Gehälter von Azubis in der Chemie 2016

Meistens beschäftige ich mich ja weniger mit Gehältern von Azubis, sondern mit Stellen für studierte Chemiker.

Der Blick zur Berufsausbildung ist aber gerade weil momentan so viele studieren sehr interessant und kann für viele ein alternativer Einstieg in die Chemie sein. Daher finde ich folgende Zahlen interessant: Laut einer Umfrage des Bundesinstitutes für Berufsbildung verdienen Chemikanten in Westdeutschland im Schnitt 984 € pro Monat, Chemielaboranten 996 €. Diese Zahlen sind Bruttozahlen.

Zum Vergleich: Promovierende der Chemie werden typischerweise nach TVL E-13/2. bezahlt. Nach dem Gehaltsrechner Öffentlicher Dienst sind das ca. 1200 € Netto im Monat und ca. 1760 € brutto. 

Ich höre auch oft, dass Firmen keine Chemielaboranten  mehr finden und diese das auf Fachkräftemangel reduzieren. Ist dieser Berufsweg zu unattraktiv geworden?

Was meint Ihr? Stimmt die Relation? Sollten die Ausbildungsvergütungen erhöht werden?

Gehaltsumfrage für Doktoranden

Die GDCh veranstaltet bis zum 30. Juni 2016 eine Doktorandenumfrage, die auch für Nichtmitglieder offen ist. Weitere Informationen und einen Link zur Umfrage gibt es hier.
Ich zitiere:

Liebe Doktoranden, bei dieser GDCh-Umfrage geht‘s ums Geld. Um Eurer Geld!

Wenn Ihr einen Abschluss in Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie etc. habt, zwischen 24 und 33 Jahre alt seid und zur Zeit in Deutschland promoviert, wollen wir von Euch wissen, wie Ihr Euren Lebensunterhalt bestreitet. Die Umfrage läuft ab sofort bis zum 30. Juni 2016, ist für GDCh-Mitglieder und Nichtmitglieder offen und selbstverständlich anonym.

Mit Eurer Hilfe möchten wir einen Überblick bekommen, wie Chemie-Doktoranden in Deutschland bezahlt werden, ob es genug Stellen für sie gibt und wie viele ohne ausreichende Finanzierung promovieren müssen. Vorausgesetzt, es machen so viele Doktoranden mit, dass wir eine solide Datenbasis haben, werden wir eine Zusammenfassung der Ergebnisse auf diesen Seiten und in den „Nachrichten aus der Chemie“ veröffentlichen.

Bitte beteiligt Euch an unserer Erhebung. Es dauert nur wenige Minuten und hilft uns, mehr über die finanzielle Situation von rund 10000 Chemiedoktoranden in Deutschland zu erfahren.

Der Direktlink zur Umfrage ist: https://de.surveymonkey.com/r/GDCh-Doktorandenumfrage

Also wenn Ihr Doktoranden in der Chemie seid oder kennt, die in Deutschland promovieren, verteilt das bitte!

Bezahlung von Postdocs

Vorbild USA?

Wie Chemjobber berichtet, sollen Postdocs (unter anderen) ihre Überstunden bezahlt bekommen, wenn sie weniger als 47476 $ verdienen.. Das entspricht momentan 42.364 €. Überstunden sind dann alles, was über 40 Stunden pro Woche herausgeht. Als ich das gelesen habe, habe ich mich gefragt, was ein Postdoc ohne Stipendium in Deutschland verdient.

Situation in Deutschland

Angenommen, ein Postdoc verdient nach TV-L E13 (West), dann bekommt er in Stufe 1 ein Monatsbruttogehalt von 3438,28 € und eine Sonderzahlung von 1719,14 €, also als Gesamtbrutto 42978,50 €. Normalerweise wird man nach 12 Monaten in Stufe 2 hochgestuft, was ein Bruttogehalt von 3816,32 € und einer Sonderzahlung von 1908,16 € (Gesamt 47704 €) bedeutet (Quelle: http://oeffentlicher-dienst.info). Stimmt das ungefähr, liebe Leser?

