Local for Local

Was ist Local for Local?

Das ist eine Strategie für Firmen, die Bedeutet, dass die Firma in ihren Absatzmärkten investiert. Das Ziel ist, dort für den lokalen Markt zu produzieren, aber auch zu entwickeln. Diese Strategie ist von Toyota bekannt, das gezwungenermaßen früh in den USA Fertigungswerke aufbauen musste. 1981 beschloss Japan auf Druck der USA "freiwillige" Exportbeschränkungen.
Wichtig ist das Wort gezwungenermaßen, es war zumindest am Anfang kein bewusstes Ziel von Toyotas Strategie.

Momentan verfolgen das Ziel viele produzierende Firmen. Grund ist wahrscheinlich auch hier die Unsicherheit, ob Handel zwischen den bestehenden Werken und den Absatzmärkten zukünftig möglich ist oder viel teurer wird.
siehe https://www.kas.de/de/kurzum/detail/-/content/local-for-local-ist-keine-loesung-sondern-ein-symptom

Ein Ergebnis dieser Strategie bzw. dieser Unsicherheit ist, dass die deutsche Exportindustrie gezielt im Ausland, vor allem in China, investiert. Dadurch werden die Exporte weniger, und der Staat hat ein Problem, weil Arbeitsplätze und Steuern verschwinden. In der Chemieindustrie passiert genau das, in letzter Zeit allerdings beschleunigt.Interessanterweise geschieht in der Digitalindustrie das Gegenteil.

Das ist schade, aber vermutlich unaufhaltbar. Andererseits lassen wir Produkte amerikanischer oder chinesischer Digitalfirmen ohne Barrieren nach Europa, was u.a. ein Grund ist, dass wir keine lokalen Alternativen aufbauen können. Das hat finanzielle, aber auch politische Konsequenzen, weil einige dieser Firmen den öffentlichen Diskurs steuern können und weil sie sehr reich sind. Dadurch können sie sich gute Lobbyarbeit leisten.

Was bedeutet das für Europa?

Einige Experten äußern die Befürchtung, dass Europa zwischen dem digitalen Champion USA und dem Produktionschampion China nur noch ein Ort für grünen Strom und für Konsum ist (aber wo soll das Geld herkommen?) und international an Bedeutung verliert. Ich vermute (und hoffe), dass dies ein bisschen übertrieben ist, aber im Grunde kann das passieren.

Wie können wir gegensteuern?

Es gibt einige bekannte Ansätze, siehe auch den Draghi-Bericht von 2024.

  • Europa sollte die interne Regulierung vereinheitlichen und wo möglich vereinfachen, sodass die EU noch mehr ein einheitlicher Wirtschaftsraum wird. Das ermöglicht Skaleneffekte für Startup, die dann beispielsweise für ganz Europa nur noch ein Regelwerk beachten müssen. Auch etablierte Firmen profitieren von einer einheitlichen Bürokratie.
  • Ganz wichtig: Strom billiger machen. Das führt dann automatisch zu Elektrifizierung und hilft dem Klima. Zusätzlich müssen Speicher geschaffen werden, dass sollte durch geschickte Regulierung auch im Markt lösbar sein.
  • IT-Unabhängiger werden, z.B. durch die Schaffung von mehr Rechenkapazität für die Industrie und für die Verwaltung (ich denke, einen Ausfall der Chatbots für Privatanwender ist verschmerzbar, wenn aber die ganze Industrie an Copilot und Co. hängt, wäre ein Ausfall fatal). Zusätzlich könnte Europa die Heimat von Open Source werden, das muss aber entsprechend finanziert werden, z.B. durch den nächsten Punkt:
  • Quote für europäische Lösungen auch in den öffentlichen Ausgaben, dabei einheitlich in der ganzen EU vorgehen, z.B. über definierte gemeinsame Schnittstellen für Software von Behörden. In der Industrie muss ein Bewusstsein für die Risiken geschaffen werden, wenn man von einem Anbieter abhängig ist.

Was also tun?

Ich möchte nochmal zu Local for Local zurückkommen. China hat es dadurch geschafft, viel Produktions-Know-How ins Land zu bringen. Durch die große Firewall haben auch lokale IT-Firmen die Chance gehabt, sich zu entwickeln, ohne von Goolge oder Facebook erstickt zu werden.

Wie können wir das auf die jetzige Situation übertragen und die KI-Anbieter dazu zu bringen in Europa zu investieren und das Know-How zu teilen? Wie können eine europäische Industrie-KI-Infrastruktur schaffen?

Brauchen wir auch große Firewalls? Vielleicht hilft eine Datenlokalisierungspflicht, wie sie es in China auch gibt? Wenn eine Firma dort große Datenmengen speichert, müssen personenbezogene Daten in China bleiben, exportiert werden darf nur nach Prüfung.

Was meint Ihr, dass hier helfen könnte?