Zahlen zu den Chemiestudiengängen von der GDCh

In den Nachrichten aus der Chemie 2015, 63, 823 (Link zu Artikel) stellt die GDCh die neuesten Zahlen zu den deutschen Chemiestudiengängen vor.

Auffällig ist, dass 2014 wieder sehr viele Studenten ein Chemiestudium begonnen haben, fast so viele wie 2011, als in Bayern und Niedersachsen ein doppelter Abiturjahrgang das Studium aufnahm. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Doktoranden wieder gesteigert, inzwischen befinden sich 8222 Studenten in der Promotion.

Daraus leite ich ab, dass auch in den nächsten 5-10 Jahren kein Fachkräftemangel in der Chemie zu befürchten ist. Die schulische Förderung von Chemie scheint auch gut zu funktionieren, oder wollen wir, dass noch mehr Schüler ein Chemiestudium beginnen?

Zwar sind die Zahlen über den Verbleib der Absolventen nicht sehr vollständig und bietet Raum für Interpretation, aber die Autoren meinen erkennen zu können, dass dieses Jahr mehr Absolventen stellensuchend sind als in den Vorjahren.

Was auch immer die Statistik sagt, entscheidend für den Einzelnen ist das eigene Glück. Wie erging es Euch im letzten Jahr, wenn ihr eine Stelle gesucht habt?

Statistische Infos zu den Studiengängen sind übrigens unter http://www.gdch.de/statistik verfügbar.

8 Gedanken zu „Zahlen zu den Chemiestudiengängen von der GDCh“

  1. Hallo Leute,

    das Problem kenne ich. Ich habe Chemie studiert und danach auch promoviert. Anschließend habe ich insgesamt 1 Jahr lang einen Job gesucht. Nach 282 Bewerbungen hat es endlich geklappt. Von einem Mangel an Chemikern habe ich nichts gemerkt, es war vielmehr ein knüppelharter Konkurrenzkampf.

    Das Problem ist, wie ist eigentlich eine Fachkraft definiert? Laut Politik und Medien: Jeder der eine abgeschlossene Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium hat. Laut Unternehmern: Jeder der eine abgeschlossene Ausbildung und/oder Studium und ganz besonders wichtig: mehrjährige Berufserfahrung! vorweisen kann.

    Ich finde das ein absurdes System: Die Vorraussetzung dafür, dass man einen Job bekommt ist die, dass man Berufserfahrung hat und die Vorraussetzung dafür, dass man Berufserfahrung sammeln kann, ist ebenfalls die, dass man bereits Berufserfahrung hat. Dieses System kann nicht funktionieren.

    In der Chemiebranche soll es einen Fachkräftemangel geben? Ja wie bekämpft man denn einen angeblichen Fachkräftemangel? Doch nur indem man gerade junge Leute dazu motiviert eine Karriere in der entsprechenden Branche aufzunehmen. Dann muss man aber auch mal Angebote an die jungen Leute machen und nicht immer nur die Eier-legende-Wollmilchsau suchen und wenn man die nicht findet von Fachkräftemangel zu sprechen. Es ist ein ganz einfaches Prinzip: Von nichts kommt nichts! Wenn keiner die Eier-legende-Wollmilchsau ausbildet, gibt es die eben auch nicht. Man muss sich doch nur mal die ganzen Stellenangebote in den Jobbörsen angucken, sobald man den Haken bei Berufserfahrung auf „keine“ setzt ist das Angebot sehr überschaubar.

    Wenn ich mich bewerbe wird von mir immer verlangt, dass ich mindestens deutschlandweit flexibel bin. Von einem Unternehmen verlangt niemand das es flexibel ist, z.B. das es sich bei seiner Stellensuche auch mal mit Kandidaten zufrieden gibt, die vielleicht nur 70% der Anforderungen des Unternehmens erfüllen, da heißt es immer gleich Fachkräftemangel.

    Wenn ich mich in meinen Bekanntenkreis unterhalte, bekomme ich immer wieder zu hören wieviele Betriebe selber nicht ausbilden, aber auf der anderen Seite auf der Suche nach gelernten Fachkräften sind. Mein Eindruck ist, dass in den Unternehmen die Einarbeitungszeit als ein Kostenfaktor dargestellt wird, der unter allen Umständen vermieden werden soll. Aber wie gesagt, wenn kein Unternehmen junge Leute ausbildet gibt es auch keine Fachkräfte.