Von einer Abrechnung der Überstunden habe ich aber noch nichts gehört.

Die Bruttogehälter zwischen Deutschland und den USA sind insofern schlecht vergleichbar, weil unterschiedliche Steuersysteme und Sozialabgaben zutreffen. In Ländern wie Spanien sind die Gehälter für Postdocs übrigens meist deutlich geringer.

Stipendien

Neben der Bezahlung nach TV-L gibt es noch die Möglichkeit, den Postdoc-Aufenthalt durch ein Stipendium zu finanzieren. Der DFG bezahlt z.B. für einen ledigen und kinderlosen Postdoc in Deutschland 2000 Euro (Quelle: Stipendienrechner des DFG, Stand 20. Mai 2016).

Weitere Möglichkeiten für ein Stipendium hat die FH Köln zusammengetragen unter https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/forschung/stipendienbrosch%C3%BCre_fhk.pdf. Viele Stipendien für deutsche Postdocs sind für Auslandsaufenthalte gedacht, es gibt auch einige Programme für ausländische Postdocs, die nach Deutschland kommen wollen, z.B. die Postdoc-Programme der Humboldt-Stiftung. Hier konnte ich allerdings die Förderhöhe nicht herausfinden.

Gehaltsreport von Stepstone

Unter http://www.stepstone.de/gehaltsreport/ ist ein neuer Gehaltsreport von Stepstone zugänglich. Laut diesem ist die Chemie- und Erdölverarbeitende Industrie auf Platz 5 der bestzahlenden Branchen, Pharma ist auf Platz 3, auf den ersten zwei Plätzen sind Banken und Finanzdienstleister.

Der Bericht ist sehr bildreich, daher kann man ihn sich bei Interesse mal schnell anschauen.

Der gender pay gap

In den neuen Nachrichten aus der Chemie 12/2015 habe ich Interessantes gelesen:

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung verdienen Akademikerinnen zwischen 25 und 30 Jahren 15,2 Prozent weniger als Männer der gleichen Altersklasse. Dieser „gender pay gap“ vergrößert sich dann in der Gruppe zwischen 46 bis 50 Jahren auf 25,3%.

Mich würde interessieren, ob diese Unterschiede auch bei gleichen Berufsjahren auftreten? Oder sind sie ein Ergebnis von (un)freiwilligen Kindererziehungs-„frei“zeiten. Kennt dazu jemand Studien?

Hier steht nicht, welchen Schluss die Ersteller der Studie ziehen. Mit diesen plakativen Zahlen ist es für mich aber schwer, Handlungsempfehlungen abzuleiten. Brauchen wir Transparenz bei den Gehältern? Liegt der Unterschied daran, dass Frauen öfters Teilzeit arbeiten? Scheuen sich Unternehmen, junge Frauen einzustellen, weil diese kinderbedingt länger ausfallen könnten? Warum ist das bei jungen Männern nicht genauso?

Ist es auch eine Frage der Unternehmensgröße? Ich kann mir vorstellen, dass es in großen Unternehmen flexiblere Arbeitszeitmodelle gibt als in kleinen Unternehmen. Abwesenheiten können dann von mehr Kollegen aufgefangen werden.

Viele Fragen, vielleicht hat jemand eine Antwort auf die eine oder andere?

Wer mehr zum gender pay gap und Unterschieden zwischen Männern und Frauen am Arbeitsmarkt lesen will, kann das in einem Arbeitsmarktbericht von Juli 2015 tun: Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Frauen und Männer am Arbeitsmarkt 2014.

Fachkräftemangel, die X.

Es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich das Thema Fachkräftemangel hält. Wer davon wohl profitiert?

