Chemiker bei der Feuerwehr

„Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann…“. Nach längerem Warten zeige ich heute eine etwa exotischere Karrieremöglichkeit für Chemiker, und zwar als Chemiker bei der Feuerwehr. Alle Artikel zu Berufsbildern und Karrieremöglichkeiten für Chemiker habe ich übrigens in einer Übersicht zusammengefasst.

Einen interessanten Einstieg in das Thema bietet eine Schweizer Zeitung im Netz über einen Chemiker bei der Berufsfeuerwehr Bern. Dieser war dort als Chemiewehrfachberater aktiv und ist da mehr oder weniger reingerutscht.

In Deutschland gibt es auch Fachberater, es gibt auch einen Arbeitskreis Fachberater Chemie (AKFC) im Raum Allgäu, der aus CBRN-Einheiten besteht, früher ABC-Einheiten. Darüber berichtet BSA. Gesucht werden laut Artikel sogenannte CBRN-Erkunder, die die lokale Feuerwehr bei speziellen Einsätzen unterstützen. Soweit ich das verstehe, ist das ein Ehrenamt.

Die Website der Feuerwehr Stuttgart beschreibt möglichen den Zugang von Akademikern zur Feuerwehr, das ist aber nicht chemiespezifisch. Hier scheint es aber einen geregelten Zugang für promovierte Chemiker in eine Berufsfeuerwehr oder ins Feuerwehrmanagement zu geben, wenn man eine weitere Ausbildung machen möchte.

Wisst Ihr mehr darüber, wie man ein Chemiker bei der Feuerwehr sein oder werden kann? Schreibt einen Kommentar.

Bayer: Stellenabbau und Umsatzziele

In den Berufsaussichten für Chemiker 2019 hatte ich es am Rande erwähnt: Bayer konsolidiert und streicht voraussichtlich 12000 Stellen bis 2022. Das sind knapp 10% der gesamten Stellen im Konzern und ist seit letztem November bekannt (hier ein Link zu einem Artikel dazu in der Welt).

Natürlich läuft das in Deutschland so ab, dass niemand betriebsbedingt gekündigt wird, es werden halt keine Stellen mehr nachbesetzt, wenn alte Mitarbeiter in Rente gehen. Das nennt sich „sozialverträglich“.

Blöd für die Jungen, die einen Job suchen…

Aber vielleicht sollten die statt zu arbeiten einfach ein paar Bayer-Aktien kaufen, das Bayer-Management möchte nämlich den Umsatz bis 2022 um 4% p.a. erhöhen und das Ergebnis pro Aktie um 10% p.a., wie in den Nachrichten aus der Chemie 67, S. 28 berichtet wird.

Fachkräfte für den Arbeitsmarkt

In den letzten Nachrichten aus der Chemie vom Januar 2019 erschien ein Pro und Contra zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt durch Universitäten. Die beiden Beiträge sind lesenswert, ich würde sie folgendermaßen zusammenfassen: Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK sieht die Universitäten voll in der Verantwortung, der ehemalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz sieht eher die Wirtschaft in der Verantwortung, Berufsanfänger an der Uni abzuholen.

Natürlich sind beide Beiträge etwas zugespitzt, und in beiden steckt Wahrheit. So verlangt der Pro-Artikel

[…]den Qualifikationsbedarf der Wirtschaft besser zu berücksichtigen[…]

Achim Dercks, Nachrichten aus der Chemie 67, 2019, 24.

Im Contraartikel ist folgendes Zitat zu finden:

Die Hochschulen tragen die Verantwortung dafür, dass ihre Absolventen mit komplexen und diffusen Problemlagen umgehen und unerwartete Situationen meistern, kurz: Unsicherheit souverän bewältigen können.

Horst Hippler, Nachrichten aus der Chemie 67, 2019, 25.

Wo sind die Verantwortlichen?

Das klingt beides mal nicht falsch. Ich persönlich finde aber, dass dieser Artikel auf die Hauptverantwortlichen nicht eingeht. Das sind die Studierenden, die selbst verantwortlich sind, sich optimal auf ihr Berufsziel vorzubereiten. Universitäten und die Wirtschaft sollten diese Gruppe aus Eigeninteresse so weit wie möglich unterstützen.