    Mein Fazit.: Die Unternehmen wollen Fachkräfte? Dann geht an die Schulen und Universitäten, schnappt euch die jungen Leute und bildet die zur Fachkraft aus und wenn ihr dazu nicht bereit seid: SELBER SCHULD.

  2. Auch ich teile die Meinung. Ich hab nun ca. 4 Jahre Berufserfahrung und suche schon seit geraumer Zeit. Ich habe aber den Eindruck, dass es es deutlich schlechter als vor 3 – 4 Jahren ist! Dort hatte ich als Arbeitsloser / -suchender wesentlich mehr Einladungen als jemand, der in ungekündigter Anstellung tätig ist. Wo soll das alles nur hinführen? In die krassen Zeiten der Neunziger? Na gute Nacht…

  3. Ich habe in Chemie promoviert und suche nun seit ein paar Monaten nach Arbeit. Im Prinzip scheint es, nach allem was man selber mitbekommt und auch von Anderen hört, ein ziemlich überlaufener Markt zu sein.

    Im Vertrieb und abseits der „klassischen“ Chemie/Pharma sieht es noch halbwegs OK aus, wer allerdings in die F&E oder Produktion in der Chemie/Pharma möchte sollte besser einen langen Atem (und Spitzenabschluss/Regelstudienzeit/Ausland/Postdoc/VitaminB oder eine Menge Glück) haben. Ich war von den Noten über Studium/Promotion immer in den top 10-20%, aber Einladungen gibt es nur grob für 1 aus 10 Bewerbungen. Da hilft dann nur die Masse und beim Gespräch bekommt man schon mal mit, dass sich 200 Leute auf die Stelle beworben haben. Firmen lassen sich teilweise auch sehr viel Zeit zwischen Bewerbung und Einladung. Das ist schon „witzig“ wenn man nach 2 Monaten angerufen und im Telefoninterview gefragt wird warum man sich gerade bei Firma XYZ auf die abc-Position beworben habe…wer in dieser Zeit 40 Bewerbungen geschrieben hat braucht dann entweder ein gutes Gedächtnis oder Improvisationstalent.

    Im Zweifelsfall lohnt es im Moment wirklich nur dann sich als Anfänger in F&E oder Produktion zu bewerben, wenn das eigene Profil auch wirklich gut auf die Stelle passt und nicht „nur in etwa“. Dafür gibt es sonst zu viele andere Kandidaten, die im Zweifelsfall schon mit „AFM auf polymeren Nano-Membranen“ (frei erfunden) gearbeitet haben. Dass die flexible Einarbeitung in jedes Thema für einen guten Chemiker Brot&Butter ist, fällt dabei leider unter den Tisch.

    Da die „Schwemme“ an auf den Markt drängenden Chemikern gerade anhält und gemäß der Anfängerzahlen mittelfristig steigt wird sich die Situation IMHO nicht verbessern bzw. eher verschlechtern. Ich habe Chemie aus Interesse am Fach studiert und nicht wegen der Arbeitsmarktaussichten, im Nachhinein frage ich mich dann aber schon manchmal ob hoher Aufwand und Jobaussichten momentan in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

    1. Hallo DrWho, man braucht viel Geduld momentan und muss räumlich sehr flexibel sein, um Arbeit als Chemiker zu finden, das stimmt. Ich hoffe, dass sich das bald bessert, kann es mir aber momentan nicht vorstellen. Aber für die Leute, die jetzt grade fertig werden, ist es hart. Ich wünsche Dir trotzdem alles gute und bedanke mich für Deine Einschätzung.

    2. So was wie Einarbeitung von Nachwuchskräften scheint bei vielen Unternehmen nicht vorgesehen zu sein.
      Mein subjektiver Eindruck ist, dass sich die allermeisten ausgeschriebenen Stellen an Chemiker richten, die längere Berufserfahrung in irgendeinem (manchmal absurd engen) Nischenbereich haben („5-10 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von biologisch abbaubaren, polyolefinbasierten Hochleistungsschmierstoffen, idealerweise für 7-Gang-Schaltgetriebe“).

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