Fachkräftemangel, die X.

Es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich das Thema Fachkräftemangel hält. Wer davon wohl profitiert?

Derek Lowe von „In the Pipeline“ hat den Fachkräftemangel im MINT-Bereich jetzt aufgegriffen.. Er hat bemerkt, dass sich die Pharmaindustrie nach den USA auch in Großbritannien beklagt. In gekonnt ironischer Art weist Lowe darauf hin, dass es kaum offene Stellen gibt und die Gehälter seit dreißig Jahren nur wenig gestiegen sind. Das trifft übrigens auch auf Deutschland zu.

Für die Gehälter der USA hat C&EN gerade gezeigt, dass sie seit 1985 inflationsbereinigt kaum gestiegen sind.

Was soll man da noch sagen? Gut, dass wieder viele Studienanfänger Chemie gewählt haben!

Gehälter von Chemietechnikern und Chemikern in der Produktion

Nach einem Bericht der Nachrichten aus der Chemie vom März 2015 auf der Seite 400 verdienen Chemietechniker im Schnitt 4085 Euro brutto im Monat. Genau nachlesen kann man das bei der Hans-Böckler-Stiftung, bzw. bei lohnspiegel.de. Natürlich hängt das Gehalt von vielen Faktoren wie Betriebsgröße, Gültigkeit des Tarifs, Geschlecht etc. ab.

Auf der gleichen Seite wird eine Meldung des VAA zitiert, wonach Chemiker in der Produktion mehr verdienen als Ihre Kollegen in Vertrieb oder F&E.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die meisten Chemiker in der F&E als Berufsanfänger starten und sich danach in andere Bereiche wie z.B. die Produktion weiterentwickeln.

Hier sei auch nochmal der Hinweis auf die GDCh-Gehaltsumfrage wiederholt.

Gehaltsumfrage 2015 der GDCh

GDCh und VAA rufen wie jedes Jahr zur Teilnahme an der Gehaltsumfrage für Chemiker in der Industrie auf. Die Fragebögen sollten bis Mitte Februar an GDCh-Mitglieder in der Industrie verschickt sein.

Wer noch keinen bekommen hat, aber in der Industrie arbeitet, dann unter MyGDCh nachsehen, ob seine Dienstadresse dort hinterlegt ist und einen Fragebogen unter der Email karriere@gdch.de anfordern. Hier muss die Mitgliedsnummer angegeben werden.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.gdch.de/gehalt.

Employer Branding

Gerade habe ich das Buch „Employer branding für KMU“ im Internet gefunden.

Ich zitiere:

Eine attraktive Arbeitgebermarke ist in Zeiten des Fachkräftemangels das A und O im Personalmarketing.

Nun ist das Buch nicht speziell für die Chemiebranche verfasst und bestimmt in der guten Absicht, kleinen und mittleren Unternehmen im Wettbewerb um gute Arbeitskräfte zu helfen. Mir missfällt, dass hier wieder der vielstrapazierte Fachkräftemangel als Vorwand herhalten muss, Unternehmen ein Buch mit Tipps zu verkaufen, wie man möglichst günstig an gute Mitarbeiter kommt.

Diese Absicht ist durchaus legitim, genauso, wie sich die „Arbeitskraft“ ja möglichst teuer verkaufen möchte. Dass die Marktmacht zumindest in der Chemie deutlich beim Arbeitgeber liegt, sieht man an der Gehaltsentwicklung der letzten Jahre. Siehe dazu auch mein Post über die Gehaltsentwicklung tariflich bezahlter Chemiker.

Doch höhere Löhne

Ein Beitrag im Blog Herdentrieb untersucht den Vorschlag der Bundesbank, dass die deutschen Löhne stärker steigen sollten als in der Vergangenheit. Grund für den Sinneswandel bei der Bundesbank ist die aus ihrer Sicht drohende Deflation.

So ist aus dem Saulus Bundesbank, für den Lohninflation stets das Übel schlechthin war, ein Paulus geworden. Auf einmal sind höhere deutsche Löhne ein Mittel gegen die Deflation. Zweifellos wäre es wünschenswert, wenn die Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche hätten.

