Verhalten in unsicheren Zeiten

Es sind chaotische Zeiten, hauptsächlich induziert durch erratische Politik und die Beharrungskräfte des Etablierten. Ich möchte hier nicht auf Details eingehen. Die nötigen gesellschaftlichen und unternehmerischen Änderungen im Angesicht von Problemen wie dem Klimawandel und den demographischen Herausforderungen werden aus meiner Sicht momentan aber in der Politik und auch in einigen Unternehmen herausgezögert oder verleugnet.

In dieser Unsicherheit entsteht in einer maximal vernetzten Weltwirtschaft Chaos.

Wie gehen wir mit diesem Chaos um?

Ein Werkzeug, um Entscheidungen zu erleichtern, ist das Cynefin-Framework. Das habe ich über den Blog von Harold Jarche kennengelernt, einem kanadischen Experten für persönliches Wissensmanagement.

Das Vorgehen ist nach meinem Verständnis folgendermaßen: Zunächst wird eine Situation in vereinfacht vier Domänen eingeordnet, von einfach über kompliziert, komplex bis chaotisch. Das heißt, zuerst sollte man herausfinden, in welcher Domäne man agiert. Einfache Domänen haben best practices, die man implementieren und verbessern kann, im Sinne von Beobachten -> Analysieren -> Antworten.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind wie gesagt nicht einfach, sondern komplex bis chaotisch. Hier hat man keine Zeit und keine Regelmäßigkeit, um so vorzugehen, wie im einfachen Fall. Oft muss man Testen oder schon Handeln, dann erst die Auswirkungen der Handlung beobachten und auf diese Auswirkungen reagieren. Vermutlich muss man sich einem guten Ergebnis annähern, in einer Art (P)DCA-Zyklus ohne Planung und stabiler Grundlage.

Also immer wieder etwas ausprobieren, Fehler machen, beobachten und modifizieren und daraus Lernen. Das ist definitiv anstrengend und fordernd und keine Routine. Und in einer Zeit maximaler Angespanntheit verzeihen die Gegner (in Politik und im Unternehmen) meist keine Fehler. Die Handelnden minimieren ihr Risiken und exponieren sich nicht. Dann lernt aber auch niemand.

In chaotischen Domänen kommt erschwerend noch hinzu, dass dort auf eine Aktion nicht immer die gleiche Reaktion ausgelöst wird. Das erinnert z.B. an KI, die auf denselben Prompt nie gleich reagiert, oder auf Neuronen im Gehirn die je nach Kontext auf den gleichen Reiz ganz unterschiedlich reagieren.

Wie kommen wir aus diesem Dilemma?

Laut Harold Jarche müssen wir lernen, gute Muster und schlechte Muster zu unterscheiden und wie oben geschrieben viel ausprobieren und die Reaktion beobachten. Für mich heißt das auch, dass man eher kleine, leichter rückgängig zu machende Dinge ausprobiert und sich und anderen Fehler verzeiht. Es sollten keine existentiellen Risiken sein, die beim Ausprobieren eingegangen werden.

Es liegt also viel Arbeit vor uns!