Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Das alte Thema Fachkräftemangel

Nach längerer Pause gibt es wieder etwas zum Thema Fachkräftemangel.

Eine neue Studie zu MINT-Berufen vom Institut der deutschen Wirtschaft untersucht die Frage, wieviele offene Stellen es dort gibt und wie sie sich entwickelt haben. MINT-Berufe sind solche, wofür man einen mathematisch-naturwissenschaftlichen, technischen oder IT-Hintergrund braucht. Darunter fallen natürlich auch alle chemischen Berufe.

Aber zum Bericht. Anscheinend gab noch nie seit 2001 so viele offene Stellen im MINT-Bereich im Vergleich zu recht wenigen Arbeitssuchenden. Diese Differenz zeigt auch folgende Grafik, die ich aus der Studie eingebettet habe:

Wer fehlt?

Allerdings fehlen nicht etwa die „Experten“, also Leute, die schon mindestens vier Jahre studiert haben. Hauptsächlich fehlen Fachkräfte, also Leute, die eine Ausbildung gemacht haben. Es heißt ja auch Fachkräftemangel, und nicht Expertenmangel oder Promoviertenmangel. Daher sollte dieser Fachkräftemangel auch keine Motivation für die Politik sein, noch mehr Leute zu einem Studium zu bringen, sondern es sollte meiner Meinung nach eher das duale Ausbildungssystem gefördert und beworben werden. Dann könnte man im Schul- und Universitätssystem auch wieder stärker differenzieren, weil nicht mehr jeder studieren muss. Aber das sind kontroverse Themen, die wohl auch zyklisch immer wieder diskutiert werden (siehe z.b. Andrä Wolter, Das deutsche Gymnasium zwischen Quantität und Qualität, anscheinend von 1997) …

Wie sieht es in der Chemie aus?

Wieviele offene Stellen für Chemiker darunter sind, lässt sich aus dieser Grafik auch nicht erkennen. Auf meiner Statistik-Seite habe ich aber zumindest die Zahl der arbeitssuchenden Experten aus den Agenturdaten herausgeholt. Diese ist seit Jahren relativ konstant.

3 Gedanken zu „Fachkräftemangel in MINT-Berufen“

  1. Ein großes Problem der MINT-Phrase ist in meinen Augen die unzureichende Differenzierung.

    1. Bei MINT werden sehr unterschiedliche Fächer zusammengeworfen, die man eigentlich kaum vergleichen kann. Der Arbeitsmarkt für Informatik unterscheidet sich z.B. sich recht deutlich von dem für Naturwissenschaften.
    2. Innerhalb der Buchstaben ist eine Vergleichbarkeit ebenfalls nicht gegeben, aber wie von dir bereits angesprochen ist sie gerade hier besonders wichtig. Wir Chemiker fallen mit dem N in eine Kategorie mit Biologen, Laboranten, Chemikanten etc. Nicht alles davon ist gleichermaßen gefragt.

    Beiträge zum Thema MINT-Fachkräftemangel ohne die dringend notwendige Differenzierung fallen für mich unter Propaganda. Es werden damit Interessen von Arbeitgebern vertreten, welche von einem Absolventenüberschuss profitieren. Da das Märchen vom Fachkräftemangel seit einiger Zeit entlarvt wurde, haben die Marketing-Abteilungen für die Förderung des Absolventenüberschusses ein neues „kreatives“ Schlagwort ersonnen: Der Fachkräftemangel heißt jetzt Fachkräftelücke. 😉

    1. Vielen Dank für den Beitrag. Den Begriff „Fachkräftelücke“ habe ich noch nicht gehört, aber ich werde jetzt darauf achten. Ich verstehe, dass die Arbeitgeber ein Interesse an günstiger Arbeit haben, was mich stört, ist, dass der „Fachkräftemangel“ recht unkritisch durch die Medienlandschaft geisterte.

      1. Nachtrag:
        Der VCI hat in folgender Studie u.a. eine Prognose zum Fachkräftemangel in der Chemie abgebeben (S.32):

        https://www.vci.de/vci/downloads-vci/publikation/vci-prognos-studie-die-deutsche-chemische-industrie-2030-update-2015-2016-mit-alternativszenarien.pdf

        „Da die Studienanfängerzahlen gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern aber vielversprechend sind, wird es in der Chemie voraussichtlich nicht zu einem umfangreichen Mangel an Chemikern und anderen Naturwissenschaftlern kommen.“

        „Die deutsche Chemie benötigt zukünftig vermehrt nichtakademische Nachwuchsfachkräfte. „

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