Ich fände es auch wünschenswert, wenn ich mehr Geld in der Tasche oder gerne auch auf dem Konto hätte :). Mal sehen, ob sich da was tut…

Ergebnisse der Gehaltsumfrage der GDCh

Diejenigen, die bei der Gehaltsumfrage der GDCh mitgemacht haben, erhielten in den letzen Tage schon den Bericht mit der Post. Für alle, die es dieses Jahr verpasst oder versäumt haben, teilzunehmen, hat mir die GDCh freundlicherweise erlaubt, zwei Graphiken hier zu zeigen:

Man sieht in der ersten Graphik die gemittelten Einkommen innerhalb und außerhalb der chemischen Industrie. Innerhalb verdienen die Angestellten mehr als außerhalb.
Medianwert des Einkommens nach Berufsjahren

Im zweiten Diagramm wird gezeigt, welchen Einfluss die Unternehmensgröße und die Berufsjahre haben. Prinzipiell gibt es auch hier keine Überraschungen: Je größer das Unternehmen und je mehr Berufsjahre, desto höher das Gehalt.
Medianwert innerhalb der chem. Industrie

Für alle GDCh-Mitglieder, die mehr wissen wollen, lohnt sich nächstes Jahr die Teilnahme an der Umfrage. Bitte habt Verständnis, dass ich nicht genauere Daten herausgeben kann und möchte. Schließlich sollt ihr im nächsten Jahr mitmachen :)!

Vorbereitung einer Gehaltsverhandlung

Da zumindest bei mir momentan Gehaltsverhandlungen anstehen, habe ich mich im Internet etwas schlau gemacht, was zu beachten ist.

Zunächst sollte man sich informieren, wieviel Geld andere Leute in vergleichbarer Position verdienen. Hier kann die GDCh-Gehaltsumfrage helfen, aber nur, wenn man als GDCh-Mitglied selbst mitmacht. Eine ähnliche Umfrage wird vom VAA unter seinen Mitgliedern durchgeführt.

Für tarifliche Angestellte habe ich mir die Mühe gemacht, die Lohnsteigerungen über die Jahre nachzuvollziehen.

Ansonsten muss man in seinem Netzwerk nachfragen oder versuchen, brauchbare Zahlen aus dem Internet zu bekommen. Da das Gespräch über Gehälter in Deutschland eher ein Tabuthema ist, kann sich das aber als schwierig erweisen.

Zur Vorbereitung einer Gehaltsverhandlung selbst ist im Internet viel zu finden, z.B. auf sueddeutsche.de. Dort wird empfohlen, gut vorbereitet zu sein und „Selbst-Marketing“ zu betreiben.

Auch wird empfohlen, Zusatzleistungen anstatt mehr Gehalt zu fordern, weil dann für den Arbeitgeber die Lohnnebenkosten wegfallen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass dann auch keine Rentenbeiträge abgeführt werden und zukünftige Gehaltserhöhungen sich nicht auf dieses Geld auswirken.

Das manager-magazin schreibt, dass man sich nicht zu große Hoffnungen machen sollte, Gehaltssteigerungen seien meistens im einstelligen Bereich, außer man wechselt die Firma oder steigt in der Hierarchie nach oben.

Gehaltsentwicklung von Chemikern

Um den Arbeitsmarkt beurteilen zu können, ist es wichtig, die Gehaltsentwicklung zu verfolgen. Ein Fachkräftemangel z.B. sollte sich nach BWL Lehrbuchwissen in stärker steigenden Gehältern ausdrücken.

Orientierung der Gehaltsentwicklung an Tarifabschlüssen?

Ein Problem gibt es für mich. Für den AT-Bereich habe ich keine Daten, die ich verwenden könnte. Einfach zugänglich sind aber Tarifabschlüsse, und ich vermute, dass der AT-Bereich sich an diesen orientiert. Daher rechne ich mit diesen. Falls jemand genauere Daten für mich hat, schreibt mir gerne einen Kommentar.

Ich kenne natürlich die Gehaltsumfragen von VAA und GDCh, habe hier aber keine Daten, die so weit zurückreichen, außerdem ist eine Veröffentlichung nur nach Genehmigung möglich.

