Das perfekte Anschreiben…

… gibt es nicht.

Das muss man sich klar machen, wenn man sein erstes Anschreiben verfasst. Ein gutes Anschreiben muss immer zu der Stelle passen, auf die man sich bewirbt. Das Anschreiben sollte den lesenden Personaler überzeugen, mich einzuladen, daher muss ich ihn auf meine Person neugierig machen und ihn überzeugen, dass ich für die Stelle geeignet bin.

Das heißt aber nicht, dass man für eine weitere Bewerbung alles neu schreiben muss. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, sein Anschreiben modular einzuteilen. So kann man einzelne Blöcke gut auf Stellenbeschreibung und Firma anpassen, während man andere Blöcke (fast) unverändert lassen kann.

Der Aufbau:

Als kurze Einleitung schreibe ich, wo ich die Stelle gefunden habe und warum ich mich auf sie bewerbe, also was mich geeignet macht. Anschließend stelle ich mich vor und präsentiere die wichtigsten Stationen meines Lebens. Oft sind das bei Berufseinsteigern nicht so viele, dass man diese bei verschiedenen Bewerbungen stark variieren muss.

Im Hauptteil mache ich dem Personaler deutlich, dass ich ein großer Gewinn für die Firma bin. Das ist natürlich für einen Berufseinsteiger nicht so leicht, da man keine Ergebnisse aus früheren Beschäftigungen für seine Fähigkeiten vorzeigen kann. Aber anhand ausgewählter Studieninhalte, Nebenbeschäftigungen oder Hobbys kann das gelingen.

Zum Ende gehe ich darauf ein, warum ich bei der Firma Arbeiten möchte und bekräftige, dass ich wichtig bin. Nach einer abschließenden Floskel (z.B. „Ich hoffe, ich konnte Sie auf mich neugierig machen und freue mich auf Ihre Rückmeldung.“) fehlt nur noch meine Unterschrift.

Natürlich ist das nur eine Möglichkeit, ein Anschreiben zu verfassen, und je nach gewünschtem Beruf und der Stellenbeschreibung ist es mehr oder weniger ideal. Ich habe aber gute Erfahrungen mit diesem Aufbau gemacht.

Viele nützliche Tipps finden sich auch in einschlägigen Bewerbungsbüchern, z.B. bei Hesse/Schrader-Training Schriftliche Bewerbung: Anschreiben – Lebenslauf – E-Mail- und Online-Bewerbung oder Perfekte Bewerbungsunterlagen für Hochschulabsolventen: Erfolgreich zum Traumjob – auch für Online-Bewerbungen .

Arbeitsmarktdaten Chemie im März 2012

Laut den offiziellen Arbeitsmarktdaten nach Berufen gab es in der Chemie im März 2012 8880 Arbeitslose, davon 1903 Experten. Arbeitssuchend waren 14456 Chemiker, 3291 davon als Experten.

Dem stehen 2706 gemeldete Arbeitsstellen entgegen, davon 349 für Experten. 

Im Vergleich zum Februar ist also ein leichter Aufschwung erkennbar. 

Zusätzlich habe ich eine Broschüre der Agentur für Arbeit über Naturwissenschaften/Informatik gelesen. Dort stehen auch ein paar interessante Daten drin. Zum einen waren 2011 im Schnitt 2200 Chemiker arbeitslos, ähnlich wie 2010. Davon waren fast die Hälfte unter 35 Jahre alt. Das heißt, dass man mit einer kurzen Arbeitslosigkeit nach dem Ende der Promotion/Ausbildung rechnen muss. 2011 hat sich dieser Trend noch verstärkt.

Andererseits sind 17% der Chemiker über 55 Jahren, diese scheiden nach und nach aus dem Berufsleben aus und werden hoffentlich durch jüngere Chemiker ersetzt. Von denen wird es in nächster Zeit auch sehr viele geben. 2011 gab es 40.600 Studenten der Chemie, 11% mehr als 2010. Und die Hälfte davon waren Frauen, was in naher Zukunft den Anteil von Frauen im Berufsleben deutlich erhöhen sollte. 

