F&E-Ausgaben der chemischen Industrie stagnieren

Wie die Nachrichten aus der Chemie berichten, sind die Forschungsbudgets von 2005 bis 2011 um 11% gestiegen, was ca. 1,6% pro Jahr ausmacht. Die Inflationsrate liegt auch in dem Bereich. Laut der Zeitschrift wurden 2011 425 promovierte Chemiker eingestellt, 37% der Absolventen.

Chemiker in den Vertrieb?

Vor ein paar Tagen hat Chemjobber eine Zuschrift aus C&EN zitiert, in der ein Chemiker über seinen Wechsel aus dem Labor in den Vertrieb berichtet hat. Ein Absatz hat mir gut gefallen: 

When I held my last lab position in 1989, I was always aware that in business parlance, R&D is a cost center, while sales and marketing are profit centers. Cost centers are expendable, underfunded, and typically have pay ceilings well below profit centers. Being fluent in math, we should all realize the importance of this equation and react accordingly. 

Ich frage mich, ob ich in einem Unternehmen arbeiten möchte, das seine Forschung so behandelt. Schließlich müssen Vertrieb und Marketing ja auch Produkte haben, die sie bewerben und verkaufen können. Die Kopplung vom Gehalt an den Umsatz lässt sich in der F&E so nicht machen, weil man Erfindungen nicht planen kann, aber schlussendlich kommen die Produkte, die den Umsatz machen, von dort. 

Aber wenn man auf Stellensuche ist, sollte man auch in der Richtung Vertrieb seine Augen offen halten, oft ist, wie im Artikel geschrieben, das technische Wissen eines Naturwissenschaftlers im Verkaufsgespräch vorteilhaft. 

Arbeitsmarktentwicklung im August 2012

Nach dem Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit (pdf) wächst die Wirtschaft zwar noch, aber sehr langsam. Die Arbeitslosigkeit ist im August saisonbereinigt etwas gestiegen, auch die gemeldeten offenen Stellen gehen etwas zurück.

Damit sind laut FAZ 2,9 Mio Menschen arbeitslos gemeldet, was wie im Juli einer Arbeitslosenquote von 6,8% entspricht.

Arbeitsmarktentwicklung im Juli 2012

Im Juli ist die Arbeitslosigkeit laut Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit (pdf) leicht gestiegen, auf 2,87 Mio. Damit liegt die Quote bei 6,8%, was im Vergleich zu Ländern wie Spanien (24,6%) oder Griechenland (22,5%) sehr gut ist. 

Gleichzeitig ist auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen, auf 28,95 Mio., was ein Zuwachs von 2,1% gegenüber 2011 ist. 

Leider sind jedoch immer noch ca. 36% der Arbeitslosen langzeitarbeitslos. 

Chancen für Akademiker

Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Broschüre mit dem Titel “Gute Bildung, gute Chancen” rausgebracht. 2011 gab es demnach für Akademiker keine Arbeitslosigkeit, bei einer Quote von 2,4% ist definitionsgemäß die Vollbeschäftigung erreicht. 

Die Broschüre ist interessant, ich empfehle es, sie mal durchzulesen. Unter anderem kann man auch sehen, dass auf 100.000 Chemiker 1 Million Lehrer kommen, die ja auch Akademiker sind. Erstaunlicherweise gibt es dazu noch 50.000 Naturwissenschaftler. Was die wohl machen?

Und es gibt keine selbständigen Chemiker, 100% sind angestellt!

Roche schließt Standort in Nutley

Für medizinische Chemiker in den USA gab es die nächste Hiobsbotschaft. Roche wird seinen Standort in Nutley schließen. Zwar soll ein neuer Campus an der Ostküste der USA gebaut werden, dort sollen aber nur klinische Untersuchungen durchgeführt werden. 

Das und weitere interessante Dinge über die Pharmaforschung kann man bei Derek Lowe nachlesen. 

Brauchen wir mehr Wissenschaftler?

Passend zur Diskussion über den Fachkräftemangel, über den ich auch schon berichtet habe, kommentiert Derek Lowe in seinem Blog “In the Pipeline” einen Artikel von Slate. Besonders ein Satz stört ihn, nämlich dass Amerika nicht nur sehr gute, sondern auch mehr mittelmäßige Wissenschaftler brauche. Ich empfehle, seinen Kommentar selbst zu lesen. 

Arbeitslosenzahlen für Chemiker scheinen stabil

Laut den offiziellen Arbeitsmarktdaten nach Berufen gab es in der Chemie im April 2012 8912 Arbeitslose, davon 2019 Experten. Arbeitssuchend waren 14586 Chemiker, 3341 davon als Experten. Im Mai waren es 8585 Arbeitslose, davon 2003 Experten. Arbeitssuchend waren 14466 Chemiker, 3312 davon als Experten. Es sieht also recht konstant aus im Frühling.