Eine gewisse Unschärfe ist zusätzlich, dass ich nicht monatsgenau rechne, weil es in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedliche Laufzeiten und Startpunkte gibt. Aber ich denke, das Bild, das sich ergibt, passt so.

Auftragung der Tarifabschlüsse

Der Tarifabschluss 2014 in der Chemie hat durchschnittlich 3,7% mehr Lohn für die Beschäftigten gebracht hat, und der Tarifabschluss 2016 3% und nach 13 Monaten zusätzlich 2,3% bei 24 Monaten Laufzeit.

Aus den Abschlüssen seit 1998 habe ich zwei Grafiken erstellt. Diese zeigen die Gehaltsentwicklung für die tariflich beschäftigten Mitarbeiter. Einmalzahlungen wurden nicht berücksichtigt und ich habe quasi aufs Jahr aufgerundet.

Die Inflationsraten habe ich von http://www.zinsen-berechnen.de/inflation/tabelle-inflationsrate.php.

In der ersten Grafik sieht man, wie sich 100 Euro Gehalt seit 1998 entwickelt haben.

Auftragung der Gehaltsentwicklung vor der Inflation
Gehaltsentwicklung vor Inflation, Inflationsrate und Tarifabschlüsse.

In der zweiten Grafik ist die Entwicklung inflationsbereinigt dargestellt:

Auftragung der Entwicklung des Tariflohns nach Abzug der Inflation
Entwicklung des Gehalts nach Abzug der Inflation.

Vergleich mit einer Chemie-Aktie

Statt den im oberen Bild 57% Zuwachs seit 1998 auf 156,62 Euro kommen inflationsbereinigt also nur 119,28 Euro (knapp 19% Zuwachs seit 1998) beim Mitarbeiter an. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, sind das ca. 0,9% Zuwachs pro Jahr (19. Wurzel aus 1,19). Beispielhaft ist der Kurs der BASF von ca. 20 Euro 1998 auf ca. 92 Euro 2017 gestiegen. Das sind ca. 360% Zuwachs, also ca. 8% pro Jahr.

Was folgt daraus? Vielleicht, dass man sich auch am Produktivkapital beteiligen sollte. Sofern man denn kann…

Die Zahlenangaben sind natürlich ohne Gewähr! Bei Fehlern bin ich für Hinweise dankbar.

Gehaltsumfrage für 2013 der GDCh

Bis Ende März haben alle GDCh-Mitglieder noch Zeit, sich an der Gehaltsumfrage der GDCh zu beteiligen.
Wenn Ihr noch keinen Fragebogen zugeschickt bekommen habt und nicht im öffentlichen Dienst arbeitet, könnt Ihr Euch bei der GDCh melden:

Mitglieder, die in der Industrie o.ä. arbeiten, den Fragebogen aber
nicht erhalten haben, können sich unter Angabe ihrer Mitgliedsnummer
an den Karriereservice (karriere@gdch.de) wenden. Sie erhalten dann
ihren persönlichen Fragebogen zugeschickt.

Wer mitmacht, bekommt die sehr interessante Auswertung der Studie zugeschickt.

Gehälter für Chemiker in Großbritannien

In den letzten Nachrichten aus der Chemie wurden die Gehälter von britischen Chemikerinnen und Chemikern verglichen.
Als Quelle wurde http://www.chemistryworld.org angegeben, leider finde ich die Studie aber nicht.

Eine Chemikerin verdient demnach im Schnitt 36150 Pound (ca. 43600 €) im Jahr, während ein Chemiker 51000 Pound (61600 €) verdient.

Bei der Suche habe ich noch einen Artikel auf Chemistry World gefunden, der verschiedene Karrieremöglichkeiten für Chemiker beleuchtet, z.B. Science attaché oder Forensic scientist.

Interessiert Euch das genauer? Ihr könnt mir gerne einen Kommentar hinterlassen, in dem Ihr mir schreibt, welchen Beruf Ihr als Chemiker ausübt oder anstrebt, oder worüber Ihr mehr wissen wollt.