Nur die wenigsten Studierenden suchen oder finden auch später eine Stelle innerhalb der Wissenschaft, daher sollten sie sich frühzeitig eine Hochschule suchen, die sie ihrem Ziel, z.B. der Unternehmensgründung oder einer Stelle in der Wirtschaft näher bringt.

Man kriegt, was man bezahlt

Und die Wirtschaft sollte sich schon überlegen, wie sie hochausgebildete und motivierte Absolventen schnell und effektiv integrieren kann. Ich denke aber, dass hier auf hohem Niveau gejammert wird. Wenn beispielsweise die Qualität von Bachelorabschlüssen beklagt wird, reicht vielleicht ein Bachelor nicht. Dann muss man aber auch für einen Master oder einen promovierten Chemiker bezahlen.

Berufsaussichten für Chemiker 2019

Die letzten beiden Wochen war ich etwas schreibfaul und habe den Urlaub genossen. Wie es Tradition ist, möchte ich mich jetzt zurückmelden mit einer Prognose für die Berufsaussichten für Chemiker 2019.

Meine Prognosen für die Jahre 2018 und 2017 findet ihr durch Klick auf die Jahreszahlen.
Im letzten Jahr hatte ich vermutet, dass die Dieselkrise Auswirkungen auf die Automobilindustrie und die dort beschäftigten Chemiker hat. Meinem Empfinden nach hat sich hier aber recht wenig getan, vielleicht lag das auch am zögerlichen Handeln der Politik.

Wirtschaftsprognose 2019

Was erwartet uns 2019? Ich bin pessimistisch und vermute, dass es nach Jahren des Wachstums, womöglich unterstützt durch niedrige Zinsen zu einer Wirtschaftskrise kommen könnte. Nun ist es ist natürlich leicht, als Katastrophen anzukündigen, das kommt der menschlichen Natur entgegen, die überall Gefahren sieht. Aber es gibt einige Risiken, unten sind ein paar ausgewählt.

Brexit

Noch ist nicht klar, wie (oder ob?) der Brexit ablaufen wird, und diese Ungewissheit birgt eine große Gefahr für globalisierte Unternehmen, die nicht wissen, wie sie planen können. Für die universitäre Forschung in Großbritannien wäre ein Wegfallen der EU-Förderung auch ein großer Einschnitt (siehe auch offener Brief).

Auch die Chemikalienregulierung und -zulassung wäre bei einem ungeregeltem Brexit unklar, in einem schlimmen Szenario müssten tausende Chemikalien neu zugelassen werden. Optimisten könnten hier viele neue Jobs für Chemiker erkennen…

Protektionismus

Die Gefahren des Protektionismus hat wohl jede Tages- und Wochenzeitung schon heraufbeschworen. Persönlich glaube ich, dass von dort keine großen Gefahren ausgehen, weil die Vor- und Nachteile hinlänglich bekannt sein dürften und die Erfahrungen beim Stahl (Stichwort Harley-Davidson) auch Donald Trump von weiteren solchen Schritten abhalten sollten.

Gesamtlage

Die Wirtschaftslage sehe ich trotzdem nicht so positiv, es gibt einige Indikatoren für einen Rückgang des Wirtschaftswachstums. Ich sehe in Deutschland teilweise irrsinige Steigerungen bei den Immobilienpreisen, weil die Leute in Immobilien flüchten. Zusätzlich sind die Börsenkurse Ende 2018 ordentlich abgerutscht.

Dann gibt es Schuldenkrisen in Schwellenländern in Südamerika, Afrika und Asien (hier ein Link zu einem möglicherweise etwas einseitigen Dokument von Misereor) und auch Italien hat eine extrem hohe Staatsverschuldung, wenn auch hauptsächlich im Inland.