Alles in allem erfreuliche Nachrichten, wenn man von der Arbeitslosigkeit vor dem Berufseinstieg absieht. 

Ein Blick ins (englischsprachige) Ausland

Wie Labmonkey4hire berichtet, gibt es diesen Monat viele Stellenanzeigen für Chemiker auf der Insel. Falls sich jemand im UK bewerben möchte, empfehle ich, öfters dort vorbeizuschauen. 

Anders sieht es in den USA aus, dort scheint die Arbeitslosigkeit unter Chemikern auf einem 40-Jahres-Hoch zu sein. Dies war die Antwort von ACS-Präsident Shakhashiri auf eine Frage von chemjobber.

Beobachtungen bei der Bewerbung in großen Firmen

Hier sind ein paar Beobachtungen, die ich im Laufe meiner Bewerbungen gemacht habe. Falls ihr weiteres zu erzählen habt, könnt ihr die Kommentarfunktion nutzen oder mir Email schreiben.

Große Firmen:

  • Prinzipiell brauchen größere Firmen länger für ihre Auswahlverfahren und die Beantwortung der Bewerbung.
  • Vorstellungsgespräche laufen bei großen Firmen viel formalisierter ab, es werden Checklisten abgearbeitet mit typischen Personalfragen.
  • Bei großen Firmen braucht man viel Geduld beim Ausfüllen von SAP-Formularen. 
  • Tendenziell wird man eher zum Mittagessen eingeladen.
  • Es gibt mehr und längere Gespräche.

Neuigkeiten aus der Industrie 18.03.2012

Ingenieurmangel

Die Bild-Zeitung berichtet vom Ingenieurmangel. In Deutschland fehlen wohl schon über 100.000 Ingenieure, vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau. (Link vom Stern)

Laut der Statistik des Arbeitsamts vom Januar sind diese Stellen vor allem auf Fachkräfte-Ebene zu suchen. (berufe-heft-kldb2010-d-o-xls.xls auf der Webseite der Arbeitsagentur. Blatt 1.3 P173)

Leider kenne ich die genaue Einteilung nicht, aber ich denke doch, dass ein Diplomingenieur nicht als Facharbeiter geführt wird. Falls ich mich irre, bitte ich um Kommentare. 

Bayer muss Nexavar abgeben

Wie die FTD gestern berichtete, erteilte die indische Regierung gestern eine Zwangslizenz für das Krebsedikament Nexavar von Bayer. Bayer bekommt eine geringe Lizenzgebühr.  Auf Derek Lowes Blog “In the Pipeline” wird zwar vermutet, dass Bayer nicht viel Umsatz mit dem Medikament in Indien gemacht hat, trotzdem alarmiert dies die Branche, da weitere Enteignungen folgen können. 

Jobbörsencheck

Auf der Jobbörse der Arbeitsagentur gibt es 200 offene Stellen für Chemiker – allgemeine Chemie. Bei Monster gibt es 135 Chemiker-StellenStepstone findet für “Dipl. Chemiker” 21 Stellen, für Chemiker/in sind es 1105 StellenUnd auf Indeed.de gibt es 693 Stellen für Chemiker, davon 39 “neue”

Leider werden viele  Stellen bei der Arbeitsagentur von Zeitarbeitsfirmen veröffentlicht (154), 59 sind aus der Chemie/Pharma/Biotechnologie-Branche. Bei Monster sind 50 Stellen für Ingenieure, 69 für naturwissenschaftliche Forschung. Die 1105 Stepstone-Stellen beinhalten 307 Stellen aus der Forschung, Entwicklung & Wissenschaft.

Die Indeed-Stellen breche ich nicht herunter, da Indeed eine Metasuchmaschine ist und dort wohl die vorher genannten Jobs wieder auftauchen würden.

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