Wie geht es weiter?
Zur Zeit ist es für mich sehr schwierig, hier etwas zu schreiben. Tagesaktuelle Nachrichten lese ich kaum noch, weil sich vieles innerhalb von Stunden ändert und diese Änderungen wenig rational erscheinen.
Und Prognosen für die Zukunft sind ja schon in normalen Zeiten schwierig.
Der ursprüngliche Zweck des Blogs war, Chemieabsolventen in einem schwierigen Arbeitsmarkt Möglichkeiten aufzuzeigen. Seitdem hatten wir eine globale Pandemie, den lange prognostizierten Fachkräftemangel, wieder Krieg in Europa und jetzt eine sehr unberechenbare amerikanische Präsidentschaft.
Vom eigentlichen Zweck des Blogs habe ich mich auch aufgrund meiner geänderten Interessen etwas entfernt.
Natürlich pflege ich weiterhin meine Chemie-Jobs auf einer Karte, und ihr könnt Anregungen für Stellenprofile lesen, aber tagesaktuell schaffe ich das nicht mehr. Hin und wieder versuche ich, die Lage zu beschreiben, vermutlich aber eher lückenhaft.
Die Industriesicht
Hier also noch ein Versuch, größere Linien zu beschreiben. Aus Sicht des VCI gibt es einige Probleme für die Industrie, von hohen Energiepreisen, über Regulatorik (REACH), Fachkräftemangel, Probleme der Automobilindustrie und neu hinzugekommen die erratische Zollpolitik der USA.
Soweit so gut und nicht viel neues, würde ich sagen.
Ich würde noch ergänzen, dass die Industrie über Ihre Software (Microsoft-Betriebssysteme, Amazon Cloud…) zu abhängig von den USA ist (Digitale Souveränität ist was anderes…). Außerdem ist nicht nur die Bürokratie in den Behörden ein Hemmnis, auch in den Betrieben und Konzernen ist da etwas ausgeufert. Sei es aus Misstrauen gegenüber den Mitarbeitern oder wahrscheinlicher, um die eigene Rolle zu rechtfertigen, wurden immer mehr Controlling- und Genehmigungsprozesse geschaffen.
Darüber ist die Innovation ins Hintertreffen geraten, die nicht primär in den Büros passiert, sondern in den Laboren und Produktionshallen. Innovation darf nicht von Steueranreizen abhängig sein, sondern sollte ein Kernziel der Unternehmen sein, sonst ist die eigene Daseinsberechtigung schnell weg.
Die Mitarbeitersicht
Für die Angestellten sieht es trotz Fachkräftemangels vermutlich kurzfristig nicht ganz so rosig aus, sie müssen sich auf Unsicherheit und Umstrukturierungen einstellen. Ich hoffe, dass nicht viele in Kurzarbeitsprogrammen oder im Vorruhestand geparkt werden, sondern der Wirtschaft dort zur Verfügung stehen können, wo sie gebraucht werden.
Vermutlich wird es zukünftig auch immer wichtiger, sich weiterzubilden, da die Unternehmen immer höher qualifiziertes Personal brauchen für Innovation und Automatisierung. Man muss als Unternehmen und in der Politik auch überdenken, ob man hochqualifizierte Migranten weiterhin für Aushilfsjobs einsetzt oder auf formale Anerkennung von Qualifikationen verzichtet und das tatsächliche Können (und oft auch die Motivation) anerkennt.
Auch das ist alles nichts neues. Passieren tut auch hier immer noch recht wenig.