Was speziell für Jobs in der Chemie auch nicht gut ist, sind die Ankündigungen von Bayer, zu „konsolidieren“ und weitere Mergers wie der angekündigte von Bristol-Myers Squibb und Celgene.

Das größte deutsche Chemieunternehmen BASF hatte im Dezember noch eine Gewinnwarnung für 2018 veröffentlicht und rechnet mit 15-20% weniger EBIT als 2017.

Fachkräftemangel?

Ob den Chemikern hier der vielbeschworene Fachkräftemangel hilft, trotzdem Jobs zu finden, kann bezweifelt werden. Alles zu diesem Thema sammle ich unter dem Tag Fachkräftemangel.

Zum Schluss

Ich hoffe natürlich trotz der weniger guten Prognose, dass uns ein gutes Jahr erwartet und wir alle unsere persönlichen Ziele erreichen werden!

Frohe Weihnachten und eine ruhige Zeit

So langsam wird es auch bei mir ruhiger, die Weihnachtsfeiern sind für dieses Jahr wieder fast alle durch, die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest sind auch gemacht. Und wer von Euch noch Geschenke braucht, kann im Post letzte Woche schauen

Ich werde so langsam den Ausblick auf 2019 vorbereiten und bis Januar nichts mehr posten.

Wenn Ihr Kommentare oder Wünsche fürs neue Jahr habt, schreibt mir gerne unten. Ihr müsst nicht mal eine Emailadresse angeben.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich Euch!

Geschenke für Chemiker

In vielen Blogs kann man jetzt lesen, was man anderen Leuten schenken kann. Dieser etwas fragwürdigen Tradition möchte ich nicht nachstehen. Also empfehle ich hier ein paar Dinge, die man sich selbst oder auch anderen Chemikern schenken kann:

Für diese Links bekomme ich übrigens keine Provision. Wer meine Arbeit gut findet, kann zu Weihnachten ja nach Jobs auf meiner StepStone-Seite suchen oder mir einen aufmunternden Kommentar weiter unten hinterlassen.

Neue Jobs für Chemiker am 3. Dezember 2018

Wieder mal habe ich drei gute Jobs für Chemiker aus StepStone rausgesucht für die Leute, die sich im neuen Jahr beruflich verändern wollen oder nach ihrer Promotion noch eine Stelle suchen:

Viel Erfolg bei Euren Bewerbungen und eine schöne Adventszeit wünsche ich!

Mit * gekennzeichnete Links sind StepStone-Affiliate-Links. Unter StepStone-Stellen gibt es weitere Chemiker-Jobs von StepStone.

Unter Arbeitslosigkeit trage ich die Arbeitsmarktdaten für Chemiker der Agentur für Arbeit auf.

Fakten zur Digitalisierung in der Chemie

Nachfolgend zum Post letzte Woche zur Aufnahme von Digitalisierung in die Ausbildung von Chemikanten möchte ich noch ein paar Quellen und Fakten zur Digitalisierung in der Chemieindustrie nachreichen.

VCW-Studie

Die VCW, die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft in der GDCh, hat eine Umfrage zum Thema „Berufe 4.0 – Wie Chemiker und Ingenieure in der digitalen Chemie arbeiten“ veranstaltet und die Ergebnisse als Whitepaper veröffentlicht.

Besonders interessant fand ich darin die zweite These der Schlussfolgerungen.

These 2: Der Chemiker teilt nicht gerne. Die Tendenz des „Schneller, Höher, Weiter“ bei Zahl, Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad der Aufgaben und die parallele Ausrichtung zum Spezialisten und Generalisten bilden einen Widerspruch, der sich auch im weitgehenden Ausblenden alternativer Organisationsmodelle findet. Der Widerspruch ist bei Chemikern deutlicher als bei Ingenieuren. In anderen Branchen sind Hierarchieebenen schon weggefallen, selbststeuernde Teams längst etabliert sowie Arbeitsinhalte und Organisationsformen bereits an Wertschöpfungsketten ausgerichtet.

Berufe 4.0 – Wie Chemiker und Ingenieure in der digitalen Chemie arbeiten. Whitepaper
S. 97.