Derek Lowe von „In the Pipeline“ hat den Fachkräftemangel im MINT-Bereich jetzt aufgegriffen.. Er hat bemerkt, dass sich die Pharmaindustrie nach den USA auch in Großbritannien beklagt. In gekonnt ironischer Art weist Lowe darauf hin, dass es kaum offene Stellen gibt und die Gehälter seit dreißig Jahren nur wenig gestiegen sind. Das trifft übrigens auch auf Deutschland zu.

Für die Gehälter der USA hat C&EN gerade gezeigt, dass sie seit 1985 inflationsbereinigt kaum gestiegen sind.

Was soll man da noch sagen? Gut, dass wieder viele Studienanfänger Chemie gewählt haben!

Gehälter von Chemietechnikern und Chemikern in der Produktion

Nach einem Bericht der Nachrichten aus der Chemie vom März 2015 auf der Seite 400 verdienen Chemietechniker im Schnitt 4085 Euro brutto im Monat. Genau nachlesen kann man das bei der Hans-Böckler-Stiftung, bzw. bei lohnspiegel.de. Natürlich hängt das Gehalt von vielen Faktoren wie Betriebsgröße, Gültigkeit des Tarifs, Geschlecht etc. ab.

Auf der gleichen Seite wird eine Meldung des VAA zitiert, wonach Chemiker in der Produktion mehr verdienen als Ihre Kollegen in Vertrieb oder F&E.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die meisten Chemiker in der F&E als Berufsanfänger starten und sich danach in andere Bereiche wie z.B. die Produktion weiterentwickeln.

Hier sei auch nochmal der Hinweis auf die GDCh-Gehaltsumfrage wiederholt.

Gehaltsumfrage 2015 der GDCh

GDCh und VAA rufen wie jedes Jahr zur Teilnahme an der Gehaltsumfrage für Chemiker in der Industrie auf. Die Fragebögen sollten bis Mitte Februar an GDCh-Mitglieder in der Industrie verschickt sein.

Wer noch keinen bekommen hat, aber in der Industrie arbeitet, dann unter MyGDCh nachsehen, ob seine Dienstadresse dort hinterlegt ist und einen Fragebogen unter der Email karriere@gdch.de anfordern. Hier muss die Mitgliedsnummer angegeben werden.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.gdch.de/gehalt.

Employer Branding

Gerade habe ich das Buch „Employer branding für KMU“ im Internet gefunden.

Ich zitiere:

Eine attraktive Arbeitgebermarke ist in Zeiten des Fachkräftemangels das A und O im Personalmarketing.

Nun ist das Buch nicht speziell für die Chemiebranche verfasst und bestimmt in der guten Absicht, kleinen und mittleren Unternehmen im Wettbewerb um gute Arbeitskräfte zu helfen. Mir missfällt, dass hier wieder der vielstrapazierte Fachkräftemangel als Vorwand herhalten muss, Unternehmen ein Buch mit Tipps zu verkaufen, wie man möglichst günstig an gute Mitarbeiter kommt.

Diese Absicht ist durchaus legitim, genauso, wie sich die „Arbeitskraft“ ja möglichst teuer verkaufen möchte. Dass die Marktmacht zumindest in der Chemie deutlich beim Arbeitgeber liegt, sieht man an der Gehaltsentwicklung der letzten Jahre. Siehe dazu auch mein Post über die Gehaltsentwicklung tariflich bezahlter Chemiker.

Doch höhere Löhne

Ein Beitrag im Blog Herdentrieb untersucht den Vorschlag der Bundesbank, dass die deutschen Löhne stärker steigen sollten als in der Vergangenheit. Grund für den Sinneswandel bei der Bundesbank ist die aus ihrer Sicht drohende Deflation.

So ist aus dem Saulus Bundesbank, für den Lohninflation stets das Übel schlechthin war, ein Paulus geworden. Auf einmal sind höhere deutsche Löhne ein Mittel gegen die Deflation. Zweifellos wäre es wünschenswert, wenn die Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche hätten.

Ich fände es auch wünschenswert, wenn ich mehr Geld in der Tasche oder gerne auch auf dem Konto hätte :). Mal sehen, ob sich da was tut…