen z.B. bei der National Post (Link) oder The Guardian (Link). Die Chemikalie ist Trichlorfluormethan, die Herstellung der Substanz ist seit 2010 eigentlich nicht mehr erlaubt.

Anscheinend wurden „13 billion grams per year in recent years“ (National Post) produziert.

Ich bin wirklich überrascht, dass das so detektiert werden konnte und schockiert, dass jemand noch so große Mengen dieser Chemikalien herstellt. Wer kauft die denn noch? Es gibt Alternativen, die nicht verboten sind.

„Chemie rettet Welt“? Eher das Gegenteil, oder?

Ambivalenz der Chemie

Das ist der ambivalente Charakter der Chemie. Zum einen zerstören Leute durch die Herstellung verbotener Stoffe die Schutzschicht der Erde. Zum anderen kann das detektiert werden und jetzt können Nachforschungen angestellt werden, die hoffentlich zum Ende der Emission führen.

Mal sehen, ob sich diese Beobachtungen als richtig herausstellen, ob  die Schuldigen gefunden werden können und was die Erklärung für die Freisetzung ist.

Neue Stereoisomere?

Nach den eher dürren Wochen ohne Chemie habe ich heute einen interessanten Artikel auf C&EN gelesen. Es wurde anscheinend eine neue Klasse von Stereoisomeren entwickelt. Das fand ich interessant, weil das zunächst mal meine Vorstellung überstiegen hat. Ich dachte, ich kenne alle Stereoisomere…

Wie heißt das?

Die Vertreter der Klasse sollen Akamptisomere genannt werden, und sie entstehen durch Bindungswinkelinversion. Ob sich chemische Startups gründen lassen, die diesen Effekt ausnutzen?

Entdeckt wurde das ganze in Sydney während der Charakterisierung von Porphyrinmakrozyklen mit einer Bor-Sauerstoff-Bor-Brücke. Problematisch war dann, dass die verschiedenen Isomere mit der bestehenden Nomenklatur nicht benannt werden konnten.

Ich bin gespannt, ob sich dieser Begriff durchsetzt. Millionen von zukünftigen Studenten könnte das noch Freude bereiten :).

 

Blog DSGVO-konform gestalten

Heute habe ich versucht, meinen Blog DSGVO-konform zu gestalten. Da ich mir ja als StepStone-Affiliate ein Zubrot verdiene, um meine Server- und Domainkosten zu decken, bin ich ein gewerblicher Blogger. Und so falle ich unter die DSGVO.

Das ist kein großer Spaß, daher gibt es jetzt auch eine Cookie-Leiste oben auf der Seite und beim Kommentieren ein opt-in, dass persönliche Daten gespeichert werden.

Falls unter meinen Lesern ein versierter Datenschutzanwalt ist, kann er gerne auch meine Datenschutzerklärung prüfen. Wobei momentan anscheinend noch gar nicht genau feststeht, wie man DSGVO-Konformität erreicht…

Naja, nach dem 25. Mai und ein paar Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen (hoffentlich ohne meine Beteiligung :)) wissen wir alle mehr…