Der Chemiker der Zukunft

Beim Lesen von Jobangeboten und Annoncen (auf meiner Jobseite findet man welche) stolpere ich öfters über die Anforderungen an den Bewerber. 

Ein extrem sind Punkte wie Kenntnisse in MS Office/Excel/Powerpoint oder ein Englischkenntnisse. Hier vermute ich, dass dies den Bewerberkreis überhaupt nicht einschränkt, weil das jeder kann.

Auf der anderen Seite gibt es die Forderung nach zehnjähriger Berufserfahrung in einem sehr exotischen Randgebiet der Chemie. 

Das hat mich zu der Frage gebracht, was denn ein Chemiker in fünf oder zehn Jahren können sollte, um möglichst gute Chancen zu haben. Natürlich neben einer guten Promotion 

Hier meine Vorschläge:

  • IT-Kenntnisse, erste Programmiererfahrungen und Verständnis von Datenbanken,
  • Chinesisch,
  • Gute Kommunikationsfähigkeit,
  • BWL-Grundlagen, am Besten durch eine Unternehmensgründung während des Studiums, 
  • Verständnis für biologische und biochemische Prozesse,
  • Verständnis des cradle-to-cradle Konzeptes…

Das ist durchaus ernst gemeint. Was fällt Euch noch ein? Kann man das im Studium lernen? 

Schreibt es in die Kommentare, ich bin gespannt. 

4 Gedanken zu „Der Chemiker der Zukunft“

  1. Echt jetzt? Das ist ernst gemeint? Da sind wirklich einige sehr spezielle Anforderungen dabei, die nicht jeder braucht. Das liest sich für mich, als hättest du dabei vor allem an deinen Berufsalltag und deine Laufbahn gedacht. Meiner Meinung nach lässt du damit aber viele Aspekte aus anderen Bereichen unter den Tisch fallen.

    Kurz zu deiner Liste:
    – IT-Kenntnisse (maximal nichtssagend und selbstverständlich: 5 Euro in die BS-Bingo-Kasse)
    – Programmiererfahrung (kann nützlich sein, je nach Job und je nach Sprache (mir war es nie nützlich, weil die Kollegen vom Fach in dem Bereich immer besser sind als ich fachfremder „Programmierer“)
    – Verständnis von Datenbanken (Bedienen und Pflegen kann ich eine Datenbank auch ohne dezidierte Kenntnisse, fürs Aufbauen einer solchen gibt es fähigere Experten)
    – Chinesisch (echt jetzt? Das wurde bereits vor 10, 20 und auch vor 30 Jahren prognostiziert)
    – Kommunikationsfähigkeit (Kommunikation mit wem? Produktionsmitarbeiter? Kunden? Fachkollegen? Geschäftsleitung? Wissenschaftler? Interkulturell? also wieder mal zu allgemein: 5 Euro in die BS-Bingo-Kasse)
    – BWL-Grundlagen (welche? Kennzahlen? Rechtliches? Bilanzbuchhaltung? Marketing? Personalwesen? Unternehmensgründung während des Chemiestudiums? Ernsthaft?)
    – Verständnis für biologische und biochemische Prozesse (BS-Bingo!) Verständnis des cradle-to-cradle Konzeptes (wer braucht das denn? Nachhaltigkeit geht immer Hand in Hand mit Ökonomie. Nachhaltigkeit setzt sich nur durch, wenn sie rentabel oder gesetzlich vorgeschrieben ist. Da hilft auch kein hipper Modebegriff)

    Ich fasse mal kurz die wichtigsten Kenntnisse und Fähigkeiten zusammen, die _ich_ in den letzten Jahren gebraucht habe. Bei anderen Chemikern in anderen Bereichen wird es wieder völlig anders aussehen.

    – Chemie (Grundkenntnisse bis zum Vordiplom/Bachelor sowie viel instrumentelle Analytik)
    – IT (MS Office, SAP)
    – Kommunikation (Schreiben von SOPs, Prioritätengerangel mit Vorgesetzten/Kollegen, Vertrösten von Kunden, Kommunikation mit fachfremden Kollegen/Vorgesetzten, taktvolles Äußern von Kritik, faulen Mitarbeitern in den Hintern treten, faulen Vorgesetzten in selbigen kriechen)
    – Organisation (man hat immer mehr zu tun als machbar ist, Taktisches Priorisieren und gekonntes Delegieren ist hier wichtig.)
    – Rechtliches (Verordnungen, Normen, Gesetze, etc.; z.B. GMP, CLP, ADR, ISO 9001)
    – Personalführung (Arbeitsrecht, Psychologie für Machtkämpfe und sonstige Konflikte)
    – Problemlösung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten (Das Marketing schreit immer nach „dem besten“ Produkt, berücksichtigt keine Entwicklungszeit und weiß dabei gar nicht so recht, was es eigentlich genau will)
    – Qualitätsmanagement (Normen, Gesetze, praktische Anwendung)
    – Management-Werkzeuge (Fokus auf praktische Anwendung)

    Was generell im Studium zu kurz kam:
    – Statistische/Mathematische/Programmier-Kenntnisse (kann man sich bei gegebenem Interesse nebenher aneignen)
    – Rechtliche Anforderungen in der Praxis (kann das Studium nicht bieten, aber zumindest mal eine Übersicht. Umweltrecht, Patentrecht, GMP hatte ich durch Eigeninitiative in mein Studium gequetscht, das war aber bei weitem nicht genug für den realen Arbeitsalltag. Wer von euch kennt sich im Detail mit den Anforderungen einer GMP-gemäßen Dokumentation aus? Wer hat schon mal ein Sicherheitsdatenblatt erstellt oder kennt die Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem?

    1. Du hast Recht, meine Liste war etwas provokativ, weil sonst niemand antwortet. Und bestimmt hat jeder im Detail andere Schwerpunkte und Prioritäten.
      Vielen Dank für Deine detaillierten Gedanken zu den Anforderungen, so ergibt sich ein besseres Bild.

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