Ja,es ist aufgefallen, dass Chemiker gerne alles selber machen. Das kann ich zumindest aus dem privaten Umfeld bestätigen: Kaum ein Chemiker, der nicht selbst tapeziert, streicht und Teppichböden rausreißt :).

Woran das liegen könnte? Vielleicht am zunächst sehr breiten Studium mit Handwerkskomponente und dann einer starken Spezialisierung. Dann denkt der Chemiker, er kann alles, bzw. er könnte alles lernen?

Das kann natürlich zur Gefahr werden: Dann wenn Chefs nicht delegieren können oder Ihre Kompetenzen falsch einschätzen, gerade bei größeren Umbrüchen, wie die Digitalisierung einer sein könnte.

VCI zu Chemie 4.0

Der VCI hat ein Positionspapier zur Industriepolitik und den Chancen von Chemie 4.0 veröffentlicht. Zunächst fordert der Verband die Industrie zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und zu höheren Bildungsausgaben auf.

Im Blick auf Chemie 4.0 sieht der Verband neben einer verbesserten Produktion Chancen, Wertschöpfung rund um den Rohstoff „Daten“ zu erzielen, sei es in Landwirtschaft, Medizin oder stärkere Vernetzung in der Lieferkette.

Digitalisierung in der Chemie

In den letzten Tagen konnte man in den Nachrichten lesen, dass „Digitalisierung und vernetzte Produktion“ jetzt Teil der Ausbildung von Chemikanten wird.

Abgesehen von der mir nicht bekannten konkreten Ausgestaltung finde ich es gut, dass sich die Tarifpartner Gedanken um die fachliche Qualifikation der neuen Auszubildenden macht. Sie könnten ja einfach davon ausgehen, dass die sogenannten „digital natives“, die routiniert mit Instagram, SnapChat und Facebook umgehen können, keine weitere Be-Lehrung in Richtung Digitalisierung braucht.

Es ist ja auch das Gegenteil der Fall, vermute ich. Diese Generation sind zum großen Teil digitale Konsumenten oder im besseren Fall Produzenten, die nicht wissen wollen, wie die Technik hinter den sozialen Medien funktioniert.

Ich halte es absolut nicht für nötig, dass jeder programmieren kann, aber zumindest die Prinzipien und die Funktionsweise von grundlegenden Technologien rund ums Internet (und damit fast synonym zu xyz 3.0 oder 4.0) müssen erlernt und gelehrt werden.

Über die Herausforderungen der Digitalisierung liest man in letzter Zeit auch sehr viel, darauf möchte ich gar nicht eingehen. Aber jemand, der die Hintergründe versteht, kann eher einschätzen, was technologisch möglich und sinnvoll ist und muss nicht jedem Trend (Augmented Reality, Künstliche Intelligenz…) hinterherlaufen.

Was machen hier eigentlich die Universitäten? Auf gar keinen Fall darf man nämlich davon ausgehen, dass jemand mehr Ahnung von IT-Hinter- und Abgründen hat, nur weil eine Universität besucht hat.

Arbeitslose Chemiker: Arbeitsmarktstatistik

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich seit 2012 die Zahlen der Agentur für Arbeit für die Chemiebranche auftrage und unter https://blog.stellen-fuer-chemiker.de/statistiken/ die Zahlen für arbeitssuchende und arbeitslose Chemiker veröffentliche.

Arbeitssuchende und arbeitslose Chemiker seit 2012 aufgetragen
Arbeitslose und stellensuchende Chemiker (Stand Oktober 2018)

Diese Zahlen sehen jetzt so gut aus wie seit 2012 nicht mehr. Ich hoffe, das zeigt sich auch für Berufsanfänger und im Gehaltsanstieg. Wobei mich die Vergangenheit da nicht so hoffnungsfroh stimmt.

Aber vor lauter kritischem Betrachten sollte ich mich natürlich über die oben genannten guten Nachrichten freuen. Auch im Hinblick darauf, dass es uns Chemikern in Deutschland noch recht gut geht im europäischen Vergleich, oder?