Politikbrief des VCI – Sind die Positionen konsensfähig?

Der VCI hat seine politischen Positionen in einem Politikbrief spezial 2016/2017 zusammengefasst. Klar, dass die Positionen sehr Industriefreundlich sind. Hier ein paar Zitate:

Zum Mittelstand:

Keine Belastung des Mittelstandes durch weitere permanente Substanzsteuern (Vermögensteuer) oder sporadische Substanz- steuern (Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer).

Zur Energie und Klima:

Kosten für Industrie beim Ausbau erneuerbarer Energien deckeln.

Die EU-Klimaziele dürfen im Rahmen von COP 21 nicht einseitig ohne vergleichbare Reduktionsanstrengungen im Rest der Welt erhöht werden.

Zu Fachkräften:

Die Engpässe an Fachkräften spürt vor allem der Mittelstand schon heute: Laut VCI-Innovationsstudie sind ein Viertel der Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten vom akademischen Fachkräftemangel, 15 Prozent von Engpässen bei nichtakademischem Personal betroffen. Das Thema Fachkräftesicherung ist aus Sicht des Mittelstands von besonderer Bedeutung. Die Bedeutung und die Qualität der dualen Ausbildung in Deutschland, die für viele andere Länder Vorbildfunktion hat, sollte erhalten und gestärkt werden.

Es stehen viele weitere interessante Dinge darin, auf die ich hier nicht eingehen werde und bei denen ich zustimmen kann. Lest einfach diesen Politikbrief des VCI und sagt mir, was ihr davon haltet. Beim letzten Zitat zu den Fachkräften frage ich mich aber, welche Fachkräfte hier genau fehlen und warum vor allem der Mittelstand diesen Mangel spürt.

Liegt es an den Arbeitsbedingungen, an der Bezahlung, oder an der (Un)Bekanntheit der kleineren Betriebe? Das hat sich anscheinend noch niemand angeschaut, oder?

Employer Branding

Gerade habe ich das Buch „Employer branding für KMU“ im Internet gefunden.

Ich zitiere:

Eine attraktive Arbeitgebermarke ist in Zeiten des Fachkräftemangels das A und O im Personalmarketing.

Nun ist das Buch nicht speziell für die Chemiebranche verfasst und bestimmt in der guten Absicht, kleinen und mittleren Unternehmen im Wettbewerb um gute Arbeitskräfte zu helfen. Mir missfällt, dass hier wieder der vielstrapazierte Fachkräftemangel als Vorwand herhalten muss, Unternehmen ein Buch mit Tipps zu verkaufen, wie man möglichst günstig an gute Mitarbeiter kommt.

Diese Absicht ist durchaus legitim, genauso, wie sich die „Arbeitskraft“ ja möglichst teuer verkaufen möchte. Dass die Marktmacht zumindest in der Chemie deutlich beim Arbeitgeber liegt, sieht man an der Gehaltsentwicklung der letzten Jahre. Siehe dazu auch mein Post über die Gehaltsentwicklung tariflich bezahlter Chemiker.