Fachkräftemangel 2020?

In den aktuellen Nachrichten aus der Chemie (7/8 2014, S. 833) gibt es eine neue Hiobsbotschaft für die Chemieindustrie:

Bis zum Jahr 2020 fehlen der deutschen Chemieindustrie nach einer Studie der Bonner Wirtschafts-Akademie bis zu 15000 Fachkräfte. Diese Ansicht vertreten 41% der befragten Personalverantwortlichen, und ebenso viele gehen von bis zu 25000 unbesetzten Fachstellen aus.

Diese 82% der Personalverantwortlichen beneide ich um Ihre hellseherischen Fähigkeiten. Aber es geht weiter:

Derzeit bemerken 73% der Chemieunternehmen allerdings keinen nennenswerten Fachkräftemangel.

Vielleicht liegt das daran, dass es keinen Fachkräftemangel gibt.

Dennoch sinken die Bewerberzahlen, damit einhergehend passen viele Bewerbungen nicht auf das ausgeschriebene Anforderungsprofil und etliche Anwärter verfügen nicht über die nötige Fachkompetenz.

Sind die Anforderungsprofile vielleicht überzogen? Eventuell sollten die Firmen auch etwas Zeit in Einarbeitung investieren.

Und ab wann ist man überhaupt Fachkraft? Als CTA? Bachelor? Master? Doktor?

In der gleichen Ausgabe zeichnet der Artikel „Der Arbeitsmarkt – aus der Sicht von Jungchemikern“ (S. 813) ein anderes Bild. Zwei Zitate daraus:

Personaler fragen nach dem Jahresgehaltswunsch und bekommen – übertrieben gesagt – einen Herzkasper, wenn sie die Zahl 69000 Euro mit dem Verweis auf die aktuelle Statistik des VAA hören.

Angebote aus der klein- und mittelständischen Industrie lagen im Bereich von 35000 Euro Jahresbrutto.

Man kann hier nur daran erinnern, dass auch der Arbeitsmarkt ein Markt ist, in dem zumindest bedingt, die Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten. Im Post „Gehaltsentwicklung tariflich bezahlter Chemiker“ kann man sich nochmal die Entwicklung der Tarifgehälter seit 1998 anschauen.

Vielleicht kann man also dem Fachkräftemangel durch faire Gehälter entgegenwirken… Was meint Ihr, liebe Leser?

4 Gedanken zu „Fachkräftemangel 2020?“

  1. Überzogene Erwartungen in Stellenanzeigen, und an Bewerber generell? Absolut.

    Fehlende Bereitschaft, faire/attraktive Gehälter zu bezahlen? Ebenso.

    Fachkräftemangel? Dass ich nicht lache.

    Ich würde aktuell niemandem empfehlen, ein Chemiestudium zu beginnen. Der Arbeitsmarkt sieht zu düster aus.

  2. Die übliche Propaganda. Einfach mal „Propaganda“ zusammen mit „Fachkräftemangel“ bei Google eingeben.

    PS: Was ist überhaupt die Definition für „Fachkraft“?

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